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Groß-Buchholz Dieser Radweg ist wirklich verwirrend
Hannover Aus den Stadtteilen Groß-Buchholz Dieser Radweg ist wirklich verwirrend
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07:30 04.09.2017
Links der neue Radstreifen, rechts der alte Radweg. Die Situation für Radfahrer kurz vor der Brücke über den Mittellandkanal ist unübersichtlich. Quelle: Nadine Wolter
Hannover

Seit dem Frühsommer 2015 teilt sich der Radweg vom Gehaplatz am Mittellandkanal über die Brücke in Richtung Süden auf: Ein neuer, von der Stadt aufgemalter Radstreifen führt die Fahrradfahrer links am Brückengeländer vorbei auf die enge Fahrbahn. Der Radweg stieß bei den Anwohnern nach seiner Entstehung auf wenig Begeisterung, denn genau daneben, rechts vom Brückengeländer, gibt es seit 1999 bereits einen Radweg, der farblich abgetrennt neben dem Gehweg verläuft.

Etwa die Hälfte der Radfahrer nutze den alten Radweg, die andere Hälfte fahre auf der ohnehin engen Fahrbahn mit den Autos, schätzt eine Busfahrerin der Linie 123, die gerade am Gehaplatz haltmacht. Sie ärgert sich über die Radfahrer, die den Streifen auf der Fahrbahn nutzen und sich teils unvorhersehbar verhalten würden. „Das ist teilweise wirklich gefährlich.“

Beide Wege sind erlaubt

Befahren dürfen die Radfahrer beide Radwege, erklärt Ronald Brandt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Der Radweg auf dem Groß-Buchholzer Kirchweg sei „eine von wenigen nicht sehr glücklichen Lösungen“, die nach der neuen Gesetzeslage im Straßenverkehr gefunden werden mussten, trotzdem sei die Spur auf der Fahrbahn sicher. Brandt persönlich würde statt des alten Streifens den neuen Weg auf der Fahrbahn nutzen. „Autofahrer sind verpflichtet, 1,5 Meter Abstand vom Radfahrer beim Überholen zu halten“, erklärt der ADFC-Experte. Wenn sich die Verkehrsteilnehmer an die Regel halten, ist das Radeln auf der Straße also kein Problem.

Auf Fußweg Tempo drosseln

Wer sich das nicht traut, der dürfe den alten gepflasterten Fußweg weiterhin nutzen, erklärt Brandt und macht sofort auf eine Einschränkung aufmerksam: Der Weg rechts vom Brückengeländer ist nicht eindeutig ausgewiesen, somit dürfen ihn Fahrradfahrer zwar nutzen, aber müssen auf Fußgänger achten und ihr Tempo auf Schrittgeschwindigkeit drosseln, um im Notfall ausweichen zu können. „Fußgänger dürften hier etwa in Schlangenlinie über den Weg laufen, und die Radfahrer müssten Rücksicht nehmen“, erklärt Brandt. Diejenigen, die ein zügiges Tempo fahren wollen, seien daher auf dem Radstreifen auf der Fahrbahn besser aufgehoben.

Von Nadine Wolter

Es fehlt an Logik

Eigentlich ist auf der Kanalbrücke hinter dem Gehaplatz in Groß-Buchholz eine häufig gestellte Forderung der Fahrradfahrer umgesetzt worden. Sie fühlen sich gegenüber dem Autoverkehr benachteiligt, was die Flächenverteilung im Straßenraum anbelangt. Indem die Stadt einen neuen Streifen auf der Fahrbahn anlegen ließ und den alten auf der Brücke nicht aufgehoben hat, ist sie diesem Wunsch nachgekommen.

Andererseits kann man hier exemplarisch bewundern, was Fahrradexperten wie zuletzt der Verkehrsplaner Herbert Tiemens aus Utrecht bei einer Bike-Konferenz der Grünen bemängeln. Hannovers Radverkehrsplanung fehle es insgesamt an Logik, an schlüssiger Wegweisung, klaren Regeln und durchgehenden Spuren mit einheitlichem Belag. Das führe insgesamt zu einem Gefühl der Unsicherheit mit der Folge, dass sich potenzielle Radfahrer dann doch wieder ins Auto setzen würden.

Konsequent wäre es, wenn die Stadt Klarheit schafft und einen der beiden Streifen aufhebt. Wenn sie dabei die aktuellen verkehrswissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigt, wäre das derjenige auf der Brücke. Das Problem: Im Gegensatz zu anderen Ländern fahren viele deutsche Fahrradfahrer in den Städten nicht gern unmittelbar neben den Autopisten. Sie sind es nicht gewohnt, was sich nur mit der Zeit ändern lässt – und nur dann, wenn das Wort Logik bei der Radverkehrsplanung mehr Beachtung findet.

Ein Kommentar von Bernd Haase

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