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Hier lagern 500 Millionen Jahre alte Fundstücke

Groß-Buchholz Hier lagern 500 Millionen Jahre alte Fundstücke

Am Stilleweg, eingebettet zwischen Mittellandkanal, Messeschnellweg und der Buchholzer Straße, steht ein unscheinbares 14-stöckiges Gebäude mit weißer Fassade. Dabei befindet sich im Geozentrum Hannover ein riesiges Archiv mit Fossilien aus der Kreidezeit, Mammutzähnen und Bodenproben aus den Polargebieten.

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Geologe Jochen Erbacher zeigt den Mammutstoßzahn, der an der Kramerstraße gefunden wurde.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) haben im Keller des Baus ein gemeinsames Arbeitsarchiv. Auf 850 Quadratmetern stapeln sich hier etwa 1,5 Millionen Fundstücke: Fossilien, Gesteine, Bohrkerne aus bis zu 5000 Metern Tiefe, Erze und Mineralien. Das meiste ist in 550 Schränken verstaut, nur die ganz großen Stücke der Sammlung lagern in einem Regal am Eingang des Kellers. Mammutzähne liegen neben Fossilien von Schwimm­echsen, die vor 160 Millionen Jahren zu Stein wurden.

Ältester Fund aus dem Kambrium

Der älteste Fund im Archiv stammt aus dem Kambrium und ist damit 500 Millionen Jahre alt. Auch heute noch kommen ab und zu Proben dazu. „Das hier ist eine Arbeitssammlung“, erzählt Jochen Erbacher, Geologe und Referatsleiter der Gruppe „Sammlung und Bohrkernlagerung“. Das Gute daran ist, dass alles angefasst werden darf. Der Nachteil: Die Sammlung ist kein Museum. Hinein kommt man nur am Tag der offenen Tür, als Forscher oder als Schüler beim Zukunftstag, erklärt Erbacher.

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Hier können Interessierte mehr über die Erdgeschichte und Geologie Niedersachsen erfahren.

Erbachers Mitarbeiter arbeiten immer noch mit den Bodenproben. Damit können sie einschätzen, wie der Boden an bestimmen Orten beschaffen ist, ob er sich in etwa zur Einlagerung von Erdgas oder als Endlager für Atommüll eignet.

Von den Dreißiger- bis Sechzigerjahren suchten die Forscher vor allem nach Rohstoffen, die unter der Erde lagerten. Dann löste die Suche nach Orten für geeigneten Endlager die nach Rohstoffen ab. Heutzutage suche man wieder vermehrt nach nicht ausgebeuteten Rohstoffen, um unabhängig zu sein von Preisentwicklungen und anderen Ländern, erklärt Erbacher.

Fußabdrücke zweier Dinosaurier

Forschungsproben aus den letzten 90 Jahren liegen im Archiv Groß-Buchholz, etwa ein Drittel kommt aus Niedersachsen. Wenn hier gegraben wird, sind auch die Forscher nicht weit. Als in den Siebzigerjahren in Hannover Tunnel für die U-Bahn ausgehoben wurden, fanden die Geologen ein handgroßes Fossil in Schneckenhausform, in dem einst ein Tintenfisch wohnte: Ein Ammonit aus der Kreidezeit, 120 Millionen Jahre alt. Nicht weit von ihm entfernt lagert heute ein Mammutstoßzahn, den die Forscher in der Kramerstraße in Mitte fanden. An ihm kleben immer noch Kieselsteine aus der Leine. „Wahrscheinlich wurde das Tier gejagt und in der Nähe der Leine ausgenommen“, erklärt Erbacher „mit der Zeit wurde der Stoßzahn dann flussabwärts transportiert und fand seinen Weg zur Kramerstraße.“

Mikrofossilien finden sich im Archiv ebenso wie mit Erdöl vollgesogene Bohrkerne. Eines ihrer Lieblingsstücke haben die Forscher allerdings im Erdgeschoss des Geozentrums ausgestellt, die Fußabdrücke zweier Dinosaurier, eines Megalosauriers und eines pflanzenfressenden Sauropoden. Erbacher führt beim Hinausgehen an dem Gipsabdruck mit den Dinosaurierspuren vorbei. Mit knapp drei Metern Höhe sei er ohnehin zu groß für das Archiv gewesen, erklärt der Geologe. „Und so haben alle Mitarbeiter etwas davon.“

Von Nadine Wolter

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