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Hainholz Hainhölzer Künstler zeigen dunkle Seite der Kunst
Hannover Aus den Stadtteilen Hainholz Hainhölzer Künstler zeigen dunkle Seite der Kunst
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08:55 12.11.2016
Im Licht: Monika Nevelings Werk "Zum Abschuss freigegeben" ist Teil der Gemeinschaftsausstellung "Aktiv im Dunkeln". Quelle: Mario Moers
Hannover

In neun durchweg düsteren, ernsten oder wenigstens schummrigen Installationen bringt die Gruppenausstellung im ersten Stock eines ausrangierten Bürokomplexes die tiefen Seiten der Kunst zum Klingen. Marion Pusch lässt knorrige, schwebende Wurzelwesen aus einem bläulichen Licht heraus, wie aus einer anderen Dimension, die Besucher beobachten. „Bewußt-Sein-Spiegelung“, nennt die Künstlerin ihre skurril-surreale Installation, die vom Betrachter Furcht oder wenigstens das Gefühl beobachtet zu werden hervorruft.

Wie alle ausgestellten Arbeiten ist sie hinter einer Kabine aus diffus beleuchteten Holz-Papier-Stellwänden verborgen. Die gesamte Herbstausstellung will in der Dunkelheit entdeckt werden. Das Motto liefert einerseits den Rahmen der Ausstellung und ist gleichsam Metapher für die Lage, in der sich die Künstler wähnen. „Das Dunkle bezieht sich auch auf die Künstler, die im Kunstbetrieb nicht sichtbar sind“, erklärt Wolfgang K. Steidele. Der Kunstlehrer und, nach eigenen Worten, Begründer des konstruktiven Dekonstruktivismus, hat sich für die Herbst-Ausstellung dem Thema „Gewalt bei Tisch“ gewidmet. Seine Kabine zeigt einen einfachen Esstisch mit einem Stacheldrahtzaun in der Mitte. Auf ihm eine abgeschnittene Hand, darin steckt ein Messer. Auf einem „Beipackzettel“ liefert der Künstler Gedanken zu seinem Werk. „Die Verteidigung der Brottöpfe“ steht etwa darauf vermerkt.

Steidele arbeitet in einem der insgesamt 25 Ateliers und Werkstätten, die in dem ehemaligen Bürokomplex beheimatet sind. Seit 2013 nutzen Künstler das mitgenommene ehemalige Schulgebäude des „Grone Bildungszentrums“ für ihre Zwecke. Das fehlende Interesse des Eigentümers, die Immobilie zu sanieren, hat, eingebettet zwischen Autovermieter, KFZ-Werkstätten und einer Firma zur Oliven-Veredelung, einen zusätzlichen Kunstort in Hainholz geschaffen. Was den Ort ausmacht, spiegelt sich in der Ausstellung. Die Mischung aus jungen und älteren Künstlern verschiedenster Genres sorgt für einen Mix von lebendigen, energiegeladenen und engagierten Positionen. Eingestaubt wirkt allemal das Gebäude. Doch allein der ungewöhnliche Fußweg von der stark befahrenen Schulenburger Landstraße über den schummrigen Hof durch die leeren, dunklen Flure bis zu dem Ausstellungssaal ist ein Erlebnis. Unmöglich, sich hierher zu verirren, und gleichzeitig ein guter Grund sich aufzumachen, zur kleinen Herbstausstellung. Nur eine Wiederauflage der riesigen Vorläufer-Ausstellung aus dem Kultursommer 2015 sollte man nicht erwarten. Damals stellten gleich 27 Künstler in einer Industriehalle auf dem Gelände aus. „Dieses Jahr wollten wir es unbedingt wiederholen, aber eine Nummer kleiner“, erklärt Steidele. Eigentlich schade, denn aufregende Positionen hat die Kunstszene in Hainholz offenbar zu Genüge zu bieten. Die Herbstausstellung ist auf jeden Fall einen kurzen Ausflug auf die dunkle Seite der Kunst wert.

Die Ausstellung „Aktiv im Dunkeln“ läuft noch bis zum 27. November in den Ateliers an der Schulenburger Landstraße 152F. Geöffnet ist jeweils von Freitag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr. Es stellen aus: Monika Neveling, Eric Pina, Marion Pusch, Claudia von Rohr, Taha Salih, Nikola Saric, Robert Schaper, Wolfgang K. Steidele und Sergej Tihomirov. Der Eintritt ist kostenlos.

Von Mario Moers

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