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Blinde können auch Kultur

Kirchrode/Bemerode Blinde können auch Kultur

Werner Schlager leitet seit zehn Jahren die Kulturarbeit beim Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN). „Das gemeinsame Erleben von Kultur, die Begegnung von sehenden und blinden Menschen – dadurch reduzieren sich Hemmschwellen, das ist gelebte Inklusion“, sagt der gebürtige Rastätter und Wahl-Bemeroder.

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Werner Schlager und seine Frau Eva-Maria bringen Sehbehinderte und Sehende seit zehn Jahren bei Konzerten und Events zusammen.

Quelle: Link

Kirchrode/Bemerode. Unzählige Einzelveranstaltungen und verschiedene Veranstaltungsreihen – darunter der Klassikherbst bei Jakobi und das Whitestock-Festival – gehen auf sein Konto. „Das Organisieren und Gestalten macht mir große Freude“, sagt Schlager, „und ich bin immer darum bemüht, blinde Musiker mit sehenden zu vernetzen“.

Wenn Schlager von seiner Aufgabe beim BVN spricht, ist er in seiner Begeisterung nicht zu bremsen. „Teilen macht reich“, sagt er. „Wenn die Kirche kurz vor einem Konzert immer voller wird und Wirklichkeit wird, was ich mir erdacht habe, ist das ein tolles Gefühl.“ Ein Veranstaltungsmacher komme aber nicht ohne Kontakte und gute Verbindungen aus. „Mit Witz, Freundlichkeit und Bemühen gehen viele Türen auf“, sagt der 63-Jährige.

Veranstaltungsmacher mit Gefühl

Viele einflussreiche Personen lernt Schlager durch seine Arbeit als leitender Physiotherapeut im Vinzenzkrankenhaus kennen. „Ich spüre nicht nur die Verspannung oder Dysfunktion des Patienten, sondern auch, ob mit ihm was kulturell zu machen ist“, sagt er und lacht. Einer dieser Patienten war Kammermusiker Fritz Stenger-Lutz. Dessen Behandlung vor acht Jahren markiert für Schlager einen wichtigen Meilenstein. „Sein Knochenbruch war der Aufbruch für ganz viele Konzerte“, sagt Schlager, „wir sind dadurch gute Freunde geworden“. Dank Stenger-Lutz habe er seither erstklassige Kammermusiker zum BVN nach Kirchrode locken können.

Natürlich brauche er beim Gestalten auch Hilfe. „Ich habe ein Team von 30 ehrenamtlichen Helfern und Freunden“, berichtet Schlager. „Meine wichtigste Mitarbeiterin ist aber meine Frau Eva-Maria.“ Weil Schlager unter zentraler Hornhauttrübung und Sehnervschwäche leidet, ist er in vielen Bereichen auf ihre Hilfe angewiesen. „Sie kann Auto fahren, mir etwas vorlesen und sie kann verdammt gut kochen.“

Aufgeben gibt's nicht

Neben zahlreichen Erfolgen gab es für Schlager aber auch Rückschläge. Besonders schlimm sei die Absage des Whitestock-Festivals 2015 gewesen. „Das war eine Woche sehr schmerzhaft“, sagt Schlager. „Aber auch nach so einer Niederlage musst du wieder aufstehen, das sage ich meinen Patienten immer.“

Voll besetzte Veranstaltungen, Zusagen von hochklassigen Künstlern sowie blinde und sehende Musiker, die nach dem Konzert beim Wein zusammensitzen, bestätigen Schlager in seiner Arbeit. Nur eines findet er schade: „Leider bin ich immer noch der einzige Kulturbeauftragte des Landesverbands.“

Jubiläumskonzert in der Jakobikirche

Mit einem Jubiläumskonzert feiert der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) am Mittwoch, 20. April, das zehnjährige Bestehen seiner Kulturarbeit. Die Veranstaltung in der Jakobikirche am Kleinen Hillen beginnt um 19 Uhr, Einlass ist ab 18 Uhr. Die Zuhörer können sich über klassische Musik in barrierefreien Räumen freuen. Es spielen die blinde Cellistin und Musikhochschuldozentin Corinna Eickmeier, das Jakobi-Vokalensemble unter der Leitung von Kantor Uwe Rehling sowie die Bratschen an der Leine.

Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Modest Petrowitsch Mussorgski, Josef Strauss, Gioachino Rossini und Richard Wagner. Durch den Abend führt Fritz Stegner-Lutz.

Karten für das Konzert kosten 15 Euro. Sie sind beim BVN in der Kühnsstraße 18 und unter Telefon 5104244 erhältlich sowie bei Optiker Becker+Flöge an der Tiergartenstraße 118, bei der Buchhandlung an der Marktkirche sowie an der Abendkasse. Kinder unter 14 Jahren zahlen keinen Eintritt. Auch Begleiter von Besuchern, die sich als schwerbehindert ausweisen können, haben freien Eintritt.

Von Christian Link

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So schön ist Hannover-Kirchrode
Kirchrode in Zahlen
  • Stadtbezirk : Kirchrode-Bemerode-Wülferode, 6. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 29.728
  • Einwohner je Stadtteil: Bemerode (17.908 Ew.), Kirchrode (10.941 Ew.), Wülferode (879 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 1.246 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30539/30559
  • Markantes aus der Geschichte: Das früher selbstständige Dorf Kirchrode wurde 1907 nach Hannover eingemeindet.
Unveröffentlichte Bilder von Wilhelm Hauschild