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Hainholz Gabentisch des Grauens
Hannover Aus den Stadtteilen Hainholz Gabentisch des Grauens
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02:15 15.01.2016
Der Gabentisch des Grauens – Von kurios bis nützlich hat die Spaßauktion einiges im Angebot. Foto: Moers
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Hainholz

Hainholz. Da lag der Schwiegersohn zu Weihnachten wohl etwas daneben. Mit einem digitalen Bildbetrachter wollte er seiner Schwiegermutter Christa Steinhoff eine schöne Überraschung bescheren. Doch so recht weiß die Seniorin mit der technischen Spielerei nichts anzufangen. „Ich brauche das doch gar nicht“, erzählt sie schmunzelnd. Für solche und andere Geschenk-Missgeschicke gibt es jedes Jahr im Januar den „Markt der langen Gesichter“. Im Kulturtreff Hainholz wurden am Sonntagnachmittag Geschenke versteigert, bei denen der Weihnachtsmann kein gutes Händchen bewiesen hat. Die originelle und witzige Geschenke-Auktion lockte auch in diesem Jahr über 100 Besucher in den Hainhölzer Kulturtreff.

„Wer verschenkt denn zu Weihnachten eine handgestickte Osterdecke?“ Auktionator Volker Wessels kann sich manches Augenzwinkern nicht verkneifen, so mannigfaltig ist das Angebot an kuriosen Geschenken auf dem Tisch vor ihm. Wäre man gemein, könnte man das Auktionsangebot aus mitgebrachten Präsenten als Gabentisch des Grauens bezeichnen. Was dachte sich derjenige bloß, der es für eine gute Idee hielt, seinem Bekannten ein Kochbuch für „Feine Tupperwaren-Desserts“ zu schenken? Das Buch sieht aus, als wäre es bereits vor einem Vierteljahrhundert erschienen. 3 Euro lautet das Startgebot. 4,50 Euro möchte ein anderer Beschenkter für ein Puzzle-Gemälde, das einen Schwarm fantastisch anmutender Delfine vor einem tiefroten Sonnenuntergang zeigt. Außerdem im Angebot sind eine fette Henne aus Ton, eine Kollektion Obstbrände, eine goldene Plastik-Uhr mit Taschenrechner und ein Daunenkissen, dessen Besitzerin gegen Daunen allergisch ist. Die Palette reicht von obskur bis nützlich. Eine massive Saftpresse löst ein regelrechtes Wettbieten aus. Für 10,50 Euro geht der Zuschlag an Sacia Meghriche. Die erste Vorsitzende der Kulturgemeinschaft wird später auch noch eine güldene Handtasche mit nach Hause nehmen. Den Entsafter loswerden wollte Heinz Hiller. „Bekannte haben ihn uns geschenkt. Aber wir brauchen ihn nicht“, erklärt er, während er an der Kasse die ersteigerte Tonhenne bezahlt.

„20 Prozent der Einnahmen gehen als Spende an die Stadtteilwerkstatt in der Nordstadt“, erklärt Auktions-Buchhalterin Svenja Schlüter. 42,50 Euro bekommen sie am Ende zusammen. Bei der Spaßauktion wechseln die meisten Stücke für wenige Euro den Besitzer. Im Vordergrund steht die Unterhaltung. Die Auktionatoren Volker Wessels und Harald Vincent verstehen sich darauf, die mitunter obskuren Geschenke mit witzigen Kommentaren anzupreisen. „Damit können Sie eine Skulptur der Brüste ihrer Frau herstellen“, scherzt Wessels, als ein Set Modelliermasse an der Reihe ist. Ein „Liebespendel“ findet dagegen auch für 2,50 Euro keinen Abnehmer. Niemand traut sich, im voll besetzten Saal auf das frivole Präsent zu bieten. Trotz anerkennender Kommentare aus dem Publikum wandert auch die Biografie Herbert Schmalstiegs unverkauft zurück auf den Gabentisch des Grauens. „Seit ich diese Versteigerung mache, wundere ich mich über gar nichts mehr“, ulkt Harald Vincent über ein Paar Krawatten mit geschmacksverwirrten Blumen und Aquarien-Motiven.

Nach beinahe zwei kurzweiligen Stunden endet der „Markt der langen Gesichter“ traditionell mit der Versteigerung eines Überraschungs-Koffers. Für 30 Euro ergattert sich ein Bieter das begehrte Stück. Sollte der Inhalt ihm nicht zusagen, kann er ihn ja im kommenden Jahr wieder mitbringen. Von Mario Moers

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