Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Bezirksrat baut auf mobile Flüchtlingsheime

Döhren-Wülfel Bezirksrat baut auf mobile Flüchtlingsheime

Die Stadtverwaltung will in der Thurnithistraße eine Langzeitunterkunft für Flüchtlinge bauen. Der Bezirksrat ist dagegen. Die Lokalpolitiker verlangen stattdessen die Errichtung einer mobilen Containeranlage an diesem Standort in Döhren

Voriger Artikel
35-Jähriger rast mit Tempo 140 durch Döhren
Nächster Artikel
Schulgrundstück an Loccumer Straße wurde nicht geräumt

Im Deutschen Pavillon ist eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet. Gasan (38) und seine Ehefrau Samar (28) kommen mit zwei Kindern aus Syrien.

Quelle: Kutter

Döhren . Ein Bericht der Verwaltung, drei Anfragen und ein Antrag drehten sich in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel um ein einziges Thema: die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtbezirk. Obwohl Michael Heesch, Chef des Fachbereichs Planen und Stadtentwicklung, eine Lanze für eine auf Dauer gebaute Langzeitunterkunft in der Thurnithistraße brach, sprachen sich die Politiker am Ende der Sitzung einmütig für die Errichtung einer mobilen Containeranlage an diesem Döhrener Standort aus. Die Verwaltung solle ihre Bemühungen, per Konzessionsausschreibung einen Bauherrn und Betreiber zu finden, sofort einstellen. Seit 2013 sei hier trotz vieler Versprechungen immer noch nichts passiert, hieß es in der Begründung des vom Linken-Politiker Manfred Milkereit eingebrachten Antrags.

Heesch berichtete über die augenblickliche Wohnsituation von Flüchtlingen: Derzeit seien in Hannover knapp 4000 Menschen untergebracht, davon 80 Prozent männliche und 20 Prozent weibliche. Knapp die Hälfte wohne in festen Unterkünften, die auf 18 Standorte verteilt sind - 475 Menschen in Wohnungen, 150 in Wohnprojekten in kompletten Häusern sowie 1127 in Gemeinschaftsunterkünften. Die übrigen Asylbewerber habe die Stadt in Notunterkünften einquartiert, etwa in der Messehalle 21. Derzeit seien 35 weitere Standorte in Planung, für 2016 rechne die Verwaltung damit, dass sie weitere 20 bis 30 erschließen müsse.

Warum ist an der Thurnithistraße immer noch nichts passiert? Heesch erinnerte daran, dass die Stadt im Zuge der Leitbild-Debatte 2012/13 gemeinsam mit der Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover (GBH) zehn Standorte für höherwertige Flüchtlingsunterkünfte benannt hatte, die nach einer Nutzung von beispielsweise zehn Jahren umgewidmet werden. Zum Standard sollten je fünf Zimmer gehören, die sich um Wohnküche und Bad gruppieren.

Als Problem hätten die Stadtplaner schon früh ausgemacht, dass sich Betreiber einer solchen Anlage alle drei Jahre einer neuen Ausschreibung stellen müssen. Um dies zu umgehen, habe man das Modell der Konzessionsausschreibung entwickelt. Dabei betreibt der Bauherr die von ihm auf städtischem Grund erstellte Unterkunft für die nächsten zehn Jahre gleich selbst, ist anschließend auch für die Nachnutzung verantwortlich. Fünf derartige Projekte - darunter Häuser in Badenstedt, Mühlenberg und Kleefeld - habe man fertiggestellt, bei fünf weiteren Objekten - außer in der Thurnithistraße etwa auch in der Kopernikus- und der Jordanstraße - seien die Planungen noch nicht verwirklicht. Bereichsleiter Marc Schalow ergänzte, dass die Stadt mit Konzessionsausschreibungen noch wenig Erfahrung habe und ständig dazulerne; man hoffe aber, auch für den Döhrener Standort bald einen Bauherrn und Betreiber präsentieren zu können.

Vor Illusionen im Hinblick auf mobile Containeranlagen warnte Michael Heesch. Aufgrund der hohen Nachfrage gebe es bei den Herstellern derartiger Module lange Lieferzeiten. Man müsse damit rechnen, dass vom Beschluss, eine solche mobile Unterkunft zu errichten, bis zur Bezugsfertigkeit rund ein Jahr Zeit vergeht.

Außerdem beantworteten die beiden Verwaltungsexperten Fragen der Politiker zu einzelnen Unterkunfts-Standorten: Demnach waren die Arbeiten am Flüchtlingsheim Karlsruher Straße in Mittelfeld wegen des Fehlens von Baugenehmigungen ausgesetzt worden, sollen jetzt aber weitergehen. Hier werden 124 Menschen aufgenommen, das Heim soll im März 2016 fertig sein.

Bislang hat die Stadt das Angebot eines Bürgers, eine Flüchtlingsunterkunft auf einem schon gut 30 Jahre brachliegenden Kleingartenareal am Waldheimer Lenzbergweg zu errichten, abgelehnt. Jetzt sagte Heesch, dass die Verwaltung - „sofern es erforderlich ist“ - mit dem Bezirksverband der Kleingärtner Gespräche aufnehmen werde. Dies sei aber ein sensibles Thema.

Der geplante Unterkunfts-Standort vor dem Seelhorster Friedhof ist laut Heesch nach wie vor aktuell - auch wenn es hier einigen Widerstand von Anwohnern und Lokalpolitikern gibt. Der Kärntner Platz in Waldhausen ist bislang als öffentliche Grünfläche ausgewiesen, auf der keine Flüchtlingsunterkunft errichtet werden darf. Die Verwaltung prüft aber, ob hier eine Sondergenehmigung erteilt werden kann. Belegrechtswohnungen in Mittelfeld sollen nicht in Wohnungen für Asylbewerber umgewandelt werden. Anerkannte Flüchtlinge allerdings können versuchen, dort eine Wohnung zu mieten - wie jeder andere Berechtigte auch.

Von Michael Zgoll

Bedürftige sind ungleich verteilt

Eine entscheidende Frage für den Bezirksrat Döhren-Wülfel ist: Wie schafft man es, die Asylbewerber sozialverträglich auf die Quartiere zu verteilen? Dabei sorgen sich die Politiker vor allem darum, dass ein ohnehin schon mit sozialen Problemen überfrachteter Stadtteil wie Mittelfeld durch eine Ballung von Unterkünften – unter anderem im Deutschen Pavillon oder in Messehallen – überfordert wird. Auf Anfrage der Grünen legte die Verwaltung in der jüngsten Sitzung Zahlen vor, wie hoch der Anteil der Empfänger von „Transferleistungen zum Lebensunterhalt“ in Bezug auf die Einwohnerzahl in den einzelnen Stadtteilen ist. In Waldheim und Waldhausen sind dies jeweils 2,4 Prozent, in Seelhorst 3,8, in Döhren 10,3, in Wülfel 17,2 und in Mittelfeld 26,8 Prozent. Dazu passten einige Zahlen zum Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die die CDU-Fraktion schon seit geraumer Zeit eingefordert hatte. Mit Stichtag 30. Juni 2015 waren in Döhren-Wülfel 2006 solcher Kinder (im Alter von null bis 17 Jahre) gemeldet. Davon lebten 37 in Waldheim, 79 in Waldhausen, 147 in Seelhorst, 324 in Wülfel, 606 in Döhren sowie 813 in Mittelfeld. Wie hoch der jeweilige prozentuale Anteil an der gesamten Kinderzahl in den einzelnen Stadtteilen ist, will die Verwaltung noch ergründen.

miz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döhren
Döhren in Zahlen
  • Stadtbezirk : Döhren-Wülfel, 8. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 33.593
  • Einwohner je Stadtteil: Döhren (13.277 Einwohner), Mittelfeld (8.166 Einwohner), Seelhorst (3.844 Einwohner), Waldhausen (2.136 Einwohner), Waldheim (1.815 Einwohner) und Wülfel (4.355 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.035 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahl : 30519
  • Markantes aus der Geschichte : Döhren wurde im Jahr 983 als „Thurnithi“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Döhrener Turm wurde 1382 errichtet. Seit 1907 gehört der Ort zu Hannover.
Der Maschsee in historischen Bildern
Region
Hannover – vom Heißluftballon aus gesehen

Alles auf einen Blick: Der Maschsee, die drei warmen Brüder, das Ihme-Zentrum und das Anzeiger-Hochhaus - auf den Bildern von Steffen Goldenstein sehen die großen Bauwerke der Stadt ganz klein aus.