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In der Spielstadt Na?nnover regieren die Kinder

Burg In der Spielstadt Na?nnover regieren die Kinder

Ob Bauhof, Rathaus, Designwerkstatt oder eigene Zeitungsredaktion: Einmal im Jahr öffnet die Spielstadt Na?nnover ihre Pforten im Jugendtreff Inner Burg. Dann haben für eine Woche die Kinder das Sagen. Das Resultat ist ein jedes Mal anders. Es gab sogar schon Wahlbetrug und handfeste Debatten.

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Redeemer (12, linkes Bild, von links), Tim (10), Nils (11) und Justus (11) haben sich einen eigenen Wagen gebaut. Den Führerschein durften sie aber nicht lange behalten.

Quelle: Tomma Petersen

Hannover. Schon von Weitem hört man laute Musik und fröhliche Kinderstimmen aus der Richtung des Jugendtreffs Inner Burg. Ein knallgelbes Zelt steht direkt am Eingang zum Grundstück. Es ist das Rathaus der Spielstadt Na?nnover. Keiner kommt rein, ohne vorher einen Pass und Ausweis zu bekommen - für Erwachsene gibt es nur ein Besuchervisum. Eine Woche lang regieren hier nämlich die Kinder Hannovers.

„Es ist völlig verrückt, sogar bei schlechtem Wetter und Dauerregen kommen an die 60 Kinder pro Tag“, erzählt Robert Taudien, der seit Jahren die Tore für die Spielstadt öffnet und für die Kids als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Das Konzept ist einfach: In der Spielstadt gibt es alles, was das Kinderherz sich wünscht. Bastel- und Baumaterial, Malzeug, Stoffe und Technik. „Es gibt Werkstätten, in denen die Kinder einen Tag verbringen können. Aus allen Stadtteilen kommen die Kids her“, sagt Cheforganisator Taudien.

Verzichten auf Geld

Designwerkstatt, Bauhof, Malerei, Rathaus, Zeitungsredaktion und die stadteigene Radiostation sind die festen Orte. „Von hier aus entwickelt sich alles andere aus der Kinderfantasie heraus“, sagt Taudien. Geld gibt es keines in der Spielstadt. „Wenn beispielsweise die Theatergruppe bestimmte Kostüme haben möchte, schreibt sie einen Bestellschein an die Designwerkstatt und legt ihn in den Briefkasten. Der Postbote bringt ihn dann zum Empfänger“, so Taudien. Sobald Geld im Spiel sei, müsse es eine Bank geben und eine Polizeistation samt Gefängnis. „Spätestens am zweiten Tag gibt es dann einen Banküberfall“, erzählt der Pädagoge. Ohne Geld lebe es sich viel friedlicher, und die Kinder könnten kreativer sein.

„Es gibt ein Hauptthema der Woche - dieses Jahr ist das Motto ‚Wir haben einen Traum’. Den Rest entwickeln die Kinder mithilfe von älteren Jugendlichen selbst“, sagt Taudien. Die Regeln der Spielstadt werden nämlich von den Acht- bis 14-Jährigen gemacht. Nur sie entscheiden, wohin die gemeinsame Spielreise gehen soll. „Ihre Ideen und ihr Handeln werden hier ernst genommen. Die Spielstadt ist völlig autonom“, erklärt der Organisator.

„Uns wurden die Führerscheine entzogen, weil wir mit unserem Wagen nicht auf der Straße gefahren sind“, erzählt Justus (11). Weil er mit seinen Kumpeln Tim (10), Nils (11) und Redeemer (12) nicht auf der mit Kreide gezeichneten Straße auf dem Hof des Jugendtreffs unterwegs war, seien die Jungs in einer Verkehrskontrolle aufgefallen. „Der Kontrolleur vom Rathaus hat uns dann die Führerscheine abgenommen“, sagt Nils. Ein bisschen lustig finden die vier das Ganze schon, auch wenn sie jetzt erst einmal warten müssen, bis sie einen neuen Führerschein machen und dann mit ihrem Wagen über das Gelände des Jugendtreffs fahren dürfen.

Kinder kommen seit Jahren immer wieder

Für Führerscheine, Briefmarken und weitere Papiere ist Tara zuständig. Die Zwölfjährige sitzt im Rathaus und hat hier alles im Blick. „Ich finde es toll, dass ich jeden Tag in eine andere Werkstatt kann, wenn ich möchte“, sagt sie. In der Malerei würden sich Daniela (11), Luca-Ciara (13) und Amelie (14) über Hilfe freuen. „Wir arbeiten gerade an einem großen Fernseher, den die Theatergruppe für ihr tägliches Stück bei uns in Auftrag gegeben hat“, sagt Daniela. Die Mädchen kommen seit Jahren immer wieder in die Spielstadt zurück. „Ich habe meine beste Freundin hier kennengelernt, und es ist einfach eine tolle Ferienerfahrung“, erzählt Luca-Ciara.

„Es gibt Kinder, die habe ich hier aufwachsen sehen. Jedes Jahr kommen sie wieder“, sagt Pädagoge Robert Taudien. Das seien klassische Na?nnover-Kinder. Wer zu alt wird, mache oft als Gruppenleiter weiter und verbringe dann doch die letzte Ferienwoche in der Spielstadt. „Man kann ganz schwer beschreiben, was hier alles passiert“, erzählt Ricarda, die zum ersten Mal mit zarten sieben Jahren in die Spielstadt kam. „Es gab zum Beispiel mal Wahlbetrug und Bestechungsversuche bei unseren Bürgermeisterwahlen. Und einen Schlagabtausch zwischen dem Rathaus und der Zeitung, bei dem es um die Pressefreiheit ging“, sagt sie. Keine Spielstadt sei wie die andere. Aber um das zu erleben, müsse man eben selbst Bewohner Na?nnovers werden.

Von Tomma Petersen

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  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover 
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Burg (3.725), Herrenhausen (7.660), Ledeburg (5.797), Leinhausen (2.918), Marienwerder (2.461), Nordhafen (128) und Stöcken (11.975)
  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30419
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