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Bemerode Wo kommt das neue Flüchtlingsheim hin?
Hannover Aus den Stadtteilen Bemerode Wo kommt das neue Flüchtlingsheim hin?
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00:15 20.03.2016
Im westlichen Teil des Bemeroder Angers wurden Bäume für den Bau eines Flüchtlingsheims gebaut, im östlichen Teil wurden Neupflanzungen für den Schallschutz angelegt. Quelle: Link
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Hannover

Im Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode kehrt einfach keine Ruhe ein. Schon zum zweiten Mal in Folge war eine öffentliche Sitzung des Bezirksrats völlig überlaufen - und zwar von aufgebrachten Bürgern. Unter den weit mehr als 100 Besuchern stachen wieder zwei besonders hervor: die beiden uniformierten Kontaktbeamten, die erneut deutliche Präsenz zeigten. Das wirft allmählich die Frage auf, wie schlecht es eigentlich um das politische Klima im Stadtbezirk bestellt ist.

Die Anwohner waren größtenteils wegen einer Angelegenheit gekommen, die bezeichnenderweise gar nicht auf der Tagesordnung stand. Sie forderten Aufklärung über die jüngsten Baumfällungen am Bemeroder Anger. Hier hatte die Stadt eine unbestimmte Anzahl von Bäumen fällen lassen, um den Bau eines Flüchtlingsheims vorzubereiten. Die Fällaktion war weder im Bezirksrat noch gegenüber der Nachbarschaft angekündigt worden.

"Hier wurden Fakten geschaffen"

Als Reaktion auf die überraschende Rodung formierte sich eine Bürgerinitiative, die zu den Baumfällungen insgesamt 30 Fragen an den Bezirksrat schickte. Das Gremium leitete den Fragekatalog zwar an die Stadtverwaltung weiter. Diese war allerdings nicht in der Lage, innerhalb von drei Werktagen umfassend zu antworten. „Ich habe nur vereinzelt Rückantwort erhalten“, sagte Stadtbezirksmanager Wolfgang Just während der Sitzung.

„Wir sind hellhörig geworden, weil einfach Fakten geschaffen wurden, ohne vorher zu informieren“, begründet eine Initiatorin den Protest. Wie viele andere Anwohner auch fühlt sie sich von der Stadt übergangen. „Bei so einer Geheimnispolitik wird die Integration vor Ort eine schwierige Sache“, kritisierte ein anderer Bürger. Und viele zweifelten die Rechtmäßigkeit der Baumfällungen an. „Ich habe den Eindruck, dass die üblichen Gesetze außer Kraft gesetzt worden sind“, sagt eine Nachbarin.

Vorschlag von Anwohnern: „Wir sind der Meinung, dass es in der August-Madsack-Straße eine große, geeignete Fläche gibt, die der Stadt gehört.“ Quelle: Link

Stadtbezirksmanager Just konnte einzig auf einen Beschluss des Verwaltungsausschusses verweisen, der allerdings nicht vorlag. „Es haben nur die Vorrodungsarbeiten stattgefunden, die eigentlichen Bauarbeiten sollen im Sommer beginnen“, sagte Just weiter. Laut dem Stadtbezirksmanager sollen 100 bis 110 Personen in der Flüchtlingsunterkunft am Bemeroder Anger untergebracht werden. „Der Einzug der ersten Menschen ist für 2017 vorgesehen“, sagte er.

Viele Fragen blieben unbeantwortet, weshalb auch Rats- und Bezirksratsherr Hannes Hellmann (CDU) der Kragen platzte. „Dass eine so große Verwaltung Herrn Just ohne Munition ins Feuer schickt, und ihn und uns alle der Lächerlichkeit preisgibt, finde ich eine Unverschämtheit“, ärgerte sich Hellmann, der angesichts seiner ruhigen Art nicht gerade als Polterer gegen die Stadtverwaltung bekannt ist. „Es macht Sinn zu solchen Sitzungen die Fachleute mitzunehmen, die auf diese Fragen antworten können“, bemerkte die Protestinitiatorin an.

Neben vielen Fragen und einem guten Ratschlag präsentierte die Anwohnerin auch einen Alternativstandort. „Wir sind der Meinung, dass es in der August-Madsack-Straße eine große, geeignete Fläche gibt, die der Stadt gehört“, sagte sie. Es handelt sich um ein asphaltiertes Grundstück direkt neben dem Pressehaus Bemerode. Die Altbemeroder halten diese Fläche für wesentlich geeigneter, weil die Fläche hier bereits versiegelt ist, während es sich beim Bemeroder Anger um eine ausgewiesene Grünfläche handelt. Zudem sei das Grundstück an der August-Madsack-Straße mit seinen etwa 3250 Quadratmeter groß genug für drei Gebäude mit jeweils vier Geschossen und habe eine wesentlich bessere Infrastruktur. Bezirksrat und Stadtverwaltung kommentierten diesen Vorschlag bislang nicht.

Von Christian Link

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