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Herrenhausen So wohnt es sich am neuen Herrenhäuser Markt
Hannover Aus den Stadtteilen Herrenhausen So wohnt es sich am neuen Herrenhäuser Markt
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00:15 25.03.2017
Wo jetzt das Forum Herrenhäuser Markt steht, prägte einst ein alter Atombunker das Stadtbild.
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Hannover

Regen ist nicht länger ein Grund, der Johannes Janke vom Einkaufen abhält. Die Haustür auf, in den Fahrstuhl hinunter zur Tiefgarage und trockenen Fußes hinauf zum Supermarkt; auf diesem Weg schlägt der Mieter einer der 24 neuen Wohnungen im Forum Herrenhausen dem Wettergott regelmäßig ein Schnippchen. „Bequemer kann man es nicht haben“, ist der 73-Jährige auch einen Monat nach dem Einzug noch begeistert von den vielen Vorzügen seiner Penthouse-Wohnung im dritten Stock. Auch der Ausblick durch die verglaste Wohnzimmerwand über die Sonnenliegen auf dem großzügigen Holzbalkon kann durchaus als außergewöhnlich bezeichnet werden. Neben der Brauerei wirken die Bäume des kleinen Herrenhäuser Friedhofs wie ein Wäldchen. In Richtung Stadt lassen sich am Ende des Häuserfeldes die Spitzen der Marktkirche und des Nord-LB-Gebäudes identifizieren. „Ich und meine Frau freuen uns bereits, im Sommer mit Freunden die Feuerwerke anzuschauen“, berichtet er von einem weiteren außergewöhnlichen Standortvorteil seiner Traumwohnung.

Was fehlt im Stadtteil?

Auch nach der Eröffnung des Forums gibt es akuten Handlungsbedarf im Stadtteil. Eine Umfrage unter den Spitzen der Bezirksratsfraktionen zeichnet ein eindeutiges Bild davon, welches Problem in Herrenhausen dringend in Angriff genommen werden muss. „Die dringlichste Baustelle wäre zunächst die Begegnungsstätte“, teilt der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Wolfgang Neubauer, die Ansicht seiner Amtskollegen Torsten Tegtmeyer (SPD) und Sabine Daniels (Linkspartei). Der Stadtverwaltung ist bereits seit 2012 bekannt, dass die Begegnungsstätte an der Herrenhäuser Straße irreparabel beschädigt ist. Nach zurückhaltenden Informationen der Stadt befindet man sich dort derzeit in Gesprächen mit einem Investor, der einen Neubau an gleicher Stelle plant.

Die Begegnungsstätte würde möglicherweise in einen mehrstöckigen Wohnungsgeschossbau integriert. „Das wäre eine gute Lösung“, hofft Neubauer auf schleunige Umsetzung. Torsten Tegtmeyer, Fraktionsvorsitzender der SPD im Bezirksrat, schlägt eine Neugestaltung des gesamten Ensembles Begegnungsstätte, Stadtbibliothek und des angrenzenden Platzes vor. „Auch so ließen sich zusätzliche Wohnungen realisieren“, so Tegtmeyer. Die Linken-Vertreterin und stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Sabine Daniels plädiert dafür, bei einer Neuplanung „mehr sozialen Wohnraum“ zu berücksichtigen. Die Verwaltung sieht sich zu diesem Zeitpunkt außerstande, eine Zeitschiene für das Projekt mitzuteilen.

„Hier mischen sich urbane Vorzüge mit hoher Lebensqualität“, wirbt die Wohnunggenossenschaft Herrenhausen (WGH) auf ihrer Internetseite für das (fast) fertiggestellte Forum. Tatsächlich haben die WGH-Planer hier sehr viel richtig gemacht. Eine gut sortierte Einkaufszeile im Untergeschoss und der Supermarkt „im Haus“ sorgen für kurze Wege im Alltag. Dreifach verglaste Fenster ermöglichen zentrales Wohnen ohne Lärmbelästigung an einer zentralen Einfallstraße und Straßenbahnhaltestelle. Nicht zuletzt profitiert der Marktplatz von dem neuen Leben, das dort mit einer Eisdiele, der Lieblingsbar und den anderen Geschäften, Praxen und Büros floriert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

„Herrenhausen ist vermutlich keines der In-Viertel Hannovers, aber ich vermisse hier nichts“, findet Stefan Hamann. Der 35-Jährige ist mit seiner Freundin aus Mitte hergezogen. Als erste Mieter überhaupt in eine Vier-Zimmer-Wohnung mit Westbalkon und Blick in den mit Rasen begrünten Innenhof. „Die Einkaufsmöglichkeiten sind hier besser, die Wege zum Fitnessstudio, zur Tanzschule und zur S-Bahn kürzer, und den besten Fleischer habe ich um die Ecke“, schwärmt Hamann. Elf Minuten Straßenbahnfahrt zum Kröpcke, das Kleine Fest und den Großen Garten vor der Haustür. Besser hätte er es nicht treffen können, findet er.

„Herrenhausen hat nun einen vollständigen, attraktiven Markt in seiner Mitte, der durch die vielfältigen gastronomischen Angebote auch als Anziehungspunkt für Jung und Alt aufgewertet wurde“, lobt auch Torsten Tegtmeier, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im zuständigen Bezirksrat. Die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Sabine Daniels von der Linkspartei findet ebenfalls fast alles gut am umgebauten Markt. „Die guten Einkaufsmöglichkeiten und der barrierefreie Zugang erleichtern vielen Bürgern die Versorgung. Auch die ärztliche Versorgung hat durch ,die neue Mitte‘ zu kurzen Wegen geführt. Daniels bedauert einzig, dass im Zuge des Umbaus keine Sozialwohnungen berücksichtigt wurden. Der Mietpreise im Forum gelten als moderat. „Ein gutes Preisleistungsverhältnis“, findet Hamann.

Einen Monat nach dem Einzug trauern Johannes und Irene Janke ihren früheren langjährigen Wohnungen im Heideviertel und später der Nordstadt nicht hinterher. „Das wir in einen intakten Stadtteil gezogen sind, macht es leicht“, findet Johannes Janke. Vor dem Umzug musste er jeden Tag 48 Stufen mit einem kaputten Knie bewältigen, heute drückt er auf den Aufzugsknopf und schätzt die Barrierefreiheit. Mit einem integrierten Pflegestützpunkt des Deutschen Roten Kreuzes haben die Forums-Planer auch an die weitere Altersvorsorge ihrer Bewohner gedacht. Bei allen Vorurteilen, die es gegen den Stadtteil Herrenhausen gibt, wundert es Janke allerdings, wie wenig seniorenlastig es hier neuerdings zugeht. Verwundert, wo all die Studenten und jungen Gäste der Lieblingsbar herkommen, erkundigte sich Janke bei dem Geschäftsführer der Bar. „Ich wollte wissen, wieso er diesen Standort ausgesucht hat und nicht Linden“, erzählt er. Die Antwort des Gastroexperten überrascht ihn nach einem Monat am Markt nicht mehr. „Er hat eine Standortanalyse gemacht und herausgefunden, dass Linden für junge Leute zu teuer wird“, sagt Janke. Dann ruft ihn seine Frau ins Wohnzimmer. Der neue Teppich muss gerade gerückt werden. Spätestens wenn der Feuerwerkswettbewerb beginnt, muss die 170-Quadratmeter-Wohnung schließlich fertig sein. Die Besucher werden staunen.

Von Mario Moers

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