Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Ladensterben geht weiter: Edeka-Filiale schließt

Döhren Ladensterben geht weiter: Edeka-Filiale schließt

Die Edeka-Filiale in der Borgentrickstraße schließt. Stichtag ist der 30. September. Der neue Eigentümer des Hauses möchte das Ladenlokal durch Wohnungen ersetzen. Der Bezirksrat möchte den Eigentümer zum Einlenken bewegen, sieht aber nur wenig Hoffnung.

Voriger Artikel
Immer weniger Wohnungen für sozial Schwächere
Nächster Artikel
Für diese Stadtbahn-Linien fahren heute Busse

Schließt dieses Jahr: Der Edeka-Laden in der Borgentrickstraße.

Quelle: Michael Zgoll

Hannover. Der Edeka-Markt in der Borgentrickstraße schließt zum 30. September 2017 seine Tore. Das erklärte Stadtplanerin Nezahat Topcu in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel. Sie bestätigte Informationen verschiedener Fraktionen, wonach es einen neuen Besitzer des Hauses gibt und dieser den Wucherpfennig-Laden im Erdgeschoss durch Wohnungen ersetzen möchte. „Der neue Eigentümer und Edeka konnten sich nicht über eine Verlängerung des Mietverhältnisses einigen“, so Topcu. Politiker aller Parteien beklagten, dass sich damit das Ladensterben in Döhren fortsetze.

Manche Ladenlokale stehen schon länger leer, andere werden gerade erst geräumt. Grünen-­Bezirksratsherr Michael Rinker erwähnte in diesem Zusammenhang den früheren Buchladen Arte P (Fiedelerstraße), das Modehaus Rössel (Spartanerstraße) und das Fleischerei- und Feinkostgeschäft Eikemeier (Fiedelerplatz). Die Schließung von traditionsreichen Einzelhandelsläden in Döhren nehme „besorgniserregende Ausmaße“ an, so Rinker. Einmütig stimmte der Bezirksrat einem Antrag der Grünen zu, wonach die Verwaltung den Eigentümer des Hauses Borgentrickstraße 8–10 bewegen soll, den bestehenden Pachtvertrag mit dem Supermarktbetreiber zu verlängern. Allerdings sei der Fraktion klar, so Rinker, dass es einem Hausbesitzer grundsätzlich freistehe, wie er eine Immobilie nutzt.

Große Bedeutung für Ältere

Der Bezirksrat war sich einig, dass der Edeka-Markt insbesondere für ältere Döhrener eine zentrale Bedeutung hat. Demgegenüber verwies Stadtplanerin Topcu darauf, dass die Stadt die Versorgungslage im Quartier immer noch als „durchaus akzeptabel“ erachte. Zur nächsten Netto-Filiale an der Hildesheimer Straße 282 seien es 400 Meter, zum nächsten Lidl-Markt an der Hildesheimer Straße 213–219 betrage die Entfernung ebenso 700 Meter wie zur Penny-Filiale an der Landwehrstraße 91, und der Rewe-Supermarkt An der Wollebahn 4 sei von der Borgentrickstraße 800 Meter entfernt.

Planungsrechtliche Möglichkeiten, die Ansiedlung eines Supermarktes in der Borgentrickstraße festzuschreiben, gibt es nach Auskunft von Topcu nicht: „Für dieses Gebiet existiert auch kein Bebauungsplan.“ Auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion gab sie zu bedenken, dass es in dem gewachsenen Wohngebiet mit seiner dichten Bebauung schwer sei, als Ersatz ausreichend große Gewerbeflächen für moderne Lebensmittelmärkte zu finden.

Gründe für das Ladensterben

Die Gründe für das Ladensterben in Döhren und vergleichbaren Stadtteilen sind nach Auskunft der Verwaltung vielfältig. Mal finden Ladenbesitzer keinen Nachfolger, mal gibt es Differenzen über die Höhe der Miete. Jüngere Menschen fragen oft andere Waren nach als ältere, und über allem schwebt die Zunahme des Einkaufs per Internet. Bei Leerständen könne die Stadt, so Topcu, nur sehr begrenzt helfen – und keine Maklerfunktionen übernehmen. Sie verwies jedoch auf die Kooperation der städtischen Wirtschaftsförderung mit den örtlichen Standortgemeinschaften wie der Interessengemeinschaft Döhrener Geschäftsleute. Auch tausche man sich regelmäßig mit der Industrie- und Handelskammer aus, die auf ihrem Online-Portal „Free“ einen Immobilienservice für freie Gewerbeflächen in ausgewählten Stadtteilen anbietet.

Schlussendlich erinnerte die Planerin daran, dass die Verwaltung derzeit ein stadtweites Einzelhandelskonzept entwickelt. Einbezogen ist auch Döhren-Wülfel. Vorgelegt werden soll dieses Konzept allerdings erst im dritten Quartal 2018 – dann dürfte der Edeka-Markt in der Borgentrickstraße schon lange Geschichte sein.

Aus für den "netten Nachbarn" Edeka

Jetzt also auch Edeka! So werden sicher viele in Döhren denken. Und tatsächlich stehen im Stadtteil zurzeit mehrere Geschäfte leer oder geben dieser Tage auf. Allerdings sollte man bei der Suche nach Ursachen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen – um im Bild zu bleiben. Denn der Auszug von Edeka-Wucherpfennig hat ganz andere Ursachen als die Aufgabe von inhabergeführten Fachgeschäften wie beispielsweise der Fleischerei Eikemeier oder des Buchladens Arte P.

Der mit 611 Quadratmetern Verkaufsfläche kuschelig-winzige Markt wirkt im Vergleich mit anderen Edeka-Standorten im Stadtgebiet wie aus der Zeit gefallen. Als „netter Nachbar“ stellt sich der Markt seinen Kunden dar – doch Experten betonen immer wieder, dass Verbrauchermärkte heutzutage auf Flächen mit mehr als 1500 Quadratmetern angewiesen sind, um ihre Konzepte ausrollen zu können. Zudem fixiert sich Edeka-Wucherpfennig im Stadtgebiet immer mehr auf seine großen, modernen E-Center. Und das nächste findet sich nur rund zwei Kilometer entfernt von der Borgentrickstraße an der Hildesheimer Straße 413.

Wenn dann noch ein neuer Hauseigentümer ins Spiel kommt, der mit dem Erdgeschoss ohnehin lieber etwas anderes anfangen will, dann sind die Tage des „netten Supermarkt-Nachbarn“ von nebenan gezählt.

Ein Kommentar von Rüdiger Meise

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Döhren
Döhren in Zahlen
  • Stadtbezirk : Döhren-Wülfel, 8. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 33.593
  • Einwohner je Stadtteil: Döhren (13.277 Einwohner), Mittelfeld (8.166 Einwohner), Seelhorst (3.844 Einwohner), Waldhausen (2.136 Einwohner), Waldheim (1.815 Einwohner) und Wülfel (4.355 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.035 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahl : 30519
  • Markantes aus der Geschichte : Döhren wurde im Jahr 983 als „Thurnithi“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Döhrener Turm wurde 1382 errichtet. Seit 1907 gehört der Ort zu Hannover.
Der Maschsee in historischen Bildern
Region
Hannover – vom Heißluftballon aus gesehen

Alles auf einen Blick: Der Maschsee, die drei warmen Brüder, das Ihme-Zentrum und das Anzeiger-Hochhaus - auf den Bildern von Steffen Goldenstein sehen die großen Bauwerke der Stadt ganz klein aus.