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Groß-Buchholz Ist der Köritz-Hof noch zu retten?
Hannover Aus den Stadtteilen Groß-Buchholz Ist der Köritz-Hof noch zu retten?
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19:27 03.11.2015
Wildwuchs setzt dem Fachwerk zu: Eigentümer des Köritz-Hofes kümmern sich nicht. Quelle: Moers
Groß-Buchholz

Den alten Griechen galt ein Ort voller Efeu als ein Platz, an dem die Götter wohnen. Nun wuchert der Efeu seit einiger Zeit auch über die maroden Dächer des Köritz-Hofes in Groß-Buchholz. Dort wohnt niemand mehr, und dem ohnehin stark verfallenen Gebäudeensemble drohen durch den Wildwuchs weitere Schäden. Stadtverwaltung und Bezirksrat sehen sich nicht in der Lage, das historische Gebäude an der Pinkenburger Straße zu retten.

Der Römer Plinius warnte bereits vor 2000 Jahren vor der zerstörerischen Kraft der dekorativen Ranken. „Epheu [...] durchdringt Gräber und Mauren, sodass man sich wundern muss, dass ihm einige Ehre erwiesen ist“, schreibt der Ältere in seiner Naturgeschichte. Nun fordern die Mitglieder des Bezirksrats Groß-Buchholz und Kleefeld erneut, dem wilden Ranken Einhalt zu gebieten - bevor es endgültig zu spät ist. Die Stadtverwaltung sieht sich derweil außerstande, weiter auf den Eigentümer des vermeintlich ältesten Bauernhofs der Stadt einzuwirken. Die Nachfahren des Dorfbauern lassen den Hof an der Hausnummer 3 seit Jahrzehnten verfallen. Nun soll die Baukontrolle sich des Falls annehmen.

„Es muss dem Besitzer doch möglich sein, mit einer Gartenschere den Efeu zu kappen“, findet Eike Borstelmann. Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bezirksrat ärgert sich, dass eines der historisch bedeutsamsten Grundstücke im Stadtteil so sehr verkommen ist, dass es droht, zu einer Ruine zu werden. 1619 gebaut, gilt das Hauptgebäude des mehrteiligen Köritz-Hofes als prägnantestes Beispiel dafür, wie es in Groß-Buchholz einst ausgesehen hat. Heute ist es je nach Betrachtungswinkel schwer, hinter riesigen wild wuchernden Büschen, Unkrautstauden und Bäumen das Gebäude überhaupt noch zu sehen. An der Pinkenburger Straße versperren ein moosbewachsener Wohnwagen und Paletten mit Dachziegeln die Sicht. Der Jägerzaun rund um das Grundstück wurde an vielen Stellen bereits von der Natur niedergerungen.

Die größte Sorge bereitet derzeit aber der Efeu. Wenn das Dach erst mal kaputt ist und das Wasser einläuft, könnte der Bauernhof bald einstürzen, so die Befürchtung. Bereits im Februar forderte der Bezirksrat daher die Verwaltung auf, auf den Eigentümer einzuwirken. Geändert hat sich bisher nichts. Eine Sprecherin der Verwaltung teilte dem Bezirksrat auf eine erneute Anfrage mit, dass man mit dem Sohn des 86-jährigen Eigentümers „Erhaltungsstrategien“ erörtert habe. Dabei sei es besonders um das notwendige Zurückschneiden des Wildwuchses und um die Dachreparatur gegangen. Im Frühjahr hatte der Eigentümer daraufhin erklärt, dass er sich ohne finanzielle Hilfe außerstande sieht, den Arbeiten nachzukommen. Eine entsprechende Unterstützung schloss Bezirksratsmanagerin Claudia Göttler allerdings kategorisch aus. „Eine monetäre Hilfestellung der Denkmalschutzbehörde ist nicht möglich“, so Göttler.

Dem Bezirksrat reichten die Bemühungen und Antworten der Denkmalschützer nicht aus. „Das Amt für Denkmalpflege kommt seit Jahrzehnten nicht seiner Pflicht nach, das einzigartige Gebäude zu schützen“, glaubt Friedrich-Wilhelm Busse. Der CDU-Bezirksratsherr ist gleichzeitig Nachbar des Hofs und Mitgründer des „Pinkenburger Kreises“. Auch dieser Heimatverein fordert seit Jahren den Schutz des Gebäudes, für das es laut Busse eine Reihe von Kaufinteressenten gibt. CDU-Bezirksratsherr Maximilian Oppelt kann sich sogar vorstellen, dass die Stadt den Hof kauft. Auf diesem Weg könnten die Denkmalschützer Einfluss auf die Sanierung nehmen. „Anschließend kann man das Grundstück ja wieder verkaufen“, so Oppelt. Aber auch diesen Vorschlag lehnte Göttler ab. Die Stadt werde den Hof auf keinen Fall kaufen, zumal der Eigentümer deutlich gemacht habe, dass er das Grundstück im Familienbesitz halten will. In Groß-Buchholz lebt keiner aus der Familie mehr.

Ein letztes Mittel, um doch noch auf den Eigentümer einzuwirken, besteht nun darin, dass der Fall Köritz-Hof an die Baukontrolle geht. Experten sollen nun prüfen, ob Schäden durch die Versäumnisse des Eigentümers die Verkehrssicherheit auf den Gehwegen gefährden könnten. In dem Fall müsste die Stadt etwa die Gehwegreinigung beauftragen, die Kosten dafür müsste der Eigentümer übernehmen. Das Ergebnis der Prüfung soll bereits in der kommenden Bezirksratssitzung vorgestellt werden. Dem Efeu auf dem historischen Dach dürfen allerdings auch die Baukontrolleure nicht zu Leibe rücken.

von Mario Moers

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