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Herrenhausen Darüber sprach Wulff beim Mellendorf-Besuch
Hannover Aus den Stadtteilen Herrenhausen Darüber sprach Wulff beim Mellendorf-Besuch
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02:15 11.08.2017
Von Gunnar Menkens
„Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur“: Christian Wulff vor Parteifreunden. Quelle: Clemens Heidrich
Mellendorf

Noch am Tag des geplanten Auftritts von Christian Wulff im Gasthaus Stucke machten Nachrichten aus dessen Berufsleben die Runde. Der frühere Bundespräsident sei nun Prokurist bei einem türkischen Modeunternehmen, schrieb eine Zeitung, und es dauerte nicht lang, bis bundesweit Unverträglichkeitskritiken die Runde machten. Unverträglich sei dieser Job mit der Amtswürde, und unverträglich sei es, bei einem Ehrensold von 236 000 Euro jährlich diesen fragwürdigen Extrajob anzunehmen. Man müsse, hieß es, über Kürzungen des Ruhegelds nachdenken.

Dass Wulff nun zufällig am Tag dieser Debatte im rustikalen Saal in Mellendorf erschien, mochte eine gute Gelegenheit für Wedemärker Christdemokraten sein, ihn selbst zu befragen, dort vorne saß er ja, greifbar, freundlich, nahbar, wie früher schon. Hier hielt die Union stets zu ihm, auch in schlechten Zeiten seines Lebens. Wenn Wulff in der Gegend auftritt, dann trifft Heimat auf Heimat.

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff besuchte die Wedemark.

Und gerade deshalb wohl ließen sie ihn in Ruhe. Bei einer Fragerunde später im Gasthaus wollte niemand wissen, wie es sich denn nun verhalte mit den Berichten. Oder wenn es jemand wissen wollte, dann hielt er sich zurück. Wulff hätte alles klarstellen können, aus erster Hand, aber darüber zu reden hätte eben auch bedeutet, den Gast mit einem womöglich unangenehmen Thema zu bedrängen. Keine Fragen also, obwohl Wulff später, als der offizielle Teil vorbei war, in aller Ruhe über sein Verhältnis zum Unternehmen Yargici zu erzählen bereit war.

Warnung vor Diktaturen

Gekommen war er, um über die politische Großwetterlage in Europa und der Welt zu sprechen. Wulff warnte vor Gefahren der Gegenwart, in Zeiten, in denen überall Autokraten an Macht zu gewinnen scheinen. „Wer in der Demokratie einschläft, dem kann es passieren, dass er in einer Diktatur aufwacht“, mahnte Wulff. Es war sein Plädoyer, sich trotz aller Sorge um Nationalisten, Ungewissheiten verursacht durch Globalisierungsfolgen, Digitalisierung mit Fake-News sowie der Flüchlingskrise nicht von Angst beherrschen zu lassen, sondern Werte der Demokratie zu verteidigen, statt sie als ewig gegeben vorauszusetzen. Man müsse Flagge zeigen, wenn andere Menschenrechte mit Füßen treten. Dafür klatschen seine Zuhörer.

Und Wulff wäre nicht Wulff, hätte er nicht zum besseren Miteinander aufgerufen. Man müsse anerkennen, was Fremde in Deutschland leisteten, gleichzeitig aber zu eigenen Werten stehen. „Das Grundgesetz ist unsere Leitkultur. Menschen islamischen Glaubens müssen sich in Deutschland an geltendes Recht halten“, sagte Wulff und ergänzte, dies sage sich jedoch leichter, wenn man Menschen mit offenen Armen empfange statt ihnen zu vermitteln, sie gehörten hier nicht her.

Und dies war das Fazit seiner Rede, zu der er hinzufügte, er spreche ohne Rücksicht auf Wahlkämpfe: Wulff, der einmal erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland, plädierte wieder für „eine multikulturelle, multiethnische, multireligiöse Gesellschaft“, die aber zugleich demokratische, westliche Werte mit Haltung verteidige.

Aber passt ein Job für ein türkisches Unternehmen zu einem früheren Bundespräsidenten? Nach der Veranstaltung sagte Wulff dieser Zeitung, er habe nur als Anwalt mit Yargici zu tun, er sei kein Prokurist. Bevollmächtigt für Unterschriften sei er nur, wenn keiner der Geschäftsführer anwesend sei, das sei alles im Handelsregister eingetragen. „Klar ist, dass ich keine Mandate übernehme, die nicht im deutschen Interesse liegen“.

Zu jung für den Ruhestand

Christian Wulff, 58 Jahre alt, fühlt sich nach seinem Rücktritt als Bundespräsident „zu jung, um es dabei zu belassen“, beruflich zur Ruhe setzen will er sich noch nicht. So begegnet er auch Vorwürfen, dass er trotz seines Ruhegeldes weiter arbeite. Er wies auf seine vielen ehrenamtlichen Aufgaben hin, „aber einen Tag in der Woche arbeite ich nun auch in meinem früheren Beruf“. Wulff ist Mitglied einer Hamburger Anwaltskanzlei.

Seinen Ehrensold, den zu kürzen einige Politiker vorgeschlagen haben, sieht er als Summe für „40 Jahre politischen Engagements, alle erworbenen Ansprüche werden verrechnet, im übrigen zu versteuern, also bleibt die Hälfte“.

In der Wedemark bleibt er beliebt. Applaus für seine Rede - und dann kam noch die Anfrage, ob er bei einem geplanten Marsch für Europa ein Grußwort sprechen wolle. Wulff will im Kalender nachsehen.

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