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Calenberger Neustadt Stadt saniert altes Wehr für rund 2 Millionen Euro
Hannover Aus den Stadtteilen Calenberger Neustadt Stadt saniert altes Wehr für rund 2 Millionen Euro
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12:01 09.06.2017
Von Conrad von Meding
Idyll mit Anglern und Flussschifffahrt: Die „Leineschloss“ wendet unterhalb des historischen Wehres. Quelle: Conrad von Meding
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Hannover

Es ist vielleicht einer der romantischsten Plätze Hannovers: Westlich vom Maschsee fällt Wasser aus der Leine über eine Wehranlage in den Schnellen Graben, einer künstlichen Verbindung zur Ihme. Angler genießen das bewegte Wasser im entstandenen Kolkteich, Paddler heben ihre Boote um, die Ausflugsschiffe „Leineschloss“ nutzen die Fluss-Sackgasse regelmäßig als Wendekreis.

Strom für 1500 Haushalte

Die 1747 angelegte Wehranlage war eigentlich gedacht als Hochwasserschutz, dient inzwischen aber auch zur Stromerzeugung: 1921 wurde in direkter Nachbarschaft ein Wasserkraftwerk errichtet, im Inneren erzeugen zwei mächtige Francis-Turbinen kontinuierlich Strom für umgerechnet 1500 Haushalte. Seit Jahren ist die historische Wehranlage daher technisch fast überflüssig – und eingerostet. Jetzt aber lässt die Stadt sie instand setzen. Denn wenn im Fall eines schweren Hochwassers das moderne, 1981 gebaute Entlastungswehr neben der Turbinenanlage ausfällt, würden Altstadt und Calenberger Neustadt innerhalb weniger Stunden geflutet.

Die Arbeiten an der denkmalgeschützten Anlage werden nicht billig. 1,8 Millionen Euro kalkuliere die Stadt für das Bauprojekt, trug Tiefbauamts-Vizechef Peter Freiwald im Bauausschuss des Rates vor. Denn zu tun ist viel:

  • Im Unterwasser: Das aus drei Fächern bestehende Wehr selbst scheint standsicher zu sein. Die sogenannte Tosplatte aber, auf die das Wasser bei Öffnung des Wehres fällt, muss komplett wiederhergestellt werden. Auch die Kolksicherungen im Unterwasser sind verrottet. Sie sollen verhindern, dass der Wasserdruck immer tiefere Löcher in den Flussuntergrund schwemmt.
  • Die Steinoberflächen: Die Natursteinoberflächen sind zum Teil brüchig, teilweise fehlen auch Steine, sodass Wasser in die Anlage eindringt. Insbesondere in der Wehrkrone sind Unterspülungen zu erkennen. Die Stadt will das Werksteinmauerwerk und die Betonergänzungen reparieren und geschädigte Natursteine erneuern.
  • Der Stahlbau: Der Bediensteg, der über die Wehranlage führt, muss instand gesetzt werden, er ist komplett verrostet und nicht mehr sicher zu betreten. Zusätzlich ist aber auch die Stahlwasserbauanlage „korrodiert und verformt“, auch hier sind Erneuerungen nötig.

Der Baubeginn ist für Juni vorgesehen, die Arbeiten sollen im Sommer 2018 abgeschlossen sein.

Was ist mit der Schifffahrt?

Ob die Ihme-Kapitäne während der Bauarbeiten den Wendekreis am Wehr weiter nutzen können, ist unklar. Es ist ohnehin nur eine geduldete Regelung: Die Bundeswasserstraße endet an einem großen, roten Verbotsschild im Schnellen Graben. „Bei niedrigem Wasserstand kann man am Wasserkraftwerk schon jetzt kaum wenden“, sagt Heiko Ebkes von der Hannoverschen Personenschifffahrt, die die „Wappen von Hannover“ betreibt: „Wenn 40 Passagiere an Bord sind, setzen wir gelegentlich auf Grund.“ Möglicherweise müssten die Touren während der Bauzeit verkürzt werden, „denn rückwärtsfahren geht trotz der leichten Strömung im Schnellen Graben nicht“.

Die Wasserfehde mit Ricklingen

Seit 1651 führt Hannover große Mengen Leinewasser über den künstlich angelegten Schnellen Graben zu einem eigentlich kleinen Bächlein namens Ihme, um die Innenstadt vor regelmäßigen Hochwassern zu bewahren: Das Wasser umfließt so in der Ihme die Altstadt und trifft erst beim Strandleben an der Glocksee wieder auf die Leine.

Für die Stadt Hannover war das ein großer Vorteil – im Bereich Ricklingen allerdings bescherte die Anlage des Schnellen Grabens regelmäßiges Hochwasser und führte zur historischen Wasserfehde (1717/18) zwischen Ricklingener Bauern und hannoverscher Obrigkeit. Noch heute erinnert der nahe Wasserfehdeweg daran, wie die Ricklinger mit Mistforken auf die Hannoveraner losgingen. Erst im Jahr 1770 wurde ein Vergleich geschlossen: Hannover zahlte eine Wiedergutmachung.

Beim Hochwasserschutz sind inzwischen zahlreiche Verbesserungen vorgenommen worden, wie noch zuletzt die große Deichanlage mit dem Deichtor bei Ricklingen zeigt. Aktuell wird nach Angaben der Stadtverwaltung der zweite Bauabschnitt in Ricklingen vorbereitet. Im Bereich des Edelhofes sollen die bereits vorhandenen Hochwasserschutzeinrichtungen optimiert werden. Baustart sei der Herbst, sagt Stadtsprecher Alexis Demos.

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