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Döhren Stadt gibt Schülern Schuld an Gestank in Toiletten
Hannover Aus den Stadtteilen Döhren Stadt gibt Schülern Schuld an Gestank in Toiletten
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00:15 23.04.2017
Von Michael Zgoll
Dieses Bild von den Jungentoiletten der Dietrich-Bonhoeffer-Schule entstand 2014. Bis heute wartet die Schulleitung darauf, dass die Sanitäranlagen saniert werden. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Der Gestank in den Sanitäranlagen - insbesondere in den Jungentoiletten - der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule hat in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel zu heftigen Reaktionen von Politikern geführt. Auslöser war eine beschwichtigende Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der SPD-Fraktion, in der diese den Schülern eine erhebliche Mitschuld am Auftreten der ekelerregenden Gerüche zuweist. Es sei „nicht zuletzt das Fehlverhalten von Schülern“, zitierte Stadtbezirksmanagerin Birte Groenigk, das zu „Urinverunreinigungen außerhalb der Sanitärgegenstände“ führe. Bei einer Ortsbesichtigung am 23. März habe „ein großer Bereich des Fußbodens Spuren von angetrocknetem Urin“ aufgewiesen.

Die SPD hatte in einer Anfrage wissen wollen, wann die Stadt die bereits 2015 als dringend erachtete tiefgreifende Sanierung der Sanitäranlagen in der Döhrener Realschule in Angriff nehmen wolle. Sofortmaßnahmen wie das Ausbessern kleinerer Schäden und das Auftragen einer geruchsbindenden Farbe im Frühjahr 2015 hätten das Problem der Geruchsbelästigung nicht nachhaltig lösen können, erklärte Bezirksratsfrau Brigitta Miskovic. Davon hätten sich Teile der SPD-Fraktion erst jüngst überzeugen können. Auch Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner bestätigte, dass sie wegen des schlechten Zustands der Schultoiletten in jüngerer Vergangenheit etliche kritische E-Mails und Anrufe erhalten habe.

Wie Bezirksmanagerin Groenigk erläuterte, gibt es derzeit in der Stadt viele konkurrierende Projekte, die aufgrund personeller Engpässe nicht alle zeitnah bearbeitet werden können. Allerdings seien dem Fachbereich Gebäudemanagement zusätzliche Stellen zugesprochen worden, um diese Sanierungsvorhaben beschleunigt abarbeiten zu können. Die Stellenbesetzungsverfahren seien aber noch nicht abgeschlossen. „Sobald diese neuen Mitarbeiter eingestellt und eingearbeitet sind, wird auch die Sanierung der Sanitäranlagen in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule verwirklicht“, kündigte Groenigk an.

Die Stadtbezirksmanagerin gestand ein, dass die Wirksamkeit der geruchsbindenden Farbe mit der Zeit nachlasse. Auch eine umfassende Sanierung sei keine Garantie dafür, dass der Gestank verschwinde, sollten die Schüler nicht stärker darauf achten, die Toiletten zielsicher zu nutzen. Eine „Fortsetzung dieses Verhaltens“ - also des Danebenpinkelns - würde den Erfolg einer Modernisierung gefährden und gegebenenfalls „pädagogische und organisatorische Maßnahmen“ notwendig machen.

„Die Klos stinken auch, wenn sie gerade gereinigt wurden, die Rohre sind total mit Urin zugesetzt“, kritisierte CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob. Die Ausführungen der Verwaltung seien völlig inakzeptabel, denn die Gerüche entstünden nicht dadurch, dass Kindern „mal drei Tropfen danebengehen“.

In den Toiletten auf dem Messegelände pinkelten Männer auch mal vorbei, sagte Jakob. Aber dort stinke es nicht im Entferntesten so übel wie auf den Klos der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. „Dass die Kinder und Jugendlichen selbst schuld sein sollen an dem Gestank, halte ich für abenteuerlich“, empörte sie sich. Das wohlwollende Nicken vieler Bezirksratsmitglieder zeigte, dass die Politiker aus Döhren-Wülfel dies parteiübergreifend offenbar ähnlich sehen.

Es stinkt zum Himmel

Im November 2014 äußerte der Rektor der Dietrich-Bonhoeffer-Schule einen Wunsch zum im Folgejahr anstehenden 50.Geburtstag der Döhrener Realschule: die Stadt möge doch endlich die maroden Toiletten sanieren. Richtig sanieren, mit neuen Rohren, WCs, Urinalen und Fußböden. Doch die Verwaltung spendierte den Schülern lediglich das, was schon 2013 zu keinem nachhaltigen Erfolg geführt hatte: einen Anstrich, der die ekelhaften Gerüche binden sollte. Eine tiefgreifende Modernisierung, so hieß es Ende 2014, koste einen sechsstelligen Betrag. So weit, so schlecht.

Dass es viele Schulen in Hannover gibt, die dringend einer Sanierung bedürfen, ist bekannt. Dass der Fachbereich Gebäudemanagement dem Bezirksrat Döhren-Wülfel in seiner jüngsten Sitzung mitteilte, es mangele ihm an Personal – was sich aber bald ändern werde –, mag man auch noch akzeptieren. Unerträglich allerdings ist die Schuldzuweisung an die Schüler, die die Stadtbezirksmanagerin namens der Verwaltung öffentlich vornahm. Dass Jungs, denen beim Pinkeln mal ein paar Tropfen danebengehen, den schon viele Jahre währenden Gestank zu verantworten haben und den Erfolg einer Sanierung gefährden würden, ist schon grotesk.

Es hat schon mehrmals Projekte gegeben, bei denen Schüler mitgeholfen haben, von Grund auf sanierte Toilettenräume mit künstlerischen Verzierungen mitzugestalten und aufzuwerten. Soll die Stadt doch gemeinsam mit der Dietrich-Bonhoeffer-Schule ein derartiges Projekt aus der Taufe heben – sie würde feststellen, dass Mädchen und Jungen durchaus sorgsam mit öffentlichen Einrichtungen umzugehen wissen.

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