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Calenberger Neustadt Pastor verlässt evangelisch-reformatorische Gemeinde
Hannover Aus den Stadtteilen Calenberger Neustadt Pastor verlässt evangelisch-reformatorische Gemeinde
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02:15 12.11.2016
Martin Goebel hat seine Tätigkeit in Hannover aufgegeben. Quelle: Mario Moers
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Hannover

Der Schwerpunkt von Goebels Arbeit in Hannover war die seelsorgerische Betreuung der sogenannten Verstreuten. So bezeichnet die evangelisch-reformierte Kirche ihre Gemeindemitglieder in der Diaspora. Rund 5000 Gläubige umfasst die mehr als 300 Jahre alte Gemeinde in Hannover. Etwa die Hälfte davon leben weit verstreut in der Region. Auch die Landkreise Diepholz und Nienburg gehören zur Gemeinde.
Für Goebel, der 1989 sein Vikariat in Hannover absolvierte, war es eine besondere Herausforderung und eine neue Erfahrung. Denn in der Grafschaft Bentheim, wo der heute 53-Jährige aufwuchs, war es keine Besonderheit, reformiert zu sein. Die Grafschaft zählt traditionell zu den Hochburgen des schweizerischen Flügels der Reformation. Als umso erfrischender empfand Goebel deshalb den Dienst in der hannoverschen Gemeinde. „Die Situation, eine Minderheit zu sein, hat mich positiv geprägt“, resümiert er seine beinahe drei Jahrzehnte währende Arbeit. „Hier ist es keine Selbstverständlichkeit, sich zu dieser Gemeinde zugehörig zu fühlen“, erklärt er. Das Gemeindeleben habe er deshalb als außergewöhnlich vertraut und engagiert empfunden.

Als Goebel 1995 in Hannover ordiniert wurde, unterhielt die reformierte Gemeinde noch drei eigene Zentren. Neben dem Hauptsitz in der Calenberger Neustadt gab es Gemeindezentren in Döhren und an der Alten Herrenhäuser Straße. Den Dialog zur Aufgabe der drei Standorte hat er selbst mit angestoßen. „Wir waren eine Gemeinde, aber besaßen drei Zentren, nicht weit voneinander“, erinnert er sich. Die Idee war, der Gemeinde einen zentralen Ort zu schaffen. 2003 wurden die beiden „Außenstellen“ aufgegeben.

Auch persönlich bedeutete die Zeit für den Pastor einen Umbruch. Mit seiner zweiten Frau Andrea und den acht Kindern zog die Familie nach Rohden bei Hessisch Oldendorf. „Der Bezug zu Hannover ist mir daher in den vergangenen Jahren etwas verloren gegangen“, sagt er rückblickend. Für seine „Verstreuten“ hielt er regelmäßig Gottesdienste in Weyhe bei Bremen und Freistatt bei Diepholz.

In Hannover trat Goebel unter anderem als aktiver Posten des interreligiösen Dialogs in Erscheinung. Zur Verabschiedung am Sonntag zollte Superintendent Thomas Höflich ihm deshalb seine Anerkennung. „Wir werden Sie in unserer großen Familie sehr vermissen. Bei der gemeinsamen Arbeit haben wir festgestellt, dass uns mehr verbindet, als uns trennt“, sagte Höflich. Er überbrachte auch Grüße vom Rat der Religionen. Aus dem Kreis der Gemeinde bedankte sich Gisela Keßler für die Gründung des Arbeitskreises Umweltaufgaben. Unter Goebels Ägide wurde etwa eine energiesparende Heizung in der Kirche installiert.

Jetzt hat Goebel auf eigenen Wunsch seine neue Stelle in Arendsee (Altmark) angetreten. Die Gegend zählt zu den am dünnsten besiedelten Landkreisen der Republik. „Ich habe wieder nach etwas Besonderem gesucht“, sagt er über seine neue Herausforderung. 

Von Mario Moers

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