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Döhren Schaufensterbummel mal anders
Hannover Aus den Stadtteilen Döhren Schaufensterbummel mal anders
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16:10 22.10.2015
Kunst-Auflauf in der Bernwardstraße. Das ehemalige Fisch- und Radgeschäft ist jetzt die kleinste Galerie Döhrens. Die Künstler Zoë MacTaggart (rechtes Bild, v. l.), Ralf Bednar und Terena B. sind zufrieden. Quelle: Haz
Döhren

Die Ateliergemeinschaft „Landwe[h]rk“ hat das ehemalige Lädchen in einen ungewöhnlichen Kunstort verwandelt. Das ganze Jahr lassen sich durch das Schaufenster zukünftig regelmäßig wechselnde Ausstellungen bestaunen.

„Über die Schaubude treten die Künstler mit den Menschen im Stadtteil in Kontakt“, zeigte sich die frischgebackene Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner bei der gut besuchten Vernissage begeistert. Überhaupt erntete das neue Konzept für das winzige Traditionsgeschäft große Anerkennung. Selten sah man in Döhren, spät am Abend, einen solch großen Pulk Kunstfreunde mit Sektkelchen in der Hand auf der Straße stehen. Mehr als fünfzig Besucher, darunter viele Kulturschaffende und Künstler, unterhielten sich im Rahmen der Vernissage angeregt über die Kunst in Döhren. „Das Schaufenster integriert die Kunst in den Alltag“, begrüßte Kellner die Initiative der Ateliergemeinschaft in ihrem Grußwort. In Gruppen zu jeweils fünf Personen durften die Kunstfreunde anschließend den Ausstellungsraum erkunden. „Mehr passen nicht auf einmal rein“, bat eine der ausstellenden Künstlerinnen um Geduld. Für das Publikum war das Betreten der Galerie eine einmalige Gelegenheit. Zukünftig sind die Bilder ausschließlich durch das Schaufenster zu sehen, daher der Name „Schaubude“. Bis zu sechs verschiedene Expositionen planen die Macher der Mini-Galerie jedes Jahr zu zeigen. Auf das seit einiger Zeit leer stehende Geschäft aufmerksam wurden die vier Künstler der Ateliergemeinschaft „Landwe[h]rk“ durch den Mieter der Ladenfläche. Achim Hut, der im hinteren Teil eine Bürogemeinschaft hat, traf die Künstler in ihrem Atelier. Gemeinsam entstand die Idee für die „Schaubude“. In den sechziger Jahren befand sich in dem Laden ein Fischgeschäft. Später expandierte der benachbarte Zeitschriftenladen in den Laden. Bis vor einigen Jahren gab es hier einen Fahrradladen - und nun eben Kunst. „Der kleine Raum hat so einen schön morbiden Charme“, erklärt die auf „Burlesque-Kunst“ spezialisierte Malerin Zoë MacTaggart das gestalterische Konzept. Die Wände wurden absichtlich weder angestrichen noch tapeziert. Der rohe, kalte Anblick der unverputzten Wand soll den spontanen und improvisierten Charakter des außergewöhnlichen Kulturtempels unterstreichen. Auch in New York und Berlin sehen Straßen-Galerien so aus wie die Schaubude in Döhren.

In der ersten Ausstellung zeigen die vier Künstler eigene Werke aus dem Landwe[h]rk. Bald sind hier auch die Arbeiten anderer Künstler zu sehen. Zur Premiere zeigt Renate Klebe-Klingemann, Künstlername Terena B., eine Acryl-Landschaft mit Reh und Liebespaar - womöglich ein herbstlicher Eindruck aus dem Tiergarten. Im völligen Kontrast dazu versprüht Zoë MacTaggarts bunt gekleidete, dunkelhäutige Rollerfahrerin am Strand pure Sommer-Lebenslust. Gila Zirfas-Krauel zeigt eine kleine Strand-Foto-Serie und Ralf Bednar hat aus Holz Fernsehrahmen zu einer Fernsehturm-Installation gestapelt. Die Schaubude zeigt junge, dynamische Kunst, scheint der Tenor der ersten Ausstellung.

Sunnhild Reinckens von der Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld ist begeistert von der Idee, ein leer stehendes Schaufenster umzunutzen. „Wir hoffen, dass wir zum 20-jährigen Jubiläum der Kulturinitiative selbst ein kleines Schaufenster in Döhren eröffnen können“, so Reinckens. Sie habe bereits eine leer stehende Ladenfläche am Fiedelerplatz in Augenschein genommen. Vielleicht bekommt der Begriff „Schaufensterbummel“ in Döhren bald eine ganz eigene Bedeutung.

r.

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