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Gemeinsames Wohnheim für Studenten und Flüchtlinge

Hainholz/Vinnhorst Gemeinsames Wohnheim für Studenten und Flüchtlinge

Studenten und Flüchtlinge unter einem Dach? Spruchreif ist es noch nicht. Doch die Flüchtlingsunterkunft in der Helmkestraße könnte sich mittelfristig zu einer gemeinsamen Adresse für beide Gruppen entwickeln.

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Im Bau: Das Flüchtlingswohnheim an der Helmkestraße.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Die Anlage aus mehreren Gebäuden befindet sich aktuell noch im Bau. Der Bezirksrat Nord hat jedoch jetzt beschlossen, die Unterkunft mit der Adresse Karl-König-Platz als Modellprojekt weiterzuentwickeln, sobald zurückgehende Flüchtlingszahlen dies erlauben. „Es geht uns nicht nur um Unterbringung, sondern um Integration und Zusammenleben“, erläutert die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Christine Deja (Grüne).

Die CDU-Fraktion hatte zunächst einige Einwände gegen den ursprünglich von SPD und Grünen formulierten Antrag. Angesichts der hohen Zahl wohnungssuchender Studenten sei die Idee gut. Auch gemeinsame Gemeinschaftsräume befürwortet die Fraktion. In einem eigenen Antrag plädierte die CDU aber für die Unterbringung in getrennten Gebäuden, da die Bedürfnisse ans Wohnen unterschiedlich sein dürften. Auch Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle, in Flüchtlingswohnheimen müssen die Betreiber Kontrolle ausüben. „Das Studentenwerk fordert bestimmte Voraussetzungen für Studentenwohnheime wie WLAN“, betont CDU-Fraktionschefin Angelika Jagemann. Das Studentenwerk hat im Vorfeld auch problematisiert, dass soziales Engagement nicht zur Bedingung für einen Mietvertrag gemacht werden könne.

Christine Deja sieht darin kein grundsätzliches Problem, da sie von einer gewissen Offenheit potenzieller Mieter ausgeht. „Aber wir brauchen ein Gesamtkonzept. Es geht nicht, Studenten in ein Flüchtlingswohnheim zu setzen, sobald ein Zimmer frei ist.“

Die Politiker einigen sich auf einen Ergänzungsantrag, den Julian Klippert von Die Partei vorschlägt: Die Stadtverwaltung bekommt den Auftrag, gemeinsam mit dem Studentenwerk und anderen ein Konzept zu erarbeiten. Geschultes Personal soll Flüchtlinge und Studenten professionell begleiten, so die Vorstellung der Politiker. Die CDU zieht ihren Antrag zurück. Einzig FDP-Vertreter Michael Spatzker stimmt am Ende gegen das Vorhaben.

Alt-Vinnhorst: Die CDU scheitert mit einem Antrag, den Bau der Flüchtlingsunterkunft Alt-Vinnhorst II zurückzustellen. Ratsherr Robert Nicholls (SPD) betont, dass die neue Anlage weiterhin gebraucht werde. „Vinnhorst ist kein großer Stadtteil und das Areal liegt abseits in Nähe der Autobahn“, argumentiert Angelika Jagemann. Die Grundschule Vinnhorst gerate an ihre Grenzen, zumal in ihrem Einzugsgebiet auch an der Mecklenheidestraße ein Flüchtlingsheim entsteht. Rita Heitsch vom Stadtbezirksmanagement erläutert, die Stadt löse weiter Notunterkünfte auf wie das ehemalige Maritim-Hotel und das alte Bettenhaus Siloah. Dafür seien die neuen Unterkünfte notwendig.

Ideen für neue Nachbarschaft

Ob eines Tages in Hannover tatsächlich Flüchtlinge und Studenten unter einem Dach leben, ist noch nicht ausgemacht. Fürs Erste scheint die Stadtverwaltung die Unterkünfte weiter für Asylsuchende zu brauchen. Dennoch haben die Politiker im Bezirksrat Nord einen sinnvollen Denkanstoß gegeben. Angesichts der Wohnungsnot unter Studenten dürften sich manche für eine Wohnung im Flüchtlingswohnheim interessieren. Und die direkte Nachbarschaft könnte das Kennenlernen erleichtern. So, wie viele Flüchtlingshelfer es jetzt erleben, liegt der Gewinn dabei oft auf beiden Seiten. Klar ist aber auch, dass studentische Nachbarn nicht als Ersatz für Sozialarbeiter herhalten dürfen. Das hat allerdings auch niemand der Initiatoren im Sinn. Bemerkenswert ist, dass sich dem ursprünglichen Vorschlag vonseiten der Grünen inzwischen fast alle Parteien angeschlossen haben, obwohl eine Nachbarschaft auch immer Risiken birgt. In Lüneburg sind die ersten Erfahrungen bei einem ähnlichen Projekt positiv. Mal sehen, ob sich hier auch die Gelegenheit bietet.

Ein Kommentar von Bärbel Hilbig

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Hainholz in Zahlen
  • Stadtbezirk : Nord, 13. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 30.106
  • Einwohner je Stadtteil: Nordstadt (16.604 Einwohner), Hainholz (6.664 Einwohner), Vinnhorst (6.698 Einwohner) und Brink-Hafen (140 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 2.777 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30167, 30165, 30179
  • Markantes aus der Geschichte: Der Name Hainholz geht vermutlich auf eine vorchristliche Stätte zur Verehrung heidnischer Götter zurück. Das Dorf Heynholtz wird 1425 erstmals urkundlich erwähnt, seit 1891 ist es ein Stadtteil von Hannover. 
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