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Groß-Buchholz 30 Berufsjahre für die Kulturarbeit im Stadtteil
Hannover Aus den Stadtteilen Groß-Buchholz 30 Berufsjahre für die Kulturarbeit im Stadtteil
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00:15 29.02.2016
Petra Volk arbeitet seit 30 Jahren beim Kulturtreff Roderbruch.  Quelle: Insa Cathérine Hagemann
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Groß-Buchholz

Wer wissen will, wie lange es den Kulturtreff Roderbruch schon gibt und warum er einmal in einem ausgedienten Edeka-Markt untergebracht war, kann in alten Unterlagen wühlen. Oder Petra Volk fragen. Denn ihr Berufsleben und das kulturelle Herz des Stadtteils sind von Beginn an quasi untrennbar verbunden. Vor genau 30 Jahren trat Volk die Stelle als Leiterin des Kulturtreffs an und machte aus einer Bürgerinitiative eine feste Einrichtung. Gleichzeitig setzte sie ein Zeichen für die Anerkennung der kulturellen Arbeit in ganz Hannover: Sie bekam die erste Vollzeitstelle, die von der Stadt im Bereich Stadtteilkultur geschaffen wurde.

Angefangen hatte alles mit Unzufriedenheit. Volk war Mitte Zwanzig, stand kurz vor dem Abschluss im Studienfach Sozialwesen und wusste nicht so recht, was danach kommen sollte. Immerhin, den für den Abschluss benötigten Praktikumsplatz bei einem Jugendzentrum in Herzberg am Harz hatte sie sicher, doch bei ihren Zukunftswünschen wurde sie immer unsicherer. Und so entschied sich die heute 57-Jährige, die Richtung zu wechseln. „Ich hatte schon zehn Jahre ehrenamtlich mit Jugendlichen gearbeitet und fühlte nun, ich wollte keine Berufsjugendliche werden.“

Zur gleichen Zeit fand sich eine Gruppe aus Menschen zusammen, die im Roderbruch lebten. Sie waren enttäuscht, dass das von der Stadt versprochene Freizeitheim aus Geldgründen doch nicht gebaut wurde. Die Roderbruch-Bewohner wollten sich jedoch nicht damit abfinden, dass die Kultur in ihrem Stadtteil weiterhin ein Schattendasein fristen sollte, und gründeten die Bürgerinitiative für den Kulturtreff Roderbruch. Sie nahmen Kontakt zum Kulturamt auf, suchten Unterstützer - und fanden das Immobilienunternehmen Gundlach, das ihnen das ehemalige Ladenlokal von Edeka in der Tiefgarage am Nobelring kostenlos zur Verfügung stellte. Das Kulturamt schickte eine Mitarbeiterin für die Organisatorin und eine Praktikantin. An diesem Punkt laufen die Entwicklungswege des Kulturtreffs und von Petra Volk, der damaligen Praktikantin, zusammen.

„Das war echte Pionierarbeit, so ein Konstrukt wie den Kulturtreff gab es ja bisher noch nicht“, erzählt sie. Sie erinnert sich an Kinderfaschingsnachmittage, Musiktheaterprojekte wie „Die Heinzelmännchen“, Freiluftkonzerte wie „Musik am Brunnen“ und Kunstausstellungen. Nach ihrem Praktikum arbeitete sie beim Kulturtreff noch einige Zeit als Ehrenamtliche, dann bekam sie die Stelle als Leiterin. „Ich finde es schön, dass die Stadt sich damals entschieden hat, in die Stadtteilkultur zu investieren, obwohl Kulturangebote in den Bezirken bis dato als freiwillige Leistung galten.“

Heute hat Volk drei festangestellte Mitarbeiter, bietet wöchentlich 149 Kurse und ein umfangreiches Programm voller Konzerte, Kunstaktionen, Festen und Bildungsangeboten an. Umfasste das Budget des Kuturtreffs Anfang der Achtzigerjahre noch bescheidene 10 000 Mark, blickt Volk heute stolz auf einen Jahresumsatz von rund 400 000 Euro und rund 50 000 Besucher. Und die Popularität steigt weiter. Nachdem der Kulturtreff Ende der Neunzigerjahre an die Rotekreuzstraße zog, weil sich Schimmel und Feuchtigkeit in den früheren Edeka-Räumen ausbreiteten, stoßen Volk und ihre Mitarbeiter langsam auch in dem rund 600 Quadratmeter umfassenden Gebäude an die Kapazitätsgrenze. „Der Bedarf ist viel größer, als wir abdecken können“, sagt sie. Vor allem bei den Musikangeboten sind die Wartelisten lang.

„Ich bin stolz, bei der Entwicklung des Kulturtreffs mitgeholfen haben zu können“, sagt Volk. Viel habe sie in den Jahren vorantreiben können, obwohl sie auch Familie hat. Doch einmal musste sich der Kulturtreff ganz hinten anstellen: Vor zehn Jahren hat Volk ein Sabbatjahr eingelegt und ging mit ihrem Sohn auf Weltreise.

Von Isabel Christian

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