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Bothfeld Der sanfte Blick des alten Richard
Hannover Aus den Stadtteilen Bothfeld Der sanfte Blick des alten Richard
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00:15 30.04.2016
„Ich hatte mir vorgenommen, ihn anzusprechen“: Fotograf Holger Bücker vor seinem preisgekrönten Bild „Old Richard“.Fotos: Moers (2)
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Bothfeld

So ein Bild wie den alten Richard, das schießt ein Fotograf nur einmal im Leben. Vor sechs Jahren porträtierte Holger Bücker einen Bettler auf der Lister Meile mit seiner Digitalkamera. Er hatte keine Ahnung, welche Folgen der Schnappschuss für ihn haben würde. „Ich hatte den alten Mann vorher ein paar Mal dort sitzen sehen und mir vorgenommen, ihn dieses Mal anzusprechen“, erinnert sich der ambitionierte Foto-Amateur. Man kam ins Gespräch. Irgendwann machte er dann dieses Foto. Mitten in einem vom Alter und den Härten des Lebens gezeichneten, ledrigen und bärtigen Gesicht ruht ein sanfter Blick.

„Old Richard“ hat Bücker das Foto getauft. Erst ein Jahr nach der Begegnung mit dem Unbekannten hat er von einem Obsthändler den Namen des Bettlers erfahren. 2014 gewann sein Porträt den „Al-Thani Grand Prix Award“, einen renommierten internationalen Fotopreis. Zur Preisverleihung flog er nach London. Ein Design-Geschäft in der List zeigte daraufhin seine Arbeiten im Schaufenster. Dort erkannte eine Passantin auf dem Porträt von „Old Richard“ ihren Großvater. Der alte Mann war wenige Monate nach der Aufnahme gestorben. Bei einem Treffen mit der Familie überreichte Bücker ihnen eine extragroße Leinwand mit dem prämierten Foto des Opas.

Seit Beginn der Woche ist das Bild zusammen mit 27 weiteren Arbeiten des Fotografen im Bothfelder Kulturtreff ausgestellt. Das Spektrum der Ausstellung „Sichtweisen“ reicht dabei vom besonderen Blickwinkel auf bekannte lokale Bauwerke über perfekt abgepasste Tieraufnahmen und düstere (Stadt-)Landschaften bis zur dekorativen Blumen-Collage. Allen Bildern gemein ist eine aufwendige digitale Nachbearbeitung. In einigen Fällen verschwimmen die Grenzen zwischen Fotografie und Digitalkunst. Inhaltlich wirken die Bilder häufig entschleunigt. Als Amateur hat der Datenschutzbeauftragte in einem großen Unternehmen die notwendige Muße bei der Aufnahme und Auswahl der Bilder. „Ich gehe nur selten gezielt zum Fotografieren los. Stattdessen stöbere ich gezielt in meinen Archiven“, erklärt der 45-Jährige seine persönliche Suche nach dem perfekten Foto.

Das Hobby Fotografie hat sich bei Bücker erst im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Mit den ersten Erfolgen wuchs zunächst die Ausrüstung und schließlich auch der eigene Anspruch. „Band-Fotografie ist meine Leidenschaft“, verrät Bücker. Im Kulturtreff weist lediglich eine Collage darauf hin. Der Hintergrund: Bücker ist leidenschaftlicher Gothic-Fan. Die Fotos aus der „Schwarzen Szene“ zeigt er lieber auf Szene-Seiten im Internet. Inzwischen hat er viele seiner Stars persönlich kennengelernt. Und natürlich auch fotografiert.

Wer von dieser Leidenschaft weiß, der sieht auch in einigen Fotos der Ausstellung die Vorliebe für Schwere und düstere Melancholie durchscheinen. Etwa bei dem bizarren, dürren Baum, der etwas unheimlich im Nebel steht. Den hat Bücker in einem Lehrter Park entdeckt. Ähnlich wie an „Old Richard“ war er schon oft an dem Baum vorbeigegangen. An diesem einen Tag fiel ihm der Baum besonders auf. Das Foto ist eines der stärksten in der Ausstellung. Es kommt eben nur auf die besondere „Sichtweise“ an.

Die Ausstellung im Kulturtreff Bothfeld, Klein-Buchholzer Kirchweg 9, läuft noch bis zu den Sommerferien. Zu sehen ist sie von Montag bis Donnerstag zwischen 9.30 und 13.00 Uhr und Dienstag bis Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Von Mario Moers

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