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Beatpoeten feiern mit Ex-Titanic-Chef

Calenberger Neustadt Beatpoeten feiern mit Ex-Titanic-Chef

Wem kann man noch glauben? Das Punk-Elektro-Duo „Beatpoeten“ feiert mit Satiriker und Ex-Titanic-Chefredakteur Leo Fischer sein zehnjähriges Bestehen im Indiego Glocksee – mit Schnaps für alle, Erinnerungen an Horror-Auftritte in der Provinz und „fröhlichen Hundegeschichten“.

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Bestens gelaunt auf dem Podium (v.l.): Jan Sedelies, Leo Fischer und Constantin Alexander.

Quelle: Melanie Huber

Hannover. Seit zehn Jahren tingeln sie nun schon durch den oberen Teil Deutschlands und haben alles erlebt: Dreiste Kunststudenten, pöbelnde Kleinkunsthipster und ganz sicher auch Marshall McLuhan zitierende Kulturwissenschaftler in der Kloschlange der „Fusion“. Letzteres ist eine Vermutung - wahr aber ist, dass Costa Carlos Alexander und Jan Egge Sedelies als Beatpoeten die Toilettenhäuschen des Elektro-Festivals „Fusion“ mit Google-Übersetzungen von Eurodance-Hits wie „What is love“ von Haddaway oder „Be my lover“ von La Bouche beschallt haben.

Ohne Gesang und Synthesizer

Zumindest erzählen sie das dem Publikum im Indiego Glocksee. Ob man den beiden uneingeschränkt glauben kann, ist eine andere Frage. Denn ironische Brechungen gehören zu den Beatpoeten wie Sprechgesänge zu einem transportablen Synthesizer. Aus diesem Grund hat sich das hannoversche Punk-Elektro-Duo wohl auch gegen ein Konzert und für einen Leseabend zur Jubiläumsfeier entschieden. Als Special Guest ist der Ex-Titanic-Chefredakteur und „Die Partei“-Politiker Leo Fischer geladen, der Satiriker aus Frankfurt am Main wird gleich zu Beginn in die Mitte genommen. Google-Übersetzungen vorlesen kann nämlich auch er.

Während Alexander und Sedelies in unterhaltsamem „Woanders is’ auch scheiße“-Tonfall ihre tragikomischen Tour-Erlebnisse Revue passieren lassen, wirft Fischer ohne Umschweife (kultur-)politische Realsatire in den Raum: Peter Sloterdijk, Twitter, Sigmar Gabriel, TTIP - keine öffentliche Person und kein öffentlich diskutiertes Thema bleibt von Fischer unberührt, ungebremst lässt er seinen Satirefilter über alles laufen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sich selbst lässt er auch nicht aus: „Die Titanic hat mich zu dem gemacht, was ich bin: ein Wrack.“ Seine „diskursironischen“ Kolumnen, die in der Jungle World, der taz oder in Neues Deutschland erscheinen, treffen stets des Pudels Kern und den jeweiligen Duktus der zu veräppelnden Persönlichkeiten.

Beatpoetische Nabelschau

Helle Begeisterung wird dem Satiriker aber erst mit Auszügen aus seinem Buch „Fröhliche Hundegeschichten“ (Eichborn Verlag, 12,99 Euro) zuteil. Die Glocksee-Gäste freuen sich so sehr über die „dialektische Verdrehung von Herr und Knecht“ im Verhältnis von Adorno und seinem Hund Bebel, dass Fischer auch den ganzen Abend aus dem seiner Ansicht nach gefloppten Satire-Buch hätte vorlesen können. Die Kreuzung der Fischer-Kolumnen mit der beatpoetischen Nabelschau erzeugt eine eigene Metaebene, die von Schnaps für alle und Battle-Zitaten von Kollegah, Kool Savas und Haftbefehl gerahmt wird.

Dass die Beatpoeten im April (oder im Mai) eine neue Platte veröffentlichen, haben Alexander und Sedelies dann vergessen zu erwähnen. „#Geheul“ wird sie heißen und ausschließlich auf Vinyl erscheinen. Auch so eine ironische Brechung.

Von Melanie Huber

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So schön ist die Calenberger Neustadt
Calenberger Neustadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Mitte, 1. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 34.040
  • Einwohner je Stadtteil: Calenberger Neustadt (6.556 Ew.), MItte (9.418 Ew.), Oststadt (13.695 Ew.) und Zoo (4.371 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 3.167 Einwohner/km²
  • Postleitzahlen : 30159, 30161, 30167, 30169, 30175
  • Markantes aus der Geschichte : Die Calenberger Neustadt entstand als westliche Stadterweiterung in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie liegt zwischen Altstadt und Linden. Namensgeber war das Calenberger Land.
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