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Döhren Kiezkultur: Der Traum von einem Raum
Hannover Aus den Stadtteilen Döhren Kiezkultur: Der Traum von einem Raum
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00:16 18.09.2018
Immer auf Ideensuche: Jürgen Wunderlich, Adele Himstedt, Maria Hesse und Sabine Bredow. Quelle: Janssen Uwe
Hannover

Es klingt nach einer guten Idee. Da ist eine Kulturinitiative, die sich über drei Stadtteile erstreckt und zu den Menschen kommt, anstatt die Menschen zu sich kommen zu lassen. So läuft das im Prinzip bei der Kulturinitiative Döhren–Wülfel–Mittelfeld. Sie ist überall. Sie nutzt die Infrastrukur ihres Verbreitungsgebietes. Sie nutzt Gärten, Keller, Straßen für ihre Veranstaltungen und gibt so einen sehr warmen, auch mal privaten, manchmal ungewöhnlichen Einblick in das Leben des eigenen Kiezes.

Das sogenannte Kulturlustwandeln, immer am dritten Septemberwochenende, hat sich sogar über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen und ist mittlerweile ein echter Hit im Angebot der „Kulturini“. Zwei Tage volles Programm, 30 Stationen, Brassmusik im Garten, Kunst in Räumen und Bäumen, Funkenmariechen hier, Folkmusik am Lagerfeuer da – und hinterher hat man als Besucher den Eindruck, das Viertel von einer enorm kreativen Seite kennengelernt zu haben. „Wir haben so viele Ideen“, sagt die Vorsitzende Sunnhild Reinckens.

Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass der 1996 gegründete gemeinnützige Verein vor allem deshalb so viel unterwegs ist, weil er kein eigenes Zentrum hat. Keine feste Anlaufstelle. Sabine Bredow organisiert seit 2012 die Kulturarbeit als hauptamtliche Fachkraft von einem Büro im Nachbarschaftstreff Mittelfeld aus. Was fehlt, ist ein Veranstaltungsraum. Und das, betont die stellvertretende Vorsitzende Maria Hesse, „ist nicht einfach“. Denn dieser Raum soll in Döhren sein, wo die meisten der derzeit 75 Mitglieder wohnen und der klare Schwerpunkt der Aktivitäten ist. Der Raum sollte 60 Quadratmeter groß sein, zentral liegen, er muss einen barrierefreien Zugang und eine behindertengerechte Toilette haben, dazu Optionen für Teeküche, Lagerraum und Büro. So etwas muss man erst einmal finden in Döhren. Im Freizeitheim an der Hildesheimer Straße ist trotz großer Fläche die Raumsituation eng und auch lärmtechnisch schwierig, wenn beispielsweise eine Musikkapelle neben einem Workshop probt. Die Initiative hat derzeit einen Raum im Zentrum Döhrens ins Auge gefasst. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt“, sagt Bredow.

Die Arbeit geht indessen weiter. Die neue Saison steht vor der Tür, Filmclub, Buchcafé, Konzerte, Vorträge, der Markt Kunst & Handwerk, Ausflüge ins Wilhelm-Busch-Museum (23. September) oder in den Weissdorngarten Bolzum (25. August) wollen geplant und organisiert sein. Dazu treffen sich die ehrenamtlichen Mitglieder in Projektgruppen und packen auch während der Veranstaltungen kräftig mit an.

Am Sonnabend geht es mit einer interkulturellen Modenschau weiter, die Teil des Integrationsfestes in Mittelfeld ist. Keine Profis werden auf dem Laufsteg zu sehen sein, sondern Döhrener, Wülfeler, Mittelfelder. Der Impuls soll aus der Bevölkerung kommen, die aus mehr als 100 verschiedenen Herkunftsländern stammt und hier wie auch anderswo für Kulturinitiativen nicht einfach zu erreichen ist. „Wir möchten so dazu beitragen, dass alle im Stadtbezirk ihre Nachbarn und deren Kulturen besser kennenlernen“, sagt Bredow. Das Zusammenführen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen hat die Kulturinitiative explizit in den Vereinszielen formuliert.

Und dann rückt Mitte September schon wieder der Hit in den Vordergrund, das Kulturlustwandeln, das eigentlich genau die Nachbarschaftsidee umsetzt, mit der Hannover sich als europäische Kulturhauptstadt bewerben will. Ein Blick an den Fiedelerplatz und umzu könnte also für die Verantwortlichen nicht schaden. Für alle anderen natürlich auch nicht.

Was, wie, wo?

Kulturinitiative Döhren Wülfel Mittelfeld

Am Mittelfelde 104

30519 Hannover

(0511) 89883901

kulturini.de

 

Termine

- 15,/16. September: Kulturlustwandeln in Döhren. Herzstück und praktischer Startpunkt mit Infostand und dem Geschichtensammelprojekt „Erzählwagen“ ist der Fiedelerplatz.

Alle vorgestellten Kultureinrichtungen der Stadtteile finden Sie auf unserer Themenseite.

Von Uwe Janssen

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