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Herrenhausen Statisten proben für "Romeo und Julia"
Hannover Aus den Stadtteilen Herrenhausen Statisten proben für "Romeo und Julia"
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00:15 21.08.2016
Regisseur Tobias Maehler erklärt den Statisten den Ablauf. Quelle: Steiner
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Hannover

„Was für ein Fest! Wann hatten wir das letzte Mal so ein Fest?“, donnert Capulet, Julias Vater, über die leeren Plätze des idyllischen Gartentheaters in den Herrenhäuser Gärten. Dann sagt er, nun wieder als Regisseur Tobias Maehler: „Hier müsst ihr dann kommen.“ Gemeint sind die 30 Statisten des Stücks „Romeo und Julia“ von William Shakespeare, die sich jetzt von den Plätzen im Zuschauerbereich erheben und auf die Bühne strömen.

Jeweils zwölf von ihnen pro Abend spielen die Gäste auf dem prachtvollen Fest, bei dem Romeo Julia zum ersten Mal sieht. Einer von ihnen ist Manfred Büsing aus der Südstadt. „Ich habe schon öfter Statistenrollen übernommen, beim ,Falstaff‘ in der Oper oder bei ,Endstation Sehnsucht’ im Schauspielhaus“, erzählt der 59-jährige Seelsorger. „Ich mache das seit vier Jahren, es macht mir einfach Spaß, und es ist auch ein Ausgleich zu meiner Arbeit in der MHH. Außerdem bin ich auch ein bisschen eine Rampensau“, meint er augenzwinkernd. Rixte Gerdes bringt ebenfalls schon Theatererfahrung mit. Die 17-Jährige aus Kleefeld hat seit mehreren Jahren Schauspielunterricht. „Ich bin immer für etwas Neues, Individuelles zu haben. Und das Stück kenne ich aus dem Leistungskurs Englisch.“ Früher seien die Frauenrollen von Männern gespielt worden, erzählt sie. „Und die waren auch verpönt, denn das ging ja gegen die Männlichkeit, Frauenkleider anzuziehen.“

Acht Stunden Probe für 15 Minuten Auftritt

Auch wenn es nur kleine Rollen sind, muss viel geprobt werden. Für eine Viertelstunde Bühnenpräsenz in dem mit Pause dreistündigen Stück sind acht Stunden Probe angesetzt. „Das ist anstrengender als ich dachte, man muss schon sehr auf Stichworte achten“, meint Hiltrud Niemczewski. Die Beamtin aus Bothfeld hat schon drei Stunden gearbeitet, bevor sie um halb zehn pünktlich bei der Probe am zweiten Tag erscheint. „Gestern bin ich abends nur noch ins Bett gefallen. Aber es macht tierisch viel Spaß und die Leute, die sich gemeldet haben, passen gut zueinander“, erzählt die 44-Jährige, die als Jugendliche in einer Laienspielgruppe mitspielte. Ebenso wie die Künstlerin Karin André (64) aus Linden. „Ich habe früher intensiv Theater gespielt. Und ich liebe die Sprache Shakespeares“, begründet sie ihr Engagement als Statistin bei „Romeo und Julia“.

Der 17-Jährige Lennart Stepputatis aus Bothfeld ist hingegen zum ersten Mal auf der Bühne. „Ich habe mich spontan entschieden mitzumachen, weil ich Theatererfahrung sammeln wollte. ,Romeo und Julia‘ habe ich zwar nicht gelesen, aber ich war schon im Globe Theatre in London und da wurden Szenen aus dem Stück gespielt“, erzählt der Schüler. „Viel muss man ja hier nicht machen, nur sich merken, dass man zur rechten Zeit von Punkt A nach Punkt B läuft.“

Ganz so ist es nicht, wie Regisseur Tobias Maehler berichtet. „Die Statisten sind ein ganz toller Teil der Aufführung. Es sind ja richtige Rollen und sie sind Teil der Theaterphänomene, wie auch die Schauspieler es sind.“ In Hannover ist das Stück Teil der Veranstaltungen zum 400. Todestag des Dichters William Shakespeare in den Herrenhäuser Gärten. „Wir spielen genau wie damals im Globe Theatre nur mit geringer Ausstattung, die Bühne wird über Sprache erfunden“, erklärt Maehler und weist auf die Kulisse des Gartentheaters, deren einziger Schmuck die goldenen Statuen links und rechts der Bühne sind. „Alle Statisten bitte auf die Plätze“, ruft er. „Wir proben jetzt noch mal - diesmal mit Musik“.

So geht es weiter beim "Shakespeare-Festival"

  • 18. August, 21 Uhr, Großer Garten: „Ein Sommernachtstraum“ - Open Air Kino.
  • 19. August, 21 Uhr, Großer Garten: „Shakespeare in Love“ - Open Air Kino.
  • 20. & 27. August, 14 Uhr, Berggarten: Shakespeare-Führung in den Gärten.
  • 25., 26., 27. August, 20.30 Uhr, Großer Garten: „Sommernachtstraum! - Shakespeare-Revue“.

Von Sonja Steiner

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