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Bothfeld Hochbahnsteig-Neubau bedroht Wäldchen in Bothfeld
Hannover Aus den Stadtteilen Bothfeld Hochbahnsteig-Neubau bedroht Wäldchen in Bothfeld
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12:46 05.02.2019
Bedroht: Das kleine Wäldchen neben der Straßenbahn-Haltestelle Bothfeld ist eigentlich geschützt. Für den Hochbahnsteig müsste ein kleines Stückchen weichen. Quelle: Mario Moers
Bothfeld

Muss für den Neubau eines Hochbahnsteigs an der Straßenbahnhaltestelle Bothfeld ein geschütztes Wäldchen zumindest in Teilen gerodet werden? Zu dieser Einschätzung kommen jedenfalls die Planer der Infrastrukturgesellschaft Region Hannover (Infra). Bei der Präsentation des Vorhabens im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide stieß der Entwurf nun auf erheblichen, fraktionsübergreifenden Zweifel.

Sparen auf Kosten der Natur?

Die Infra hat vor, im Zuge des Hochbahnsteigbaus Leitungen unter dem nördlich an die Haltestelle grenzenden parkähnlichen „Metzhof“ zu verlegen. Von Büschen und Bäumen bewachsen und mit Rad-und Fußwegen durchzogen, bildet das etwas wild anmutende Grün derzeit einen natürlichen Kontrast zur großen Verkehrskreuzung und der Haltestelle. Ein kleiner Erdwall dient außerdem der Lärmreduzierung. Im Zuge des geplanten barrierefreien Ausbaus aller Haltestellen in Richtung Fasanenkrug soll bereits im Herbst 2019 mit dem Bau eines Hochbahnsteigs an der Haltestelle Bothfeld begonnen werden. Das dessen Anlage dabei ausgerechnet das Schutzgebiet schneidet, ist aus Sicht der Infra unvermeidbar. „Über Alternativen brauchen wir nicht wirklich nachdenken. Der Eingriff in den geschützten Bereich lässt sich nicht verhindern“, begründet Infra-Planer Martin Vey das Vorhaben. Die Einbeziehung des Schutzgebiets ermöglicht ihm zufolge eine um neun Monate verkürzte Bauzeit und spart rund 1,3 Millionen gegenüber alternativen Varianten.

Soll bis Ende 2020 einen Hochbahnsteig bekommen: die Haltestelle Bothfeld. Quelle: Mario Moers

Wirklich alternativlos?

Das Problem liegt auf der Hand: Nach Ansicht des städtischen Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün verstößt diese Variante ohne jeden Zweifel gegen die 2011 für den sogenannten „Geschützten Landschaftsbestandteil Metzhof“ verabschiedete Satzung. Die Planer seien „von Anfang an davon ausgegangen, dass der Geschützte Bereich ohne Einschränkung als Baufläche zu Verfügung steht“, heisst es dazu in einer Stellungnahme der Stadt. In ihr werden die Argumente der Infra gleich mehrfach angezweifelt. Die naturschutzfachliche Prüfung kommt zu dem Ergebnis, dass „die Auswahl und Darstellung der möglichen Varianten methodisch anzuzweifeln ist“. Alternativen wären etwa der Bau eines Mittelhochbahnsteigs statt der geplanten Variante mit zwei Bahnsteigen. Diese Variante wurde von der Infra nicht betrachtet, unter anderem, weil die Gestaltung der Bahnsteige im Bereich Bothfeld möglichst gleich ausfallen soll. Die Verschiebung des Bahnsteigs in die Langenforther Straße wurde ebenfalls nicht geprüft.

Die CDU-Fraktion im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide will den zügigen Bau der Hochbahnsteige. Die SPD hätte den ersten Plan der Infra lieber intensiv geprüft. Quelle: Mario Moers

„Abenteuerliche“ Planung

„Warum wird hier in einem Bereich geplant, der gar nicht berührt werden darf. Für uns steht nicht zur Debatte, dass das Schutzgebiet angetastet wird“, kommentiert Christopher Steiner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bezirksrat, den Entwurf. Er bezeichnet das Vorgehen der Infra als „abenteuerlich“. SPD-Bezirksrat Adis Ahmetovic kritisierte vor allem die Kommunikation der Regionsplaner als „ungenügend und eine Zumutung“. Hätte der Bezirksrat sich bremsend in das Verfahren eingemischt, droht sich der gesamte Hochbahnsteigbau zu verschieben. Weil der allerdings grundsätzlich fraktionsübergreifend gewollt ist, fühlten sich die Abgeordneten mitunter gezwungen, die Vorstellung der Infra abzunicken. „Wir stimmen deshalb zu, damit es möglichst bald losgeht“, so die Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion Jutta Barth. Die endgültige Entscheidung über das Projekt fällt der Verwaltungsausschuss am Donnerstag, 14. Februar. Der Eingriff in das Schutzgebiet würde außerdem eine Änderung der „Metzhof“-Satzung durch den Rat notwendig machen.

Bothfeld wird barrierefrei

In den kommenden Jahren sollen alle Stadtbahnhaltestellen nördlich der Noltemeyerbrücke barrierefrei ausgebaut werden. So sieht es der Nahverkehrsplan der Region Hannover vor. Bereits im Herbst könnte der Bau des Hochbahnsteigs Bothfeld beginnen, der frühestens im Dezember 2020 den Betrieb aufnehmen könnte. Bis 2021 folgt die Haltestelle Kurze-Kamp-Straße. Zu den Haltestellen Bothfelder Kirchweg, Stadtfriedhof Bothfeld und Fasanenkrug liegen noch keine konkreten Pläne vor. Entsprechend der einheitlichen Planung werden sie voraussichtlich ebenfalls mit Seitenhochbahnsteigen ausgestattet.

Von Mario Moers

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