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Döhren Neues Betriebsgebäude soll am Ufer errichtet werden
Hannover Aus den Stadtteilen Döhren Neues Betriebsgebäude soll am Ufer errichtet werden
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10:30 21.09.2017
Von Michael Zgoll
Umstrittenes Projekt: Mit Transparenten demonstriert eine Anwohnerinitiative gegen das Wasserkraftwerk. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Das geplante Wasserkraftwerk am Leinewehr war in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel wieder einmal Thema, und wieder einmal schlugen die Wogen hoch. Es ging um einige Änderungen, zu denen die Stadt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens eine Stellungnahme abgeben muss; schließlich stimmte eine Mehrheit von SPD, Grünen, FDP, Linken und „Die Partei“ der Beschlussdrucksache zu. Mit Nein votierte lediglich die CDU.

Dialog mit Nachbarn bleibt ausgesetzt

Abgelehnt von der Mehrheit der Politiker wurde in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel ein Antrag der CDU-Fraktion, den Bürgerdialog zum geplanten Wasserkraftwerk am Leinewehr schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Der neue Plan weiche von den Unterlagen ab, die dem letzten Treffen des Nachbarschaftsdialogs am 30. November 2015 zugrunde gelegen hätten, so die Christdemokraten; diese Änderungen müssten den Anliegern erläutert werden. Demgegenüber wies Verwaltungsexperte Rainer Konerding darauf hin, dass der Nachbarschaftsdialog während des Planfeststellungsverfahrens ausgesetzt ist. Während dieser Zeit, in der die Region Hannover die maßgebliche Behörde ist, mache es keinen Sinn, dass sich die das Verfahren lediglich begleitende Stadt parallel mit den Bürgern abstimme. „Mit Ablauf des Planfeststellungsverfahrens wird dieser Dialog aber wieder aufgenommen“, versprach Konerding. Die Mehrheit des Bezirksrats teilte diese Argumentation – und damit war der CDU-Antrag vom Tisch.

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Die gravierendste Veränderung: Es wird ein neues Gebäude zur Steuerung der Wehrklappen errichtet. „Der Platz im alten Brückenhaus reicht leider nicht aus“, sagte Rainer Konerding, im städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün bei der Klimaschutzleitstelle tätig.

Anlage läuft ohne Personal

Das Häuschen hat eine Grundfläche von vier mal fünf Metern und soll eine ähnliche Sandsteinoptik aufweisen wie die Wasserkraftanlage. Grundsätzlich funktioniere die Anlage vollautomatisch und benötige kein Personal, erläuterte Konerding. In Notfällen - etwa wenn sich ein Baumstamm im Rechen verfangen hat - gebe es aber jemanden in der näheren Umgebung, der rasch vor Ort sein kann.

Der Umweltexperte zeigte anhand von einigen Skizzen, wie das Wasserkraftwerk aussehen soll. Gegenüber der derzeitigen Aussichtsplattform, also auf der Seite des Sandstrands, befindet sich das Wehr mit mehreren großen Klappen. Es schließt sich ein großer, schräg montierter Rechen an, bevor nahe dem nordwestlichen Ufer die Fischaufstiegstreppe und die Schaltwarte folgen. In der Stellungnahme der Stadt ist notiert, dass die mit Gebüschen und Hochstaudenfluren bewachsene Flussböschung auf einer Länge von 50 Metern mit einer Stufenanlage und der Schaltwarte überbaut wird. Die Anlagen zum Betrieb und zur Ufersicherung seien vom Investor, der Firma AUF Eberlein, zu pflegen und zu warten.

Während der Bauzeit, darauf legt die Stadt Wert, müssen die der Baustelle nahestehenden Bäume geschützt werden. Auch sei der Bauherr gehalten, den Johann-Duve-Weg für Radfahrer und Fußgänger freizuhalten. Insgesamt sind in der Stellungnahme des Fachbereichs Umwelt mehr als ein Dutzend Punkte aufgelistet, die deutlich machen, dass die Stadt das umstrittene Bauprojekt intensiv begleiten will.

Anwohnerinitiative kritisiert die Pläne

Die CDU monierte, dass die neue Schaltwarte in einem Naherholungsgebiet und sehr nah an der Wohnbebauung auf der Leineinsel errichtet werden soll. „Das Kraftwerk verschandelt die Natur“, meinte die Fraktionsvorsitzende Gabriele Jakob. Demgegenüber lobte SPD-Ratsherr Angelo Alter die Stadt, die im Planungsverfahren „umsichtig und verantwortungsvoll“ agiere. „Außerdem wertet die Anlage, die auf umweltfreundliche Weise Energie erzeugt, das gesamte Gelände massiv auf“, sagte Alter.

Heftige Kritik an den Veränderungen der ursprünglichen Planung übte Wolfgang Scheffler, Sprecher einer Anwohnerinitiative gegen das Wasserkraftwerk: Von einem Zusatzantrag sei nie die Rede gewesen. Dem widersprach Rainer Konerding. Es gebe einen 2012 geschlossenen Vorvertrag zwischen AUF Eberlein und der Stadt, den der Rat gebilligt habe. Seit 2014 sei im Internet ein Ablaufplan zu finden; dort sei vermerkt, dass die Verwaltung noch einen Zusatzantrag stellen wolle. Am Ende des Planfeststellungsverfahrens, das die Region betreibt, würden die politischen Gremien zudem wieder eingebunden.

Konerding wies darauf hin, dass das eigentliche Kraftwerk mit seinen zwei Turbinen und den Rohren unter Wasser liegt: „Laut eines Gutachtens wird es dank des Kraftwerks weniger Lärm geben als derzeit.“ Der Umweltexperte bedauerte, dass in der Bezirksratssitzung aus zeitlichen Gründen kein Vertreter der Region und des Investors Rede und Antwort stehen konnte. Dies soll jedoch in der Novembersitzung nachgeholt werden.

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