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Die Guttempler feiern 20-jähriges Jubiläum

„Ansporn“ zur Enthaltsamkeit Die Guttempler feiern 20-jähriges Jubiläum

Die Guttempler-Gemeinschaft "Ansporn" haben ihr 20-jähriges Jubiläum in der Traditionsgastwirtschaft Zur Eiche gefeiert. Auch Oberbürgermeister Stephan Schostok erschien zur Jubiläumsfeier des Abstinezvereins.

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Oberbürgermeister Stefan Schostok ist als Ehrengast zur Jubiläumsfeier erschienen.

Quelle: Moers

Groß-Buchholz. Enthaltsamkeit, Brüderlichkeit und Frieden. Auf diesen humanistischen Grundpfeilern basiert die Gemeinschaft der Guttempler. Seit 1851 hilft der weltweit verbreitete Abstinenzverein mit dem geheimnisvollen Namen Alkohol- und Drogensüchtigen und deren Angehörigen auf dem mühsamen Weg der Enthaltsamkeit. Dass die Guttempler-Gemeinschaft „Ansporn“ ihr 20-jähriges Jubiläum dennoch ausgerechnet in der Traditionsgastwirtschaft Zur Eiche feiert, ist kein Zufall. Auch der Wirt ist ein Guttempler.

Als Oberbürgermeister Stefan Schostok als Ehrengast den zünftigen Saal in der Eiche betritt, haben die meisten Gäste bereits Platz genommen. Vor der Bühne sind vier Tische zu einem Kreuz aufgestellt. Sie symbolisieren die vier Himmelsrichtungen. An dem mittleren sitzt Annegret Becker. Vor der Vorsitzenden der Gemeinschaft „Ansporn“ liegt ein hölzerner Hammer. Dreimal schlägt sie damit auf den Tisch, würdevoll, aber bestimmt. Prompt erheben sich ihre „Brüder und Schwestern“ von den Stühlen. Ein weiterer Hammerschlag lässt Ruhe einkehren. Bevor das Festprogramm beginnt, erklärt Annegret Becker die Gepflogenheiten der Guttempler. Dazu gehört auch die Bedeutung der Hammerschläge. „Nach einem Beitrag klatschen wir nicht, um keine Wertung vorzunehmen“, erklärt die Vorsitzende. Auch die Handys müssen ausgeschaltet werden. Es folgt eine Minute der Besinnung, in der zwei Ordner andächtig die Kerzen auf den vier vorderen Tischen entzünden. Im Zuge der Abstinenzbewegung in den USA gegründet, haben sich die Guttempler bis heute viele traditionelle Rituale und Werte bewahrt.

„Eine würdevolle Veranstaltung“, staunt der Oberbürgermeister, der selbst zum ersten Mal infolge einer besonderen Einladung bei den Guttemplern zu Gast ist. „Ich wurde eingeladen, da es sich herumgesprochen hat, dass ich mir vorgenommen habe, fünf Jahre keinen Alkohol zu trinken“, erklärt Schostok. In seiner Rede drückt er seine Bewunderung für die alkoholfreie Lebenseinstellung aus, die von den Guttemplern in sechs hannoverschen Gemeinschaften gelebt wird. 72 Guttempler gibt es in Hannover. Früher waren sie einmal mehr. Seit einigen Jahren leidet der Verein bundesweit unter starkem Mitgliederschwund und einer Überalterung, die auch im Saal der Eiche nicht zu übersehen ist. Rita Hagemann von der Selbsthilfe-Beratungsstelle „Kibis“ vergleicht den Verein in ihrem Grußwort mit „einer herzensguten alten Dame, vielleicht etwas altbacken, aber mit viel Erfolg, Erfahrung und einem offenen Ohr“.

„Anke Renz geht beinahe seit 20 Jahren zu den Treffen der heute 18 ,Ansporn’-Mitglieder. „Bei den Anonymen Alkoholikern gefiel es mir nicht. Hier habe ich mich von Anfang an gut aufgehoben gefühlt“, erzählt sie. Im Unterschied zu der wohl bekanntesten Alkohol-Selbsthilfegruppe wird bei den Guttempler-Treffen nicht bloß die Sucht thematisiert. Bei den wöchentlichen Treffen in Bothfeld steht jedes Mal ein anderes Thema auf dem Programm. Im Januar referiert ein Mitglied über „150 Jahre Zoo Hannover“, im März ist eine Diskussion zu den „Auswirkungen der Ölförderung im Nahen Osten“ geplant. „In den Jahren sind wir zu einer Familie zusammengewachsen“, findet Anke Renz. Im Bildungswerk der Guttempler in Hoya hat sie sich selber zur Suchthelferin ausbilden lassen. Dreimal in der Woche bieten die Guttempler Gesprächsgruppen für Süchtige und deren Angehörige an. „Aus unserer Sicht sind die Guttempler eine großartige Selbsthilfeorganisation. Die ehrenamtliche Arbeit schließt eine Lücke im Gesundheitssystem“, lobt die AOK-Selbsthilfe-Koordinatorin Claudia Borrmann. Mit ihrem besonderen Programm sind die Guttempler vielen Mitgliedern eine Alternative zu den Anonymen Alkoholikern.

Zum Ende des Festprogramms klopft Annegret Becker noch einmal mit dem Hammer auf den Tisch. Das üppige Kuchenbüfett ist eröffnet. Schließlich sind die enthaltsamen Guttempler keine Kostverächter. Und auch der Oberbürgermeister findet, dass es sich auch ohne Alkohol anständig feiern lässt. „In einer Großstadt ist das für einen Bürgermeister kein Problem. Auch nicht auf dem Schützenfest“, erklärt der überzeugte Abstinenzler.

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