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Gebraucht, grün und gerecht

Hainholz Gebraucht, grün und gerecht

Die Inklusions-IT-Firma AfB verkauft in ihren neuen Räumen in Hainholz Laptops und andere Geräte. Von den acht Festangestellten haben vier eine Behinderung, und auch unter den vier Auszubildenden finden sich zwei Beeinträchtigte.

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Claudia Gerdau und ihr Mann Hans-Udo haben sich für einen Laptop entschieden.

Quelle: Benjamin Behrens

Hannover. „Ich freue mich sehr, dass Sie heute da sind“, begrüßt Jurij Deperschmidt die rund 80 Gäste. Die Zuhörer sitzen in langen Stuhlreihen zwischen weißen Wänden und meterhohen Metallregalen, die mit Europaletten voller IT-Produkte beladen sind. „Es war ein großer Traum, aus den beengten Räumen in der Langen Laube auszuziehen“, sagt der Leiter des AfB-Standortes Hannover. Die Abkürzung AfB steht für „Arbeit für Menschen mit Behinderung“. Von den acht Festangestellten haben vier eine Behinderung, und auch unter den vier Auszubildenden finden sich zwei Beeinträchtigte.

Vor elf Jahren gründete Paul Cvilak das soziale Unternehmen, seitdem hat sich viel getan. „Wir haben heute 220 Mitarbeiter, davon 45 Prozent Menschen mit besonderen Fähigkeiten“, sagt der 57-Jährige. Im vergangenen Jahr hat AfB 250 000 Geräte bei Firmen abgeholt und anschließend „refur- bished“, also für den Wiederverkauf aufbereitet. „Wir sind eigentlich ein ganz normales mittelständisches Unternehmen.“ Nur eben mit einer grünen und sozialen Ader. „Ihr Ruf ist nicht nur in Hannover exzellent, sondern bundesweit“, lobt Oberbürgermeister Stefan Schostok.

Das alte Geschäft bot mit seinen 350 Quadratmetern nicht die Möglichkeiten, welche die neuen Räume haben, sagt Deperschmidt. Die Verkaufsräume sind vergleichbar mit den alten Räumen, doch vor allem Werkstatt und Lager sind in dem rund 1200 Quadratmeter großen Gebäude ordentlich gewachsen. Einige Hundert Geräte gehen hier am Tag durch, von Laptops über Monitore und Drucker jeder Größenordnung bis hin zu klassischen Desktop-PCs. Ausschließlich hochwertige Hardware aus dem Businessbereich wird gereinigt, überprüft, und mit Garantie weiterverkauft. Die meisten Geräte stammen von großen Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen und landen nach der Ausmusterung bei AfB.

Daniel Blume ist gerade dabei, sich durch eine Ladung Notebooks von einem großen Versandhändler zu arbeiten. 25 Geräte warten noch auf ihre Behandlung. „Wir löschen gerade die Festplatten“, sagt der 19-Jährige. Drei haben es schon hinter sich, bei vier Laptops füllt sich die Fortschrittsanzeige.

„Die werden zertifiziert gelöscht“, erklärt Jacek Siekiera. Eine Spezialsoftware vernichtet entweder nach Standard des US-Verteidigungsministeriums oder des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zuverlässig die sensiblen Firmendaten. Damit auch garantiert nichts in falsche Hände gerät, erfolgt die Löschung über das abgeriegelte Firmennetzwerk der AfB. Außerdem werden alle Geräte genau überprüft und gegebenenfalls repariert. Und selbst was sich nicht mehr nutzen lässt, kann noch Ersatzteile liefern. Sollten sich defekte Festplatten nicht löschen lassen, landen sie im Schredder. „200 bis 300 Geräte gehen hier am Tag durch“, schätzt der Werkstattleiter. Alles wird per eindeutiger Kennung im System erfasst, sonst ginge schnell der Überblick verloren.

Während nebenan gearbeitet wird, bringt Ralph Winter schon die nächste Ladung ins Lager. Im ganzen norddeutschen Raum ist der 49-Jährige mit dem Lastwagen unterwegs. „In der Spitze hab ich vier Termine am Tag“, sagt der Logistiker. Mehr als 200 000 Kilometer legt er so pro Jahr zurück und bewegt dabei über 500 Tonnen an Waren. Jurij Deperschmidt ist zufrieden mit der Bilanz. „So soll es ja auch sein, wir wollen schließlich weiter wachsen.“

Claudia Gerdau ist schon jetzt fündig geworden. Ihr Laptop hatte den Geist aufgegeben und soll ersetzt werden. „Ich wurde sehr nett empfangen“, freut sich die 65-Jährige. Am nächsten Tag werden sie und ihr Mann wiederkommen, um die benötigte Software einrichten zu lassen und zu schauen, ob das alte Notebook noch zu retten ist. „Ich helfe Ihnen gern“, verspricht Verkäufer Arzvan Ahmed.

Von Benjamin Behrens

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Von Redakteur Angelika Behrens

Hainholz in Zahlen
  • Stadtbezirk : Nord, 13. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 30.106
  • Einwohner je Stadtteil: Nordstadt (16.604 Einwohner), Hainholz (6.664 Einwohner), Vinnhorst (6.698 Einwohner) und Brink-Hafen (140 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.777 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30167, 30165, 30179
  • Markantes aus der Geschichte: Der Name Hainholz geht vermutlich auf eine vorchristliche Stätte zur Verehrung heidnischer Götter zurück. Das Dorf Heynholtz wird 1425 erstmals urkundlich erwähnt, seit 1891 ist es ein Stadtteil von Hannover. 
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