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Kurze-Kamp-Straße: Ist die Ladenzeile ein Baudenkmal?

Bothfeld Kurze-Kamp-Straße: Ist die Ladenzeile ein Baudenkmal?

Die Fünfzigerjahre-Ladenzeile in der Kurze-Kamp-Straße genießt Denkmalschutz. Das ist vielen Ladenbesitzern schon lange ein Dorn im Auge, sind die Gebäude doch für moderne Geschäfte ungüngstig geschnitten und optisch wenig ansprechend. Deshalb fordert die FDP jetzt die Aufhebung des Denkmalschutzes.

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Schutzwürdig? Die Fünfzigerjahre-Ladenzeile sorgt für kontroverse Diskussionen.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Der jüngste Vorstoß des FDP-Mandatsträgers Wolfgang Butz war dem Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide ein bisschen zu forsch. Der Liberale hatte in einem Antrag die Aufhebung des Denkmalschutzes für die Ladenzeile in der Kurze-Kamp-Straße gefordert. „Die Entwicklung des Einkaufszentrums wird durch den Denkmalschutz stark behindert“, sagte Butz. Die Verwaltung müsse sich deswegen dafür einsetzen, dass der Sonderstatus für die Fünfzigerjahre-Immobilien aufgehoben wird.

Wirklich ein Denkmal?

Für den sozialen Wohnungsbau in den Fünfzigerjahren waren die sogenannten Plano-Häuser ein großer Wurf: Zwischen der Kurze-Kamp-Straße und dem Stadtfriedhof Bothfeld durfte Architekt Friedrich Lindau 1955/56 ein ganzes Wohnquartier in diesem Stil entwerfen. Mit diesem und anderen Projekten wie der Franz-Mersi-Schule in der Südstadt oder dem Seniorenzentrum Körtingsdorf in Badenstedt zeichnete sich Lindau (1915–2007) aus, der 1970 Gründungspräsident der Architektenkammer Niedersachsen wurde. 1990 stellte das Bauordnungsamt der Stadt alle drei Bauprojekte unter Denkmalschutz. Dass neben den Plano-Wohnhäusern auch die Ladenzeile in der Kurze-Kamp-Straße unter Schutz gestellt wurde, sorgte jedoch für Kritik. Für moderne Einzelhandelsgeschäfte sind die Grundrisse der Ladengeschäfte ungeeignet. Die Eigentümer dringen daher auf bauliche Veränderungen, für die es allerdings strenge Auflagen gibt.

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Das Gremium stimmte jedoch nur für eine entschärfte Version seines Antrags. Auf Wunsch der SPD-Fraktionschefin Claudia Heinrich musste Butz seine Forderung in einen Prüfauftrag umwandeln, um eine Mehrheit für sein Anliegen zu bekommen. „Das ist eine Aufweichung, aber da ist ein Abwägungsprozess notwendig“, meinte Klaus Hedrich (SPD). Bei der anschließenden Abstimmung sprachen sich zwar alle Bezirksratsmitglieder dafür aus, den Denkmalschutz auf den Prüfstand zu stellen. Doch ob das einstimmige Votum bei der zuständigen Denkmalschutzbehörde Gehör findet, ist ungewiss. Der Bezirksrat hat in dieser Angelegenheit keine Entscheidungsgewalt.

Antragsteller Butz verweist auf Paragraf 2 Absatz 3 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NDschG). Dort ist festgehalten, dass ein Kulturdenkmal nur dann erhaltenswert ist, „soweit nicht andere öffentliche Belange überwiegen“. Diesen Fall sieht der Liberale an der Kurze-Kamp-Straße als gegeben an. Schließlich hätten beim Bothfeld-Forum im Dezember auch Vertreter der Stadt eingeräumt, dass der Denkmalschutz die Entwicklung der Einkaufsstraße behindere. „Noch ist das Zentrum mit Edeka, Apotheke, Post und Sparkasse lebensfähig, aber die ständigen Leerstände und laufende Mieterwechsel zeigen die Probleme deutlich.“

Dass die optisch wenig attraktive und für moderne Geschäfte ungünstig geschnittene Ladenzeile in ihrer ursprünglichen Form erhalten werden muss, stößt im Stadtteil schon seit Längerem auf Unverständnis. „Der Denkmalschutz für die Gebäude in der Kurze-Kamp-Straße ist unter fragwürdigen Bedingungen entstanden“, werfen Eigentümer der Stadt Hannover vor. Sie bezweifeln, dass es sich bei den Häusern tatsächlich um Kulturdenkmale im Sinne des NDschG handelt, denn aus ihrer Sicht besteht kein öffentliches Interesse am Erhalt der Ladenzeile.

Von Christian Link

Denkmalschutz lockern!

Denkmalschutz ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, herausragende Beispiele architektonischer Stile und Epochen zu bewahren – ansonsten würde eine Stadt schnell ihr Gesicht verlieren. Die Frage stellt sich aber, ob auch die Ladenzeile in der Kurzen-Kamp-Straße ein Bauwerk für die Ewigkeit sein soll und folglich nicht verändert werden darf. Die Antwort sollte aufgrund der Faktenlage nicht schwerfallen: Es handelt sich um einen Zweckbau aus den Fünfzigerjahren, der nur deshalb unter Schutz gestellt wurde, weil er mit Wohnhäusern zusammenhängt, deren Stil als herausragend anerkannt wurde. Der selbst unter Verwaltungsexperten fragwürdige Denkmalschutz verhindert nun, dass sich die Ladenzeile der modernen Zeit anpassen kann. Dringend notwendige Veränderungen in den Räumlichkeiten werden unmöglich gemacht. Die Folge ist, dass die Einkaufsstraße in absehbarer Zeit an Attraktivität verliert, Geschäftsleute womöglich aufgeben müssen. Die massive Einzelhandelskonkurrenz in Hannovers Innenstadt bekommen die Kaufleute in Bothfeld deutlich zu spüren. An einer Lockerung des Denkmalschutzes führt kein Weg vorbei.

Ein Kommentar von Andreas Schinkel

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Bothfeld in Zahlen
  • Stadtbezirk : Bothfeld-Vahrenheide, 3. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 47.500
  • Einwohner je Stadtteil: Bothfeld (20.300 Ew.), Vahrenheide (9.200 Ew.) Sahlkamp (13.600), Isernhagen-Süd (2.800), Lahe (1.800)
  • Bevölkerungsdichte : 1.549 Einwohner/km²
  • Postleitzahl : 30657, 30659
  • Geschichte: Das älteste Gebäude in Bothfeld ist die Nicolaikirche (1288).
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