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Verpackungskünstler mit Zukunft

rlc packaging group Verpackungskünstler mit Zukunft

Die rlc packaging group ist als größter Produktionsbetrieb in der Innenstadt Hannovers auf Expansionskurs – mitten im Wohngebiet. Wir haben einen Blick hinter die glänzende Fassade der Produktionshalle geworfen.

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Investition in die Zukunft: Hans-Christian Bestehorn (links) und sein Bruder Stephan überprüfen in der Werkshalle die 3,5 Millionen Euro teure neue Druckmaschine.

Quelle: Rodriguez

Hannover. Was genau sich hinter der glänzenden Fassade der Produktionshalle mitten im Wohngebiet verbirgt, lässt sich nur erahnen. Immerhin: rlc packaging group - mit etwas Schulenglisch lässt sich über den Firmennamen auf den Geschäftszweig schließen. Verpackungen sind es auch, die in der Werkshalle entlang der Straße Andertensche Wiese produziert werden - für Produkte, die weltweit bekannt sind. Ansprechende Produkte brauchen schließlich ansprechende Verpackungen.

Design-Schachteln für Kosmetik- und Pflegeprodukte sollen auch in Zukunft in dem Werk hergestellt werden, dem größten Produktionsbetrieb im Innenstadtbereich. Von einem vor wenigen Jahren noch möglichen Standortwechsel ist längst nicht mehr die Rede. „Wir setzen auf den Standort Hannover und haben gerade erst mehr als 3,5 Millionen Euro in eine hochmoderne Druckmaschine investiert“, sagt Geschäftsführer Stephan Bestehorn. Der Aufbau der etwa 35 Meter langen Maschine für zehn Farben und zwei Lacke habe etwa zwei Monate gedauert.

In Hannover ist viel passiert

Bestehorn ist einer von insgesamt drei Geschäftsführern in dem Familienunternehmen, das inzwischen bereits in fünfter Generation geführt wird. Sein Ur-ur-Großvater Heinrich-Christian Bestehorn habe den Betrieb 1861 in Aschersleben gegründet - mit einer Kuvertmaschine und der Idee, industrielle Verpackungen herzustellen, sagt Bestehorn. Das Werk Leunisman in Hannover - inzwischen der Hauptsitz - sei erst 1926 dazugekauft worden.

155 Jahre nach der Firmengründung und 90 Jahre nach der Ansiedlung in Hannover ist viel passiert: Inzwischen gehören zur rcl packaging group acht Werke - der Hauptfirmensitz in Hannover, ein Werk in Aachen, zwei in Berlin sowie jeweils zwei Werke in der Schweiz und in Polen. Dazu kommt eine Werbeagentur für Designentwicklungen in Hamburg. Das Familienunternehmen mit insgesamt rund 1300 Mitarbeitern erzielt derzeit einen Jahresumsatz von rund 234 Millionen Euro. Rund fünf Milliarden einzelne Verpackungsprodukte verlassen pro Jahr die Werkshallen - vom einfachen Pizzakarton über Verpackungen für Fast-Food-Ketten bis hin zur hochwertigen Verpackung für Parfüms und Rasierklingen.

Namensänderung aus Angst vor Enteignung

Auf den Familiennamen Bestehorn im Namen des Unternehmens verzichtet die Geschäftsführung der rlc packaging group seit genau 68 Jahren. Der Betrieb war 1861 von Hans-Christian Bestehorn mit dem Titel HC Bestehorn in Aschersleben gegründet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Familie 1948 in Aschersleben von den russischen Besatzungsmächten enteignet worden, sagt Geschäftsführer Stephan Bestehorn. Aus Sorge vor einer weiteren Enteignung habe die Geschäftsführung deshalb den 1926 hinzugekauften Standort in Hannover zum Hauptfirmensitz gemacht und in der Calenberger Neustadt mit dem Firmennamen der Vorbesitzer des Werkes weitergemacht: Robert Leunis und Henry Chapman produzierten vor der Übernahme in Hannover in der Firma Rob. Leunis & Chapman. „Daraus ist mit den Anfangsbuchstaben die Abkürzung und der Unternehmensname rlc packaging group geworden“, sagt Bestehorn. „Der Name hat sich bei den Kunden etabliert, weshalb auf den Familiennamen Bestehorn im Firmentitel verzichtet wird.“
Leunisman, der heutige Name des Hannover-Standorts, setze sich ebenfalls aus Leunis und Chapman, den Namen der Vorbesitzer, zusammen. Trotz des Verzichts auf Eitelkeiten wird in der Geschäftsführung großer Wert auf die Familientradition gelegt: „In diesen Hallen sind mein Bruder und ich schließlich schon mit dem Dreirad herumgefahren“, sagt Bestehorn.

„In Hannover ist der Produktionszweig für Pflege- und Kosmetikprodukte, dazu kommt die Produktion von Verpackungen für Süßwaren, Lebensmittel und Erzeugnisse der Pharmaindustrie in den weiteren Werken“, sagt Bestehorn. In den vergangenen fünf Jahren habe die Gruppe mehr als 100 Millionen Euro investiert, um zu expandieren. Gleich drei Werke seien in dieser Zeit neu eröffnet worden. Mit Frank Ohle haben Stephan Bestehorn und Bruder Hans-Christian deshalb auch einen weiteren ausgewiesenen Finanzexperten in die Geschäftsführung geholt, um den Ansprüchen der Expansion gerecht zu werden.

Verpackungen beschränken sich nicht auf Schutz

Wie es ein traditionelles Familienunternehmen geschafft habe, sich mit Faltschachteln in einem international umkämpften Wettbewerb zu behaupten? Diese Frage will Bestehorn praxisnah beantworten und bittet mit seinem Bruder zum Rundgang. Aus Hygienegründen werden weiße Kittel verteilt, Markennamen dürfen auf Fotos nicht zu sehen sein - Geheimhaltungspflicht. In der Halle sind fahrerlose Gabelstapler unterwegs, Mitarbeiter füttern Maschinen mit Verpackungsrohlingen, die bedruckt, gestanzt und geklebt werden. „Heutzutage beschränkt sich die Funktion von Verpackungen längst nicht mehr nur auf den Schutz der Produkte“, sagte Bestehorn. Die Hülle transportiere inzwischen die Persönlichkeit einer Marke. Auch deshalb gibt es bei Leunisman Computerexperten, die für die Grafikvorlagen der Kunden dreidimensionale Entwürfe anfertigen. „Das sind alles Hightechprodukte, jede Verpackung ist anders“, sagt Stephan Bestehorn.

Nur beiläufig erwähnt der Geschäftsführer, dass das Familienunternehmen erneut für den deutschen Verpackungspreis, die Druck&Medien Awards, nominiert ist. „Das ist der Oscar unserer Branche“, sagt er augenzwinkernd. Dann präsentiert Bestehorn stolz die neue Druckmaschine. In die Zukunft zu investieren, sei auch in der Verpackungsbranche unverzichtbar. „Wir sind in der Testphase für neue Entwicklungen.“ Künftig soll es für Verbraucher möglich sein, über einen auf der Verpackung angebrachten QR-Code, der mit einer Smartphone-App gescannt wird, sofort ein digitales Produktprofil einzusehen. Das, so Bestehorn, sei der nächste Schritt in die Zukunft.

Von Ingo Rodriguez

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