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Kirchrode Ärger um rechtspopulistische Zeitschrift
Hannover Aus den Stadtteilen Kirchrode Ärger um rechtspopulistische Zeitschrift
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00:15 06.03.2016
Die erste Ausgabe der „Freien Hannoverschen Zeitung“. Quelle: oh
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Hannover

Gleich mit ihrer ersten Ausgabe hat die „Freie Hannoversche Zeitung“ für viel Aufregung in Kirchrode und Bemerode gesorgt. Mehrere Anzeigenkunden sind nicht mit der Veröffentlichung ihrer Werbung in der Zeitschrift einverstanden. Den betroffenen Unternehmen ist der Abdruck besonders deswegen unangenehm, weil sie mit der nationalistischen Ausrichtung der Zeitung nicht in Verbindung gebracht werden möchten. Einige fühlen sich vom Herausgeber sogar getäuscht.

Die „Freie Hannoversche Zeitung“ ist ein Projekt von Gunther Oberheide. Der Journalist ist vor allem durch das Anzeigenblatt „Ortsblick Kirchrode“ im Stadtbezirk bekannt. Der „Ortsblick“ lag zumindest bis vor einiger Zeit noch in einigen Geschäften in Kirchrode und Bemerode aus. Das Verbreitungsgebiet war gleichzeitig auch der Bereich, über den die Zeitschrift vorwiegend berichtete und in dem die meisten Anzeigenkunden ansässig waren. Inzwischen ist der „Ortsblick“ aber offenbar eingestellt worden. Zumindest stammt die aktuellste Ausgabe auf der entsprechenden Internetseite aus dem Mai 2013.

Mehrere Geschäftsleute berichten übereinstimmend davon, dass sie bei Oberheide eine Anzeige für ein lokales Anzeigenblatt in Auftrag gegeben haben. „Wir sind bei Anzeigenschaltung davon ausgegangen, dass wir wieder im ,Ortsblick’ oder einem ähnlichen Medium mit Bezug auf unseren Stadtbezirk inserieren“, sagt André Schlüter vom Getränkefachhandel Schlüter in Bemerode. Stattdessen erschien die Werbung des Getränkemarkts in der „Freien Hannoverschen Zeitung“, einer Zeitschrift ohne konkreten Bezug zu Hannover.

Die Titelgeschichte mit der Überschrift „Ist Deutschland Opfer einer Massen-Migrationswaffe?“ stammt etwa von Gerhard Wisnewski, der als Verschwörungstheoretiker gilt. Weitere Artikel beschäftigen sich unter anderem mit der vermeintlichen Kolonisierung Europas durch die USA und mit der Rücktrittsforderung der AfD an den niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius.

Nachdem Firmenchef Thomas Göing von der Bäckerei Göing die erste Ausgabe der „Freien Hannoverschen Zeitung“ gesehen hatte, wollte er mit dem Medium nichts mehr zu tun haben. „Ich habe sofort über meinen Verkaufsleiter die Zusammenarbeit aufkündigen lassen“, sagt Göing. „Wir werden da keine Anzeigen mehr schalten.“ Das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Anzeige auf der Titelseite sei zwar in Ordnung gewesen. Allerdings habe der Herausgeber den Eindruck vermittelt, es würde sich bei der Zeitschrift um ein „ganz normales Stadtteilmagazin“ handeln.

Noch schwerwiegender sind die Vorwürfe des Beki Frischmarkts. „Wir haben unsere Anzeige für den ,Ortsblick’ aufgegeben und dann überraschenderweise festgestellt, dass die Anzeige woanders geschaltet wurde“, sagt Beki-Geschäftsführer José Cadiz. Obwohl der Supermarkt gar nicht dort werben wollte, habe die „Freie Hannoversche Zeitung“ eine Rechnung geschickt. „Die werden wir natürlich nicht zahlen“, sagt Cadiz, „wir kannten dieses Blättchen ja nicht einmal.“ Außerdem habe Beki die Zusammenarbeit mit dem Herausgeber eingestellt, der damit wohl einen seiner besten Anzeigenkunden verliert. „Wir haben alles zurückgezogen, auch für den ,Ortsblick’“, sagt Cadiz.

Der Herausgeber und Chefredakteur Gunther Oberheide wollte keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben. Nicht einmal die Frage, wo die „Freie Hannoversche Zeitung“ erhältlich ist, wollte er beantworten. Offenbar sollte die Zeitschrift wie auch der „Ortsblick“ in verschiedenen Geschäften in Kirchrode und Bemerode ausgelegt werden. „Erhältlich im Abonnement sowie in ausgewählten Lokalitäten“, heißt es auf der Titelseite. Auch in den beiden Beki-Märkten in Bemerode und Kirchrode wurde die Zeitschrift verteilt. Hier ist die „Freie Hannoversche Zeitung“ laut Cadiz allerdings unerwünscht und wurde wieder entfernt. Andere Orte, an denen das Blatt ausliegt, sind nicht bekannt.

Von Christian Link

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