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Groß-Buchholz Stabwechsel bei der Sternschnuppe
Hannover Aus den Stadtteilen Groß-Buchholz Stabwechsel bei der Sternschnuppe
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00:15 09.04.2016
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Hannover

„Das Buch ist nicht tot“, sagt Birgit Nerenberg am Tag nach der Aufgabe ihres Geschäfts - der Buchhandlung Sternschnuppe. Was so widersprüchlich klingt, ist tatsächlich ein Schritt zur Rettung eines traditionsreichen Ladens im alten Dorfkern von Groß-Buchholz. Dort war Nerenberg 26 Jahre lang Chefin, baute die Sternschnuppe vom Spielzeug- zum florierenden Buchladen aus und machte über die Stadtgrenzen hinaus Furore mit Leseprojekten für und mit jungen Lesern. Doch sie kann nicht mehr, die Gesundheit lässt es nicht zu. Mehr von der Familie möchte sie haben, also tritt die 59-Jährige kürzer. Das Geschäft ist verkauft - die Sternschnuppe wird aber mit einem neuen Eigentümer weiterleben. Und so ganz wird die Bücherfrau, die Krimis mag und Kindergeschichten liebt, denn auch nicht aufhören.

Es ist der Tag nach dem Stabwechsel. Die Türklingel geht oft. Die Stammkundschaft ist immer da, es kommen auch Neugierige und Bekannte. „Ich bin heute nur noch Angestellte“, ruft Nerenberg immer wieder und klingt glücklich dabei. Inhaber ist jetzt der Geschäftsmann Konrad Baumer. Er hat Nerenberg in Teilzeit eingestellt; zum Team gehört nach wie vor auch Andrea Niesen. „Es hätte nicht besser kommen können“, sagt Nerenberg, setzt die Brille ab und dreht sie etwas aufgeregt in den Händen. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie hat nicht mehr die Verantwortung, muss auch nicht immer zum Schuljahresbeginn tonnenweise Lehrbücher schleppen, kann sich mehr auf ihre Kinder und ihre beiden Enke besinnen. Denen sie schon im zarten Alter von zwei Jahren Bücher vorliest. Es muss doch früh losgehen mit der Leseförderung.

Nerenberg ist Sozialpädagogin, leitete einst den Kindergarten der Matthiasgemeinde und gründete nach einer Auszeit als Hausfrau und Mutter ein Spielzeuggeschäft mit ein paar Kinderbüchern. Doch auch Eltern und Großeltern wollten nicht immer ins Stadtzentrum fahren, um Gutes zum Lesen zu finden. Das Sortiment der Sternschnuppe wuchs, der Buchladen wurde mit Leseprojekten auch außerhalb Hannovers bekannt. Das Literarische Kinderquartett, bei dem Kinder Bücher lesen und besprechen dürfen, die es noch gar nicht gibt, ist ein Markenzeichen der Sternschnuppe. Das Quartett, aber auch Lesungen in Kitas und Schulen sind künftig Nerenbergs wichtigster Arbeitsbereich. Lust auf Bücher will sie machen, so lange es geht.

Konrad Baumer ist ein IT-Berater aus dem Zooviertel, der wiederum Lust auf etwas Neues hatte. Über gemeinsame Bekannte hörte er von Nerenbergs Verkaufswunsch und griff zu. Der gebürtige Bayer mag Bücher und ist trotz seiner Herkunft Fan von Hannover 96 - wie Nerenberg auch. Das Sortiment wird bleiben - mit sehr vieles Bilderbüchers, Kinder- und Jugendliteratur, Krimis, Thrillern, Romanen für Erwachsene und ausgewählten Sachbüchern.

Es gibt auch weitere Lokalkrimis wie das neue Buch „Haarmanns Erbe“, in dem die Autoren Ulrike Gerold und Wolfram Hänel beim Schreiben auch Vorschläge von HAZ-Lesern aufgegriffen haben. In einer Szene fahren Beamte durch Groß-Buchholz. „Auf Seite 17 sind wir erwähnt“, freut sich Nerenberg, setzt ihre Brille auf und blättert gleich nach. Fast knickst sie vor Vergnügen, als sie die Stelle gefunden hat. Und geht dann zur Kasse, um Baumer beim Bestellen eines Buches zu helfen. Ein bisschen Hilfe braucht ihr neuer Chef noch. Aber Nerenberg ist ja da.

Von Marcel Schwarzenberger

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