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„Die Straße muss in den Keller - und Deckel drauf“

Döhren „Die Straße muss in den Keller - und Deckel drauf“

Anlieger des Südschnellwegs wollen einen Tunnel als Ersatz für die marode Brücke – und erklären den Planern, wie sie sich das vorstellen.

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Die Brücke des Südschnellwegs über die Hildesheimer Straße wird saniert. Eine Fahrspur ist bereits abgesperrt. Auf der Gegenseite kommt die Sperrung einen Tag später. Foto: Mast

Quelle: Sebastian Mast

Döhren. Döhren. Seit rund vier Jahrzehnten wohnt Tatjana Düwel in direkter Nachbarschaft zum Südschnellweg. Was das bedeutet, fasst sie in aller Kürze zusammen: „Ständig Lärm und Dreck.“ Die Gelegenheit, ihrem Ärger einmal Luft zu machen, lässt die Döhrenerin sich nicht entgehen. Darum ist sie mit anderen betroffenen Anliegern an diesem Abend ins Freizeitheim gekommen. Dort sind vier Experten zu Gast, die sich die Klagen anhören - und die daran mitarbeiten, dass sich an der Situation künftig vielleicht etwas ändern könnte. Denn die Tage der Schnellstraße sind gezählt. Nur noch bis 2023 wird das marode Bauwerk stehen bleiben. Und zurzeit suchen die zuständigen Planer des Landes nach einer Lösung, was danach kommen soll. Eine neue Brücke? Eine Trogunterführung? Oder vielleicht ein Tunnel?

Noch steht nichts fest. Das muss Sebastian Tacke von der Landesbehörde für Straßenbau auf Nachfrage immer wieder versichern. Der Ingenieur und seine Kollegen haben im Foyer des Freizeitheims eine Handvoll Stellwände aufgebaut, auf denen das Großprojekt vorgestellt wird, das im wahrsten Wortsinn vor der Haustür etlicher Döhrener spielen wird. Vier Stunden haben die Amtsvertreter veranschlagt, um allen, die vorbeikommen, Rede und Antwort zu stehen. Damit wollen sie demonstrieren, dass sie es ernst nehmen mit der Bürgerbeteiligung. Erklärte Absicht ist es, die betroffenen Anwohner an der Planung zu beteiligen. Mit dem Info-Abend soll der Anfang gemacht werden.

Mehr als 30 Anlieger gleichzeitig sind im Foyer nie anzutreffen, doch im Laufe des Abends summiert sich die Zahl der Interessierten. Ganz schnell zeigt sich, dass sie sich in einem Punkt weitgehend einig sind: Ein Tunnel ist die Variante, die nach Meinung der Betroffenen die alte Schnellwegbrücke ersetzen soll. Manch einer bringt das recht rigoros auf den Punkt. „Die Straße muss in den Keller - und Deckel drauf“, sagt einer der Nachbarn, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er wird noch deutlicher: „Auf Krötenwanderungen und den Juchtenkäfer in Herrenhausen nimmt man Rücksicht. Aber hier geht es um knapp 1000 Menschen, die unter dem Lärm leiden.“

Auch für Tatjana Düwel, die in der Abbestraße wohnt, steht fest: „Dieses Bauprojekt entscheidet über das Wohlbefinden der Anlieger in den nächsten Jahrzehnten.“ Das sei nur durch einen Tunnel zu erreichen. Die bisherigen Lärmschutzwände, die unmittelbar an die Gärten der Reihen- und Einfamilienhäuser in der Abbestraße grenzen, seien wirkungslos. „Da hätte man auch Eierkartons aufstellen können.“

Mehrere Anlieger, die im akustischen Einzugsgebiet des Schnellwegs wohnen, beklagen den Wertverlust ihrer Immobilien. „Meine Nachbarn hatten wegen des Lärms große Probleme, ihr Haus zu verkaufen“, sagt Bärbel Lott, die in der Klinkerfuesstraße zu Hause ist. Seit 1978 lebt sie dort - und leidet unter dem Krach der Motoren. Trotzdem ist sie bisher nicht weggezogen. Die Gründe liegen für sie auf der Hand: „Wir haben eine kleine Firma, die Kinder sind hier groß geworden, und eigentlich ist das ja auch eine richtig schöne Ecke.“

Ähnlich sieht es Thomas Bohnhorst, der in der Spartanerstraße ein Mehrfamilienhaus besitzt und auch selbst dort wohnt. Seit 1918, sagt er, gehöre das Gebäude seiner Familie. „Das verkauft man nicht einfach so.“ Auch wenn es trotz der Schallschutzfenster nicht leicht sei, Nachmieter für frei werdende Wohnungen zu finden. Für Bohnhorst gibt es ebenfalls nur eine Lösung gegen den Lärm: eine unterirdische Tunnelstrecke.

„Bezahlbar ist das“, stellt Jürgen Crone klar. Er ist Ingenieur, aber er kommt nicht vom Straßenbauamt. Crone lebt in der Straße Am Johannisbleek auf der Nordseite des Schnellwegs und kennt sich aus mit dem Tunnelbau. Ein solches Bauwerk müsse nicht zwingend teurer sein als ein Trog oder eine neue Brücke, erklärt er. „Und man könnte die Fläche über dem Tunnel auch begrünen.“

Jens Hanel, Chefplaner für das Großprojekt bei der Landesbehörde, hört aufmerksam zu. Es gebe bereits Beispiele für Tunnelverbindungen im innerstädtischen Bereich, sagt er. Etwa in Lüneburg, Bremerhaven oder Berlin. Doch vorgreifen könne man den Planungen für den Südschnellweg zum jetzigen Zeitpunkt eben noch nicht.

Welche Variante letztlich zum Tragen kommt, steht Ende 2016 fest. Bis dahin werden die Siegerentwürfe aus einem Ideenwettbewerb für Ingenieur- und Architektenbüros auf ihre technische Machbarkeit geprüft. Und bis dahin sollen auch die Vorstellungen der Bürger in die Planungen eingeflossen sein. „Wird das so eine Alibi-Veranstaltung?“, will einer der Anlieger im Freizeitheim-Foyer wissen. „Es ist eine Beteiligung auf Augenhöhe“, wirbt Hanel. 1000 zufällig ausgewählte Anwohner wurden angeschrieben; sie können sich auf zehn freie Plätze in einem Gremium mit dem etwas sperrigen Namen „Planungsdialog“ bewerben. Doch Hanel muss einräumen, dass am Ende die Geldgeber, also Bund und Land, entscheiden, welches Bauwerk die alte Brücke am Südschnellweg beerben wird.

Auch Tatjana Düwel und Bärbel Lott haben Post von der Straßenbaubehörde bekommen. Und für beide steht fest: „Wir werden uns bewerben.“

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  • Stadtbezirk : Döhren-Wülfel, 8. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 33.593
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  • Bevölkerungsdichte : 2.035 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahl : 30519
  • Markantes aus der Geschichte : Döhren wurde im Jahr 983 als „Thurnithi“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Döhrener Turm wurde 1382 errichtet. Seit 1907 gehört der Ort zu Hannover.
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