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Hainholz 24 Hainhölzer Künstler stellen gemeinsam aus
Hannover Aus den Stadtteilen Hainholz 24 Hainhölzer Künstler stellen gemeinsam aus
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02:15 17.09.2017
Skulpturen, Gemälde, Fotos, Installationen: In der Kunstmarkthalle sind sehr unterschiedliche Kunstwerke zu sehen. Quelle: Benjamin Behrens
Hannover

Info:

Kunstmarkthalle Hainholz, Schulenburger Landstraße 150, bis 1. Oktober; immer sonnabends von 16 bis 20 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Ganz schön heftig. Die Frauen lustwandeln in verruchten Mieder-Negligés durch die Menge, die Männer in martialisch aufgepolstertem Leder. Aus einem auf dem Boden drapierten Kopf fließt reichlich (Kunst-)Blut. Vor und nach dieser theatralischen Performance von Kostümbild-Studenten wird ausgiebig musiziert: auf Lauten und Flöten mit so exotisch klingenden Namen wie Ud, Tar oder Ney. Drei kurdische Musiker beherrschen die Instrumente. Die Besucher trinken Wein aus Pappbechern, die Kinder mümmeln die Minisalzbrezeln. Es herrscht gute Laune wie bei einem Familienfest, bei dem Freunde willkommen sind. Je mehr, desto besser.

So unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer sind auch die künstlerischen Ansätze dieser 24 Hainhölzer Künstler. Gemeinsam haben sie eine Ausstellung in der Kunstmarkthalle Hainholz auf die Beine gestellt.

Unzählige Menschen haben den Weg in die weitläufige Kunstmarkthalle an der Schulenburger Landstraße gefunden. Auf 900 Quadratmetern sind an den folgenden drei Wochenenden ihre Arbeiten zu begutachten und zu erstehen: Kunst von 24 Künstlern. Alle leben in Hainholz, fast die Hälfte kommt von weit her: Syrien, Bosnien, Russland, Korea, Irak … Alle Altersstufen, von 22 bis 70, eine Hälfte Frauen, die andere Männer. Sie malen, zeichnen, bildhauern in allen Genres. Fotografie ist ebenso vertreten wie Installation. Auch alle Materialien. Ein idyllisches Brunnenrelief ist aus Paulowniaholz und Keramikplast gefertigt. „Putin in Öl“, eine modellierte Frauenbüste mit einem Hut aus rostigen Fahrradkettengliedern oder Barockengel aus minu-tiös zugeschnittenen Plastiktrinkhalmen (was aber kaum zu erkennen ist): Besucher der Kunstmarkthalle benötigen kein Vorwissen, doch Neugier hilft, um Freude an dieser Kunstschau zu haben.

Vor zwei Jahren gab es am selben Ort schon einmal eine Ausstellung mit Hainhölzer Künstlern. Dieses ist also der zweite Streich, nun mit dem Motto „Stand - Bewegte Zeiten“ und unter der Ägide eines Vereins, der Kulturspielraum Hannover heißt. Erster Vorsitzender ist Wolfgang K. Steidele, Stellvertreterin seine Frau Monika Neveling. Beide arbeiten - wie fast 70 weitere Künstler - in Ateliers, die sich in den einstigen Fabrikhallen dieser Industriebrache an der Schulenburger Landstraße verteilen. Steidele und Neveling mischen auch künstlerisch in der Kunstmarkthalle mit. Er unter anderem mit einem sich drehenden Tanzbaum, an dem „gute Ratschläge“ blühen wie „Du musst kleiner malen“ oder „Mal doch mal schwarz-weiß“. Was macht Wolfgang K. Steidele stattdessen? Nach farbintensiven Collagen anmutende Ölbilder, deren gemalte Szenen scheinbar in Streifen geschnitten sind.

In zwei Jahren möchte der Verein wieder zu einer so bunt gemischten Herbstausstellung mit Hainhölzer Künstlern einladen. Wie es sich für eine Markthalle gehört: Der Eintritt ist natürlich frei, gucken kostet nichts.

Von Alexandra Glanz

Gesellschaftskritik im Detail

Fotograf, 3-D-Designer, Gesellschaftskritiker: Franz Hinrichsmeyer vereint Architektur, Design und Fotografie in seinen Arbeiten. Er wurde 1965 in Vechta geboren, von 1978 bis 1980 studierte Hinrichsmeyer an der TU Braunschweig Architektur. Von 1980 bis 1987 schloss der Künstler einen Abschluss in Industriedesign an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig an. Es folgten Stationen in verschiedenen Designabteilungen und in der Produktentwicklung. Seit 1999 füllt der Künstler zudem die Professur Darstellungstechniken und Entwurf an der Hochschule Magdeburg-Stendal aus und arbeitet als Designer. Für seine Bilder karikiert der Künstler Alltagsszenen. Mit scharfem Blick für Details, einem Gespür für Situationen und aufwendiger Recherche, ist Hinrichsmeyer mit der Kamera in Hannover unterwegs. Am PC werden die Aufnahmen dann per 3-D-Design-Software verfremdet. Die Vorliebe für Gullydeckel, kaputte Fahrräder und verschmierte Graffiti-Wände, kombiniert Hinrichsmeyer mit gesellschaftskritischem Humor. Bildelemente werden verfremdet und sind nur bei genauem Hinsehen entdeckbar. Hinrichsmeyers Hannoveraner liest Blind, Alte Presse und die Hannoversche Gemeine, wird in der „Messistadt“ willkommen geheißen und kauft in der APO-Theke ein.

Von Benjamin Behrens

Fröhlich, regligiös, politisch

Maler, Glaskünstler, Lehrer: Sergej Tihomirov kam 1965 in Moskau zur Welt. Malerei, Glasarbeiten, Grafiken, Aquarelle und Installationen sind Metiers des vielseitigen Künstlers. Von 1981 bis 1985 studierte Tihomirov an der Kunsthochschule in Samara, der sechstgrößten Stadt Russlands. Von 1985 bis 1994 unterrichtete er an der Kunstschule für Kinder in Samara. 1994 siedelte er aus der von Industrie geprägten Metropole nach Deutschland über, 2002 wurde Hannover zu seiner Heimat. Viele der impressionistischen Malereien zeigen fröhliche und farbenfrohe Szenen, etwa Kinder beim Schlittenfahren oder Winterlandschaften. Andere zeigen triste Bahnhöfe. Auch Religion ist ein wichtiges Thema. Arbeiten aus dem mehrere Jahre umfassenden Zyklus „Himmelsleitern & Menora“ greifen immer wieder das Motiv einer in den biblischen Himmel ragenden Leiter auf. Auch Glasskulpturen greifen das Motiv auf. Zudem gehören Porträts von christlichen Würdenträgern zum Repertoire. Andere Arbeiten beschäftigen sich mit der politischen Situation im Heimatland des russischen Emigranten. Für eine in der Kunstmarkthalle ausgestellte Arbeit lässt Tihomirov einen jugendlichen Putin mit einem Modellflugzeug spielen, auf dem Boden davor liegen Flugzeugtrümmer des Flugs MH17, der 2014 über der Ostukraine abstürzte. Ermittlungen ergaben, dass das Flugzeug offenbar abgeschossen wurde. Weitere Informationen über den Künstler gibt es hier.

Von Benjamin Behrens

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