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Kommt die Schule aufs Klinikgelände?

Diskussion über Oststadkrankenhaus Kommt die Schule aufs Klinikgelände?

Das Bebauungsplan-Verfahren für das neue Wohngebiet auf dem früheren Gelände der Regionsklinik Oststadt-Heidehaus ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen - und doch bleiben wichtige Punkte weiter offen.

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Der Bezirksrat diskutiert über die Entwicklung des früheren Oststadtkrankenhauses.

Quelle: Schwarzenberger

Hannover. Der Bezirksrat Buchholz-Kleefeld hat zwar Kritik zu anstehenden Baum­Ersatzpflanzungen geäußert und wünscht sich eine neue Schule im geplanten Neubaugebiet. Aber er formuliert in seiner jüngsten Sitzung eher zurückhaltende Anträge. Und dennoch ist fraglich, ob die Ratsgremien ihnen folgen.

Derzeit besuchen viele Groß-Buchholzer Kinder die 2015 eröffnete Grundschule an der Nackenberger Straße in Kleefeld - gegen den Protest des Bezirksrats und vieler Eltern. Die Stadt sagte bislang zweierlei zu: Die neue Kleefelder Schule soll dauerhaft bleiben, und Groß-Buchholz bekommt wegen des großen Bedarfs eine zweite Grundschule. Die Verwaltung untersucht seit geraumer Zeit mehrere Standortvarianten, darunter die Umnutzung anderer Schulgebäude und ein Grundstück der kommunalen Baugesellschaft GBH. Das Ergebnis der Suche ist für die Bezirksratspolitiker niederschmetternd: „Trotz mehrfacher Anfragen ist von der Stadt nie etwas gekommen“, sagt Grünen-Fraktionschef Dierk Schneider. Alle Fraktionen wollen die neue Schule; einen Tag vor der Bezirksratssitzung legte auch Elisabeth Clausen-Muradian, wirtschaftspolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion, nach: „Die Verwaltung muss endlich zu einem Ergebnis kommen.“ Man brauche die Schule rasch und in Wohnortnähe der betroffenen Familien. Bis zum Schuljahr 2019/20 wollen die Grünen die neue Einrichtung.

Genug Platz für eine Schule?

An diesem Punkt kommt das Klinik­areal ins Spiel. Im südlichen Teil gebe es neben dem schon bestehenden Kindergarten noch genügend Platz für eine Schule, findet der Bezirksrat. Die Stadt zeigt sich wenig erfreut über diese Idee. Das Gebiet sei verplant, eine Schule an dieser Stelle wenig wirtschaftlich, sagt Stadtplanerin Constanze Baron. Das bringt Friedrich-Wilhelm Busse (parteilos) auf die Palme. „Eine Schule ist an keiner Stelle wirtschaftlich; aber das ist doch kein Kriterium.“ Die CDU will sich auf diese Fläche festlegen. „Auch unsere Ratsfraktion steht hinter uns“, betont Eike Borstelmann, Chef der CDU-Bezirksratsfraktion. Die formuliert ihren Antrag dennoch vorsichtig. Die Stadt solle die „Möglichkeit zur Errichtung eines Grundschulneubaus“ einräumen. SPD und Grüne gingen mit ihrem eigenen Antrag zwar einen Schritt weiter und fordern, dass der Bebauungsplan tatsächlich zugunsten der Schule geändert wird. Aber nur dann, wenn die Verwaltung nicht doch einen alternativen Standort präsentiert. Eine klare Willensbekundung ist das nicht. Zudem steht die rot-grüne Ratsmehrheit keineswegs klar hinter ihren Kollegen in Buchholz-Kleefeld: „Auf Ratsebene haben wir uns nicht eindeutig für das Klinikareal positioniert“, räumt Clausen-Muradian auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers ein. Damit kann die Verwaltung weiter auf Suche gehen. Der Rat der Stadt entscheidet in Kürze endgültig über den Bebauungsplan.

Bezirksrat stimmt Bebauungsplan zu

Im Juni hatte der Bezirksrat noch Einwände dagegen erhoben, dass wegen des Baugebiets Ersatzpflanzungen in Isernhagen-Süd und nicht im eigenen Bezirk vorgenommen werden. Wie berichtet, müssen über 100 Bäume auf dem Klinik­areal weichen. Umweltschutz und Ersatzpflanzungen sind in dieser Sitzung aber kein Thema: Der Bezirksrat stimmt dem Bebauungsplan zu - mit der Forderung nach einem Schulneubau als einzige Änderung.

Die Pläne für das Klinikgelände: Die Stadt übernimmt das Areal von der Region Hannover, nachdem die Klinik nach Linden umgezogen ist. Die alten Gebäude sollen abgerissen und durch rund 300 Wohneinheiten - Mietwohnungen und Einfamilienhäuser - ersetzt werden. Dafür werden noch Investoren gesucht. Im Gegensatz zum nördlich angrenzenden Bauabschnitt an der Podbielskistraße: Dort, wo einst eine Tankstelle und ein Gasthaus standen, setzt der Baukonzern Strabag im September dieses Jahres den ersten Spatenstich für zwei neue Wohn- und Bürohäuser. Rund 80 Wohneinheiten sind dort vorgesehen.

Kreative nutzen einstige Kapelle

Auf dem Papier hat die Kapelle aus dem Jahr 1993 locker Platz: Wie von vielen Anwohnern und dem eigens dafür gegründeten Kapellenverein Begegnung der Künste gewünscht, haben die Planer das einst als Gebetsort genutzte Gebäude im Oststadtkrankenhaus für den Erhalt vorgesehen und in ihre Karte des Baugebiets eingezeichnet – inmitten der vorgesehenen 300 Wohneinheiten und Einfamilienhäuser. Ob das auch so umgesetzt wird, muss sich noch zeigen.

Die Gespräche über Finanzierung und dauerhafte Nutzung der Kapelle dauerten noch an, sagt der Vereinsmitbegründer Hans Sasse. „Aber wir haben jetzt erst einmal einen Nutzungsvertrag mit der Stadt“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Buchholz-Kleefeld. Der beschloss einen Zuschuss über 1750 Euro, damit der Verein eine neue Beleuchtungsanlage anschaffen kann. Mindestens in diesem und im nächsten Jahr werden Sasse und seine Mitstreiter die frühere Kapelle weiter für Veranstaltungen nutzen können; für Konzerte und Workshops.

Dabei kooperiert der Verein bereits im zweiten Jahr mit dem Deutschen Roten Kreuz und der benachbarten Flüchtlingsunterkunft. Im alten Bettenhaus und in anderen Klinikgebäuden sind derzeit rund 640 Menschen untergebracht. Die Unterkunft ist auch der Grund, warum das Wohngebiet vermutlich in zwei Bauphasen entwickelt wird. Denn sie wird wohl auch dann noch gebraucht, wenn in anderen Bereichen die Vorbereitungen für den Abriss der Altbauten beginnen.

Über die Dauer macht die Stadt noch keine Aussage. „Wir bauen alternative Kapazitäten auf“, sagte Stadtsprecher Alexis Demos auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers. Allein in Buchholz-Kleefeld gibt es derzeit drei Flüchtlingsunterkünfte, sechs weitere werden im Stadtbezirk in den nächsten Jahren von der Stadt und der kommunalen Baugesellschaft GBH gebaut. Dort sollen Menschen unterkommen, die derzeit in Notunterkünften leben, darunter auch im früheren Oststadtkrankenhaus.

Die vorerst fortbestehende Nachbarschaft mit dem Flüchtlingsheim nutzt der Kapellenverein unter anderem für Workshops. Im Juli starteten neue Kurse für Tanztheater und Bildhauerei sowie ein Trommelworkshop. Daran beteiligen sich Heimbewohner, aber auch interessierte Anwohner. Vorbereitet werden zudem Aktionen für das DRK-Sommerfest in der Unterkunft am Sonnabend, 3. September. Und demnächst wird sich auch ein bekannter Kopf aus Hannovers Club- und Theaterszene um die Unterkunft kümmern: Iyabo Kaczmarek wird mit Bewohnern und ehrenamtlichen Helfern den Eingangsbereich zum Bettenhaus umgestalten. Dafür gibt es 2000 Euro aus dem Budget des Integrationsbeirats Buchholz-Kleefeld.

Von Marcel Schwarzenberger

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