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40 Bäume stehen Wohngebiet im Weg

Bothfelder Kirchweg 40 Bäume stehen Wohngebiet im Weg

Noch befindet sich am Ende des Bothfelder Kirchwegs ein kleines Biotop. Doch das soll ich bald ändern: Das Idyll soll einem Wohnquartier weichen. Naturschützer wollen einen Kahlschlag verhindern.

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Insgesamt sechs Wohnhöfe sollen das neue Wohnquartier am Bothfelder Kirchweg bilden.

Quelle: Grafik: chora blau

Hannover. Eine verlassene Hofstelle und verwilderte Kleingärten haben der Natur weitgehend freien Lauf gelassen, sodass sich in den vergangenen Jahren fast ungestört eine dicht bewachsene Idylle bilden konnte. Doch mit dem ungebremsten grünen Wachstum ist es bald vorbei: Das Wohnungsunternehmen Gundlach plant an dieser Stelle ein neues Wohnquartier mit insgesamt 42 Mietwohnungen in fünf sogenannten Wohnhöfen. Bevor die Arbeiten beginnen können, muss jedoch ein Kahlschlag für Platz auf der Baustelle sorgen.

Vorhaben ruft Naturschützer auf den Plan

„Die vorhandenen Gehölzbestände und über 55 ältere Bäume, die unter die Baumschutzsatzung der Stadt Hannover fallen, bilden einen naturschutzfachlich wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten“, heißt es in einer Stellungnahme des BUND zum Bebauungsplan. Die Naturschützer fordern, die Planungen so zu ändern, dass mehr Bäume erhalten werden können.

In die gleiche Kerbe schlägt Grünen-Bezirksratsherr Christopher Steiner. „Es geht hier um den biologisch wertvollsten Teil des Bothfelder Angers, und es wäre sehr bedauerlich, wenn 40 von 55 Bäumen wegfallen würden“, sagte Steiner in der vergangenen Sitzung des Stadtbezirksrats Bothfeld-Vahrenheide. Seine Bedenken wurden allerdings - genauso wie die Einwände des BUND - von der Stadtverwaltung zurückgewiesen.

Pläne berücksichtigen Baumbestand

„Man kann die Häuser ja nicht per Hubschrauber zwischen die Bäume setzen“, entgegnete Stadtplaner Uwe Holland in der Bezirksratssitzung. Die fünf neuen von Gundlach geplanten Mehrfamilienhäuser seien auf dem Grundstück so angeordnet worden, dass möglichst wenig Bäume gefällt werden müssen. Dennoch stünden zahlreiche Pflanzen im Weg. „Man bemüht sich, so viele Bäume wie möglich stehen zu lassen, aber nicht um jeden Preis“, sagte Holland. Schließlich brachte Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg das Dilemma wie folgt auf den Punkt: „Es wäre besser, die Bäume stehen zu lassen, aber Bauen muss auch sein.“ Die Notwendigkeit für weiteren Wohnraum in Bothfeld erkannte schließlich auch die Grünen-Fraktion an, weshalb der Bebauungsplan im Bezirksrat einstimmig beschlossen wurde. Am vergangenen Montag erteilte zudem der Umweltausschuss des Rates seine einhellige Zustimmung.

Dass es aus der Politik trotz der Baumfällungen kaum Kritik an den Plänen gibt, dürfte auch an den umfangreichen Ersatzpflanzungen liegen, die Bauherr Gundlach vornehmen muss. Für die 40 Bäume, die im Laufe der Bauarbeiten gefällt werden sollen, müssen doppelt so viele Bäume neu gepflanzt werden. Neun Bäume werden direkt im Wohnquartier neu gesetzt, weitere 71 Bäume werden auf einer Ausgleichsfläche angesiedelt.

Wohnquartier stößt auf Zustimmung

Insgesamt stößt das neue Wohnquartier auf breite Zustimmung. Viel Lob erntete Gundlach etwa für seine Pläne, die bestehende Hofanlage am Bothfelder Kirchweg 6 zu sanieren und in das Wohnquartier zu integrieren. Zudem setzt das Familienunternehmen anders als viele andere Bauherren nicht auf teure Eigentumswohnungen, sondern will im neuen Wohnquartier ausschließlich möglichst günstige Mietwohnungen anbieten. Die Bau- und Mietkosten werden dadurch gesenkt, dass die Ein- bis Vierzimmerwohnungen tendenziell kleinere Wohnungsgrößen aufweisen als in anderen Neubauten. Darüber hinaus wird auf Kellerräume oder Aufzüge in den Gebäuden verzichtet, die jeweils die Baukosten deutlich steigern würden.

"Hohe Lage- und Wohnqualität"

Die Stadtplaner kommen zu einer durchweg positiven Bewertung des neuen Wohnquartiers. „Insgesamt weist das Plangebiet aufgrund der städtebaulichen Rahmenbedingungen eine hohe Lage- und Wohnqualität auf“, heißt es im vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Alles andere wäre aber auch überraschend. Schließlich basieren die Baupläne auf dem Entwurf der Architektenarbeitsgemeinschaft AllesWirdGut/laserarchitekten mit chora blau. Das Konzept wurde in einem städtebaulichen Wettbewerb mit dem ersten Rang gewürdigt. Im Preisgericht saßen neben Vertretern der Firma Gundlach auch Stadtbaurat Uwe Bodemann und Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg.

Von Christian Link

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Bothfeld in Zahlen
  • Stadtbezirk : Bothfeld-Vahrenheide, 3. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 47.500
  • Einwohner je Stadtteil: Bothfeld (20.300 Ew.), Vahrenheide (9.200 Ew.) Sahlkamp (13.600), Isernhagen-Süd (2.800), Lahe (1.800)
  • Bevölkerungsdichte : 1.549 Einwohner/km²
  • Postleitzahl : 30657, 30659
  • Geschichte: Das älteste Gebäude in Bothfeld ist die Nicolaikirche (1288).
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