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Hainholz Von der Plastizität der Hecke
Hannover Aus den Stadtteilen Hainholz Von der Plastizität der Hecke
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00:15 23.07.2016
Im Rahmen der Reihe "Kunst umgehen" warfen die Teilnehmer einen Blick über den Gartenzaun. Quelle: Mario Moers
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Hannover

Der ambivalente Blick eines Künstlers auf den Kleingarten war am Sonntag Thema eines außergewöhnlichen Kunst-Spaziergangs. Wie viel Kunst steckt im gemeinen Kleingarten? Welche Vorstellungen finden in den ästhetischen Vorlieben der Laubenpieper ihren Ausdruck? Im Rahmen der Reihe „Kunst umgehen“ warfen der Hainhölzer Bildhauer Siegfried Neuenhausen und 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Blick über den Gartenzaun der Kolonie Klein-Burgdorf.

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Der Bildhauer Siegfried Neuenhausen führte auf einem Kunst-Spaziergang durch die Kleingartenkolonie Klein-Burgdorf.

„Diese Hecke hat eine plastische Qualität, das hat doch etwas von einer Skulptur.“ Über den Jägerzaun im Lilienweg deutet der ehemalige Professor der Kunsthochschule in Braunschweig auf einen blockförmig gestutzten Busch. Ein Teilnehmer zückt sein Fernglas, um das zum Kunstwerk erklärte Grün genauer zu betrachten. Auch die anderen haben sich aufgereiht und lugen interessiert in den Garten. „Einfach, aber wohlgeordnet“, konstatiert jemand. „Die akkurate Wegführung und der Kies erinnern beinahe an das Meditative eines japanischen Gartens“, bemerkt ein anderer. Wie in einer Kunstgalerie bestaunt die Gruppe den Garten als ein Bild oder eine Skulptur, geschaffen von kreativen Laubenpiepern. „Das ist mal was anderes als im Museum“, freut sich eine Teilnehmerin.

„In einer weitgehend fremdbestimmten Welt ist der Kleingarten ein Ort des selbstbestimmten Lebens“, ergänzt Neuenhausen den Rundgang mit kunsttheoretischen Betrachtungen. Entstanden im Zuge der Industrialisierung, als Ausgleichsorte für Arbeiter, seien Schrebergärten seit jeher ein Raum kreativer Betätigung, vergleichbar mit dem Atelier eines Künstlers. In den Konzepten und kleinen Details ließen sich deshalb auch Grundthemen der Kunst entdecken, meint Neuenhausen.

Zwischen sorgloser Idylle und politischen Zwängen

Dafür gibt es etliche Praxisbeispiele. Um eine Satellitenschüssel im Lilienweg etwa ist ein Rosenstrauch gepflanzt. Die Schönheit der Natur soll offenbar die Tristesse der Technik kaschieren. Auf einem Rasen wurde mit kleinen Schäfchenfiguren, einem Brunnen und einer Katze liebevoll ein ländliches Idyll nachempfunden. Auch hier spielt die Sehnsucht nach der Natur wohl eine zentrale Rolle. Im Asternweg stößt die neugierig über die Hecken linsende Gruppe auf einen alten Laubenpieper, der ihr seine Gartenphilosophie in einem Spruch mitteilt. „Auf meiner kleinen Gartenwiese, träum’ ich vom Glück im Paradiese“, dichtet er.

Künstler Siegfried Neuenhausen kann sich selbst ein Leben in der Laube nicht vorstellen. „Ich hätte nicht die Ruhe, mich den ganzen Tag um den Garten zu sorgen“, sagt er. Neuenhausen verbindet seine frühesten Eindrücke eines Kleingartens mit zwei Fotos aus dem Familienalbum. Eines zeigt den heute 85-jährigen Bildhauer als Kind im Erdbeerbeet. Um seinen Mund ist Mus geschmiert. Ein Bild so lebensfroh, dass seine Eltern es schon damals mit dem Fotoapparat festhalten wollten. Das zweite Bild ist ganz anders. Ein Trupp Pimpfe marschiert darauf mit der Hakenkreuzflagge durch die heimische Kolonie. „Die schnurgeraden Wege mit den vielen Abbiegungen eigneten sich besonders gut zum Marschieren“, erinnert sich Neuenhausen. Beide Bilder markieren die extremen Enden eines Spannungsfelds - zwischen sorgloser Idylle und politischen Zwängen der damaligen Realität.

Kunst im öffentlichen Raum

„Als zeitgenössischer Künstler könnte man sich von den Gärten durchaus inspirieren lassen“, findet Christiane Oppermann. Die Künstlerin begleitet die Reihe „Kunst umgehen“, die mit Vorträgen und Rundgängen Kunst im öffentlichen Raum immer aus einer ganz besonderen Perspektive unter die Lupe nimmt.

Stadtplaner berichtet über Arbeit

Am Sonnabend, 23. Juli, berichtet Stadtplaner Thomas Göbel-Groß bei einem weiteren Spaziergang über seine Arbeit. Beginn ist um 17 Uhr am Trammplatz vor dem Neuen Rathaus. Die Teilnahme kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Für Inhaber eines Hannover Aktiv Passes ist die Teilnahme kostenlos.

Von Mario Moers

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