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Herrenhausen Das ist Hannovers neues Geburtshaus
Hannover Aus den Stadtteilen Herrenhausen Das ist Hannovers neues Geburtshaus
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11:05 25.08.2017
Um die Villa zum Geburtshaus umbauen zu können, hat Sozialpädagogin Janna Siemers mit Crowdfunding Geld gesammelt. Quelle: Tomma Petersen
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Hannover

Leise rauscht der Wind durch die Kronen der Bäume, die im Garten der alten Villa an der Nienburger Straße Nummer 6 stehen. „Sie dürfen überall reingehen und sich alles anschauen“, sagt Evelyn Kampfhofer zu einem jungen Paar und deutet auf die Villa, in der Hannovers zweites Geburtshaus entstanden ist. Nötig waren dazu ein Online-Spendenprojekt und eine gehörige Portion Mut.

„Wir haben zwar schon im April Eröffnung gefeiert und nutzen einige Räume schon für Kurse, das obere Stockwerk ist aber erst jetzt fertig geworden“, sagt Kampfhofer beim ersten Tag der offenen Tür des Geburtshauses. Noch stehen provisorische Betten in den angemieteten Räumen, „die richtigen sind unterwegs und kommen in den nächsten Tagen“, sagt Kampfhofer.

Das Geburtshaus in der Nienburger Straße präsentiert sich beim Tag der offenen Tür mit hellen, freundlichen Räumen, die so gar nicht an ein Krankenhaus erinnern. Evelyn Kampfhofer und fünf andere Hebammen hatten die Geburtsräume unter anderem durch ein Crowdfunding-Projekt finanziert.

"Geburt ist ein schönes und besonderes Erlebnis"

Für zwei werdende Mütter ist in der ersten Etage Platz. Zwei helle und freundliche Zimmer mit eigenem Bad und großer Wanne stehen hier für die Geburten bereit. Auch für die Hebammen gibt es hier eine kleine Kammer und ein Bett. „Drei Wochen vor dem Geburtstermin geht die Hebamme einer werdenden Mutter in Rufbereitschaft“, sagt Kampfhofer. 24 Stunden am Tag sei sie dann erreichbar. Wenn die Wehen kommen, verabredet man sich im Geburtshaus an der Nienburger Straße.

„Die Geburt ist ein schönes und besonderes Erlebnis, wir beschleunigen sie nicht, sondern feiern ein richtiges kleines Fest“, sagt Kampfhofer, die seit 25 Jahren Hebamme ist. Im September stehen die ersten Geburten im neuen Haus an, wo sechs selbstständige Geburtshelferinnen, eine Sozialpädagogin, eine Physiotherapeutin und eine Kinderkrankenschwester arbeiten. Auch gesunde Frauen würden immer häufiger in Krankenhäusern entbinden. Das neue Geburtshaus in Herrenhausen soll für werdende Mütter eine Alternative zur Klinik sein.

"Das Haus ist mein siebtes Kind"

„Die Geburtenrate steigt, in den Kliniken ist der Notstand hoch, auch das Geburtshaus in der Eilenriede ist ausgebucht“, sagt Kampfhofer. Obwohl sich die Geburtshilfe in der Krise befindet, hat die Hebamme den Schritt zum Geburtshaus gewagt. „Wir sind auch eine Anlaufstelle für Hebammenschüler, wollen uns hier vernetzen, austauschen und auch revitalisieren“, sagt die 53-Jährige. Sie kenne viele Hebammen, die wegen der vielen Stolpersteine und Auflagen die Selbstständigkeit verlassen würden.

Das Herzstück der Villa ist die Küche. Auch eine Bibliothek soll zum Wintergarten und den Kursräumen im Erdgeschoss noch dazukommen. Zehn Monate hat der Umbau gedauert. „Also eine Schwangerschaft lang – das Haus ist mein siebtes Kind“, sagt Kampfhofer, die geschafft, aber stolz beim Tag der offenen Tür werdende Mütter durch die Räume führt und für Fragen aller Art bereitsteht.

12.000 Euro über Crowdfunding

Die Renovierung hat mehr als 100.000 Euro gekostet. Um einen Teil der Finanzierung stemmen zu können, hatte Sozialpädagogin Janna Siemers das Projekt Geburtshaus im Internet beworben und eine Crowdfunding-Seite erstellt. „12 000 Euro sind so zusammengekommen“, sagt Siemers, deren Tochter Evelyn Kampfhofer vor einigen Jahren entbunden hat.

Fast familiär sind die Bindungen des Teams untereinander. „Ich freue mich wahnsinnig auf unsere Team-Meetings im Wintergarten“, sagt Hebamme Annette Deleker, die bereits Rückbildungskurse in der Villa gegeben hat. „Wichtig ist einfach, dass man sich so früh wie möglich meldet und um einen Platz im Geburtshaus kümmert“, sagt Hebamme Kampfhofer. Und bis das erste Kind im September in der Villa geboren wird, sind es nur noch wenige Wochen.

Von Tomma Petersen

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