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Groß-Buchholz SPD-Personaldebatten überschatten Wahlkampf
Hannover Aus den Stadtteilen Groß-Buchholz SPD-Personaldebatten überschatten Wahlkampf
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02:15 20.03.2016
Von Albert Tugendheim
Zu viele Stimmen abgegeben: Der Urnengang endete im Chaos.  Quelle: Schwarzenberger
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Buchholz-Kleefeld

Die Groß-Buchholzer nominierten zudem im Vorfeld den parteilosen Bezirksratsherrn Friedrich-Wilhelm Busse - einst Mandatsträger für die CDU - für den Bezirksrat. Ein Vorgang, der Busse in Erklärungsnot brachte, weil sich mancher im Stadtbezirk fragte, ob er nun Sozialdemokrat werde. Er freue sich zwar auf eine Zusammenarbeit mit der SPD, sagte Busse dem Stadt-Anzeiger. Aber: „Ein Eintritt in die SPD kommt nicht infrage.“ Der Ortsverein Kleefeld-Heideviertel zeigte sich skeptisch über die Nominierung.

Die Kandidaten sollten ursprünglich am 9. März feststehen. Die Veranstaltung im Vereinsheim des MTV Groß-Buchholz endete allerdings im Debakel. Es gaben mehr Genossen ihre Stimmzettel ab, als sich vor Beginn der Versammlung registriert hatten. Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci begründete das damit, dass die Wahlkommission die Registrierlisten durcheinander gebracht hatte. Die Kleefelder wollten die Wahl dennoch am gleichen Abend durchziehen, die Groß-Buchholzer warben für einen neuen Termin - dem entsprach Kirci schließlich.

Seit Monaten gärt es unter den Genossen im Stadtbezirk wegen der Kandidatenaufstellung: Sollen bewährte Politiker wie der 64-jährige Andres bevorzugt werden oder gibt man Nachwuchspolitikern den Vorrang? Die 47-jährige Juristin Zaman ist Mutter und voll berufstätig. Beides lasse sich gut vereinbaren, sagte sie. „Meine Wahl auf Platz 1 wäre ein wichtiges Signal.“ Für Zaman wäre die Listenfolge zudem ein strategisches Element: Auf Platz 1 käme sie sicher in den Rat; Andres würde mit seiner Popularität im Stadtbezirk den zweiten Platz ebenfalls sicher holen. Andres lehnte das ab. Bereits im Herbst vorigen Jahres hatte ihn sein Ortsverein nominiert; der junge Bezirksbürgermeister und Noch-Ratsherr Henning Hofmann (36) hatte das Nachsehen. Hofmann, der in diesem Jahr auch wieder für den Bezirksrat antritt, steht jetzt auf dem aussichtslos anmutenden Listenplatz 9 der Ratsliste in Buchholz-Kleefeld.

Die Kampfkandidatur für den Rat ist eine Sache, eine andere ist die Listenzusammenstellung für die SPD-Fraktion im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld. Der Plan der Groß-Buchholzer sieht vor, dass Busse auf Listenplatz 9 gesetzt wird. Das ist ambitioniert: In der vorigen Wahl 2011 errang die SPD acht Mandate. Ein Sitz ging der Fraktion aber durch den Parteiaustritt Karsten Plotzkis verloren. Plotzki war 2010 von der Linkspartei zur SPD übergetreten, hatte die Sozialdemokraten aber 2013 im Streit um den Erhalt von Kleingartenflächen verlassen. Danach gehörte er dem Bezirksrat zunächst als Parteiloser an und wechselte Ende 2015 erneut zur Linken.

Bei der kommenden Wahl will die SPD wieder stärkste Kraft werden und setzt auch auf Busse, der im Stadtbezirk hervorragend vernetzt ist. „Das nützt uns sehr“, glaubt der stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Andres. Der Vorsitzende der Kleefelder Genossen, Marc-Dietrich Ohse, ist sich da nicht so sicher. Busse habe auch gegenüber der SPD nie ein Blatt vor den Mund genommen, sagte er. Das könne problematisch sein. „Wir waren von der Nominierung überrascht“, sagte Ohse.

Busse war bis 2011 Christdemokrat und saß für die CDU sowohl im Bezirksrat und im Rat der Stadt. Er hatte seinerzeit kritisiert, dass sich die CDU in dem Stadtteil kaum blicken lasse. „Weder in Vereinen und Verbänden noch in sozialen Einrichtungen“, sagte er. Busse trat aus der Partei aus und engagierte sich in der vergangenen Wahlperiode als fraktionsloser Einzelvertreter im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld. Wo er seinen ehemaligen Parteikollegen in der CDU-Fraktion oft Populismus und Zynismus vorwarf. Mit der SPD hingegen habe er seit Jahren im Stadtbezirk einiges bewegen können, sagte Busse, der sich unter anderem als Schütze und im Pinkenburger Kreis engagiert. Vertreter des Ortsvereins Groß-Buchholz fragten Busse jüngst, ob er auf der SPD-Liste für den Bezirksrat kandidieren wolle. Busse sagte Ja. Aber auch: „Meine politische Unabhängigkeit werde ich mir auf jedem Fall bewahren.“ Mitglied einer Partei wolle er nicht mehr sein. Aber im Falle seiner Wahl würde er Mitglied der Fraktion.

Von Marcel Schwarzenberger

Flüchtlingspolitik ist dominierendes Thema

Die Redebeiträge der Spitzenkandidaten Belgin Zaman und Gerd Andres wurden von einem Thema beherrscht: der Flüchtlingskrise. Andres hatte sich bereits in der jüngsten Bezirksratssitzung kritisch zum Bau von bis zu zehn Unterkünften im Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld geäußert. Das sei unverhältnismäßig viel im Vergleich zu anderen Bezirken in Hannover. Da könne man im Rat ganz anders ansetzen, sagte er. Zaman erwiderte, dass auch anderswo neue Unterkünfte entstünden; die Verteilung der Flüchtlinge werde in Zukunft also anders aussehen. Sie räumte aber mit Blick auf unzufriedene Bürger ein: „Die Stimmung scheint zu kippen.“ Die Landtagswahlen in drei Bundesländern am vergangenen Sonntag gaben ihr Recht: Die rechtspopulistische AfD – Flüchtlingen gegenüber äußerst kritisch eingestellt – erreichte zweistellige Stimmanteile. Ob die AfD auch in Buchholz-Kleefeld antritt, wo das Flüchtlingsthema die Agenda beherrscht, steht nicht fest. „Eine Partei kann sich bis zu 90 Tage vor der Wahl anmelden“, sagte der Groß-Buchholzer SPD-Chef Hubert Harfst. Das wäre im Juni. mas

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