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Bemerode Verein Kronsberg Life Tower verliert sein Gelände
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode Verein Kronsberg Life Tower verliert sein Gelände
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16:00 04.08.2017
Der 20 Meter hohe Kletterturm ist das Herzstück des Areals. Das Spielgerät steht auf den verbleibenden 2.500 Quadratmetern. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Auf 14 500 Quadratmetern breitet sich der Verein Kronsberg Life Tower derzeit aus. Diese Fläche bietet jede Woche rund 50  Kindern Platz zum Toben, Volleyballspielen, Stockbrotbacken, Kicken und natürlich zum Klettern. Denn das Herzstück des Geländes an der Oheriedentrift ist der 20 Meter hohe Kletterturm, der ein bisschen wie ein übergroßes Mikadospiel aussieht. Einen Großteil der Fläche verlieren die Kletterfreunde allerdings – bis Ende des Jahres sollen sie 12 000 Quadratmeter für den benachbarten TSV Bemerode freiräumen.

Nebenan ist ein Stadtpark beantragt

Während der Verein Kronsberg Life Tower um die Zukunft seines Sportangebots bangt, wünschen sich die Bezirksratspolitiker nebenan einen neuen Sport- und Spielpark. Im Oheriedenpark, oder auch Stadtteilpark Bemerode, fordert der Bezirksrat Sportgeräte und eine Rasenfläche mit zwei Fußballtoren. Finanziert werden solle der Park aus den Mitteln des Teilhaushalts Umwelt und Stadtgrün oder aus sonstigen Haushaltsresten, so der Antrag der SPD-Fraktion. Von Vorteil sei der Standort im direkten Einzugsgebiet des TSV Bemerode, „der keine Kapazitäten für die Gelegenheitssportler mehr hat“, heißt es in der Begründung der Sozialdemokraten. Der Bezirksrat stimmte dem Antrag jüngst einhellig zu.

Im Januar kündigte die Stadt dem Verein den bestehenden Mietvertrag für das Gelände. Ein neuer Mietvertrag bis 2019 sieht keine Verlängerungsoption vor. Ab dem kommenden Jahr steht den Kletterern dann nur noch ein 2500 Quadratmeter großer Bereich zur Verfügung. „Ein Teil der bislang vom Kronsberg Life Tower genutzten Fläche wird an den TSV Bemerode abgetreten“, sagt Stadtsprecher Udo Möller. Möglicherweise soll ein Sportplatz entstehen, eine genauere Planung gibt es jedoch noch nicht. Der Verein Kronsberg Life Tower fühlt sich nicht ausreichend informiert. Marco Knorr, hauptamtlicher Sozialarbeiter des Vereins, wandte sich in der Einwohnerfragestunde der Mai-Sitzung an den Bezirksrat. Doch auch dort gab es keine Antworten. „Niemand hat die Absicht, Ihren Turm in einen Sportplatz zu verwandeln“, scherzte Bezirksbürgermeister Bernd Rödel, Details zur Planung konnte er aber nicht nennen.

Vertrag unter Zeitdruck unterzeichnet

Möller teilte mit, dass der Mietvertrag im März dieses Jahres „im Einvernehmen mit allen Beteiligten“ geschlossen wurde. Knorr dagegen sagt, der Verein habe den Vertrag unter Zeitdruck unterzeichnet – und aus Angst, die Fläche ansonsten ganz zu verlieren. „Sonst hätten wir ja gar keine Rechtssicherheit mehr gehabt“, beklagt Knorr. Sein Vorschlag, der TSV könne auch an einem anderen Standort im Bezirk, möglicherweise auch im geplanten Neubaugebiet Kronsberg-Süd, ausbauen, blieb von der Stadt unkommentiert.

Zwar liegen der Kletterturm und auch das Beachvolleyballfeld innerhalb der 2500 Quadratmeter großen Fläche, die dem Verein erhalten bleiben. Dennoch bedeutet der Verlust viel Arbeit und einige Einschränkungen. Mehrere Hütten, der Toilettenwagen, die Gemüsebeete und die Lagerfeuerstelle müssten umziehen. „Das wäre möglich, aber es hat nicht mehr das gleiche Flair wie vorher“, sagt Knorr. Die große Freifläche ginge verloren, ebenso der „Dschungel“, wie Knorr den ungemähten Teil der Grünfläche am Rande des Areals liebevoll nennt. Dort im Gebüsch erkundeten die Kinder gerne Tier- und Pflanzenwelt, erzählt der 36-Jährige. „Das ist eben das Besondere hier – ein Stück Natur mitten in der Stadt“, sagt Knorr.

Ein weiterer Nachteil der kleinen Fläche: Genau dieser nördliche Abschnitt des Geländes verfügt über wenig Sichtschutz zur benachbarten Straße und Bahnstrecke. Die restliche Fläche ist mit hohen Hecken deutlich besser abgeschirmt. „Wenn wir aber hier jetzt auch noch eine Hecke anlegen, haben wir noch weniger Platz“, sagt Knorr. „Da brauchen wir schon einen richtigen Naturplaner, um das Flair gestalterisch zu übernehmen.“ Der ist allerdings noch nicht engagiert, denn noch gibt der Verein nicht auf. Demnächst will Knorr die Bezirksratsmitglieder einladen – zum Stockbrotbacken und Klettern, das immer mittwochs stattfindet. „Ich habe die Hoffnung, dass wir das noch retten können“, sagt der Sozialarbeiter.

jst

Klettern statt Fußball

Muss es denn immer ein Fußballplatz sein? Nicht jeder, der sich sportlich betätigen will, möchte unbedingt Fußball spielen. Und auch nicht jeder will gleich einem Verein beitreten. Das Vereinswesen ist deshalb nicht überflüssig, es bleibt wichtiger Bestandteil im Sport. Aber auch für die Gelegenheitssportler muss es einen Platz geben. Der Verein Kronsberg Life Tower ist da ein gutes Beispiel: Mit 15 Mitgliedern ist die Vereinsgröße, freundlich ausgedrückt, überschaubar. Dennoch nehmen jede Woche rund 50 Kinder an der offenen Veranstaltung Stockbrotkids teil. An Spitzentagen tummeln sich auch mal doppelt so viele Menschen auf dem weitläufigen Gelände, treiben Sport, klönen oder klettern den Turm hinauf. Dass dieses Angebot nun für einen neuen Sportplatz stark eingeschränkt wird, ist schade. Die Stadt sollte überlegen, ob es nicht einen alternativen Standort für den Sportplatz gibt.

Außerdem: Dass der Bezirksrat sich nebenan im Oheriedenpark ein niedrigschwelliges, unverbindliches Sportangebot wünscht, zeigt doch, dass die Nachfrage besteht. Warum dann nicht lieber das vorhandene Angebot erweitern? Und: Fußball spielen können die Kicker auch andernorts im Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode – besonders jetzt, da die Bolzplätze saniert wurden.

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