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Stadt stellt Kulturverein die Heizung ab

Ehemaliges Oststadtkrankenhaus Stadt stellt Kulturverein die Heizung ab

Da kein Flüchtling mehr im Bettenhaus des ehemaligen Oststadtkrankenhauses wohnt, hat die Stadt Anfang April die Beheizung des gesamten Komplexes eingestellt - und damit für Aufruhr beim Verein Begegnung der Künste besorgt.

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„Wir brauchen eine Heizung“: Der Verein Begegnung der Künste organisiert in der alten Klinikkapelle Konzerte und Lesungen.

Quelle: Archiv

Hannover. Der Verein Begegnung der Künste nutzt nach wie vor die einstige Klinikkapelle am ehemaligen Oststadtkrankenhaus und fürchtet nach der Abstellung der Heizung durch die Stadt, für das wechselhafte Aprilwetter nicht mehr gerüstet zu sein. „Wir haben weiterhin Veranstaltungen im Gebäude und brauchen eine Heizung“, sagte Vereinssprecher Hans Sasse in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Buchholz-Kleefeld. Bleibe der Verein dauerhaft ohne Heizmöglichkeit, dann widerspreche dies allen Nutzungsvereinbarungen mit der Stadt, kritisierte er. Die Verwaltung sinnt nun auf Abhilfe.

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Der Kapellenverein Begegnung der Künste lädt zu einer Besichtigung der Räume inklusive Büfett und einer Führung ein. Am Sonnabend, 22. April, ist die Kapelle am Parkeingang, Pasteurallee 11, von 17 bis 20 Uhr geöffnet. Das Akustiktrio Edelholz begleitet die Veranstaltung mit einer Mischung aus Folk, Cross­over, Klassik und orientalischer Musik. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Die zentrale Fernwärmeversorgung der früheren Flüchtlingsunterkunft und der Kapelle sorgte während der kalten Jahreszeit für Heizkosten im fünfstelligen Euro-Bereich - monatlich. „Die Versorgung wurde aus Kostengründen eingestellt“, sagte Stadtsprecher Dennis Dix auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers.

Der Verein plädierte dafür, das Bettenhaus stillzulegen, aber weiterhin die Kapelle zu versorgen. Das sei technisch machbar, glaubt Sasse. Die Verwaltung will lieber auf Heizlüfter setzen, die zumindest vorübergehend für Wärme in den Kapellenräumen sorgen. Wie die Beheizung im nächsten Herbst und Winter aussehen kann, bleibt vorerst noch offen.

Der Kapellenverein will das Gebäude mindestens bis 2018 betreiben. Erst dann sollen die umliegenden Klinikgebäude abgerissen werden. Die Stadt will das Gelände vermarkten; auf dem ehemaligen Klinikareal wird in den nächsten Jahren ein Wohngebiet mit bis zu 300 Wohneinheiten entstehen.

Der Verein Begegnung der Künste will die in den Neunzigerjahren errichtete Kapelle langfristig als Veranstaltungsort für den Stadtbezirk erhalten. Sie ist Teil des Bebauungsplans für das Neubaugebiet, allerdings muss die Finanzierung noch gesichert werden.

Vorerst aber will der Verein konsequent das fortsetzen, was er in den vergangenen drei Jahren angeschoben hat: Die Kapelle soll für Konzerte, Lesungen und gemeinsame Workshops für Flüchtlinge und Anwohner genutzt werden. Jeden Montag gibt es dort einen Trommelkurs, dienstags läuft ein Literaturprojekt, und mittwochs gibt es die Malwerkstatt.

Verein will Kapelle erhalten

Inzwischen hat der Verein auch Zugang zu den Kellerräumen der Kapelle. Sie sind genauso geräumig wie der Saal und die beiden Nebenzimmer im Erdgeschoss und werden künftig in die Veranstaltungsplanung einbezogen. Man wolle nicht auf warmes Wetter angewiesen sein, betonte Sasse. Eine zusätzliche Beheizung sei wichtig. Das sieht auch der Bezirksrat so. „Wir brauchen jetzt, im April, eine Lösung“, forderte CDU-Fraktionschef Arne Borstelmann. Dierk Schneider (Grüne) will bei der Stadt Druck machen, damit es tatsächlich rasch eine Klärung gibt.

Von Marcel Schwarzenberger

Klinikums-Relikt sollte bleiben

Nun sind die Tage des Oststadtkrankenhauses wirklich gezählt. Seitdem das ehemalige Bettenhaus nicht mehr als Unterkunft für Flüchtlinge dient, ist es nur noch eine Frage von Monaten, bis Bagger anrücken und die Klinik-Gebäude abreißen. Letztes Relikt der bewegten Krankenhausgeschichte wäre dann eine kleine Kapelle – und diese sollte als Erinnerung an ein Stück Stadtteilhistorie unbedingt erhalten bleiben. Da ist es ein fragwürdiges Zeichen, wenn die Stadtverwaltung jetzt die Heizung für den gesamten Komplex abstellt, einschließlich der Kapelle. Über den Erhalt der Kapelle wurde lange gestritten. Aus planerischer Sicht wäre es einfacher gewesen, das Bauwerk ebenfalls abzureißen und die Wohnhäuser für das gesamte Grundstück mit einem Federstrich zu entwerfen. Doch ein Kulturverein mit honorigen Mitgliedern aus dem Umfeld des alten Krankenhauses sah in der Kapelle die Chance, wenigstens ein kleines Stück des Klinikums zu bewahren. Die Wirklichkeit geht oft andere Wege, als es das Reißbrett der Stadtplaner vorsieht, zum Glück. Zum Glück auch bleibt die Kapelle kein museales Bauwerk für Oststadt-Nostalgiker, sondern sie bietet Raum für die gegenwärtige Stadtteilkultur. Ausstellungen, Lesungen und Malkurse organisiert der Kulturverein in den Räumen. Das Angebot wird später auch den neuen Bewohnern des Quartiers zugutekommen. Also bitte: Heizung wieder andrehen!

Ein Kommentar von Andreas Schinkel

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