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Bothfeld Lernen in Baracken
Hannover Aus den Stadtteilen Bothfeld Lernen in Baracken
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19:31 08.06.2016
Von Saskia Döhner
Die Schüler der Grundschule Grimsehlweg in Bothfeld haben auf ihrem Pausenhof viel Platz – und ein neues Klettergerüst. Quelle: Samantha Franson
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Bothfeld

Die Grundschule Grimsehlweg feiert in diesem Jahr ihr 80-jähriges Bestehen und hat deshalb Ende vergangener Woche ein großes Schulfest mit buntem Programm veranstaltet. Seit der Gründung hat sich viel geändert: Die ersten 70 Kinder der Schule lernten in Baracken. Damals hieß die Schule noch Bürgerschule 64. Einige Jahre später gibt es dann sieben Unterrichtsräume. Benotet werden nicht nur die heute bekannten Fächer, sondern auch Sozialtugenden wie Aufmerksamkeit, Fleiß und Ordnung. Auf dem Zeugnis stehen 21 Noten. Anfangs gibt es nur einen Schulleiter und einen Hausmeister, beides Respektspersonen für die Schüler, später zählt das Kollegium sechs Mitglieder.

Bei einem Luftangriff 1942/43 fliegt das Dach weg, die Kinder müssen deshalb in die Bürgerschule 61 an der Ebelingstraße umziehen. Der erste Schultag nach Kriegsende ist ausnahmsweise im August. Normalerweise startet das Schuljahr eigentlich schon Ostern. Es sollte weitere 20 Jahre dauern, bis man den Beginn des Schuljahres generell auf den Spätsommer legt.

Lehrermangel, Raumnot, viele Flüchtlinge - die Probleme nach 1945 erinnern an heute. „Stimmt“, sagt Katja Adelt (53), seit 2012 Schulleiterin. Nur Heizprobleme, wie im Winter 1945/46, kennt man 2016 nicht. Und die Klassen haben auch nicht mehr 60 Schüler. Ab 1950 wird geschlechtergemischt unterrichtet, drei Jahre später bezieht man endlich einen Neubau: 750 Kinder lernen in sieben Klassen im Schichtbetrieb. 1966 entsteht ein Erweiterungsbau, hier haben nun zusammen schon zwölf Klassen Platz.

Seit 1977 gibt es Schwimmuntericht an der Grundschule, seit 1984 ist sonnabends schulfrei. 1991 wird der Förderverein der Schule gegründet, 1995 eine Englisch-Arbeitsgemeinschaft eingeführt. 1996 besuchen gut 300 Schüler die Grundschule. Ein Jahr später wird ein Hort eingerichtet. Seit 2011 ist es eine offene Ganztagsschule. Mittlerweile sind es 370 Schüler, pro Jahrgang vier Klassen.

Raummangel ist auch nach 80 Jahren noch ein Thema. Ohne die Container, die auf dem Schulhof stehen, wäre der Betrieb nicht aufrechtzuerhalten. „Wir sind voll“, sagt Leiterin Adelt. In den Containern findet unter anderem täglich Sprachförderunterricht für die angehenden Erstklässler aus 30 Kitas statt. Das Gebäude um ein weiteres Stockwerk zu erweitern hat die Stadt abgelehnt. Neu- oder Anbauten sind derzeit nicht vorgesehen. Die Container werden wohl zur Dauerlösung werden. „Die Lerngruppen werden heterogener“, sagt Adelt. Gerade für Kinder mit Handicaps wären Rückzugsräume wünschenswert, aber vielerorts fehlt der Platz, wie auch am Grimsehlweg.

Genug Platz haben die Kinder immerhin auf dem Pausenhof, wo gerade ein neues Klettergerüst aufgestellt wurde. An fünf Tagen in der Woche gibt es über die Johanniter ein Nachmittagsangebot, das rund 150 Kinder nutzen: Sport, Musik, Kochen - die Auswahl ist groß. Die Musik wird an der Bothfelder Grundschule großgeschrieben. Singen kann man auch, ohne Noten zu kennen, wenn jeder Ton einer Handbewegung zugeordnet ist. Seit diesem Jahr gibt es eine extra Musikklasse. „Das Interesse daran ist groß“, sagt Adelt. Deshalb soll es auch im nächsten Schuljahr wieder eine Musikklasse geben.

Die enge Kooperation mit den weiterführenden Schulen im Viertel, mit der Integrierten Gesamtschule Bothfeld, den Gymnasien Leibnizschule und Käthe-Kollwitz-Schule sowie der Gerhart-Hauptmann-Realschule, ist für Adelt selbstverständlich. Die Übergänge ihrer Viertklässler sollen schließlich gut gelingen.

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