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Neubau am Jöhrenshof: Jetzt entscheidet die Stadt

Kirchrode Neubau am Jöhrenshof: Jetzt entscheidet die Stadt

Welches Mitspracherecht haben eigentlich Hannovers Bürger bei Bauprojekten in ihrer Nachbarschaft? Diese Frage stellt sich angesichts der neuesten Entwicklungen zum geplanten Wohn- und Geschäftshaus, das auf der Wiese neben dem denkmalgeschützten Jöhrenshof in Kirchrodes Ortsmitte entstehen soll.

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Die Wiese links neben dem Jöhrenshof soll durch ein vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus bebaut werden.

Quelle: Christian Link

Hannover. Das Bauamt hat einen einstimmig gefassten Beschluss von Bezirksrat und Bauausschuss als „städtebaulich nicht sinnvoll“ zurückgewiesen. Nun entscheidet der Verwaltungsausschuss unter Vorsitz von Oberbürgermeister Stefan Schostok, ob die Einwände der Bürger und Lokalpolitiker ernst genommen werden.

Der Protest gegen die Investorenpläne war immens: Eine Anwohnerinitiative aus Kirchrode hatte mehr als 800 Unterschriften gesammelt, um die Bebauung des „Bauerngartens“ komplett zu verhindern. „Der Neubau zerstört das Dorfbild und die Idylle“, kritisierten die Initiatoren das viergeschossige Bauprojekt, das Wohnungen und Geschäftsräume schaffen soll.

Der Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode sah die Sache etwas differenzierter. Weil es sich um eine Privatfläche handelt, wollten die Lokalpolitiker die Bebauung nicht völlig verhindern. Stattdessen stimmten sie dem Projekt unter der Voraussetzung zu, dass der Neubau zum denkmalgeschützten Jöhrenshof hin nur gestaffelt errichtet wird – also zweieinhalb- bis eingeschossig. Dadurch sollten die Interessen des Eigentümers und der Denkmalschutz in Kirchrodes Ortsmitte gleichermaßen berücksichtigt werden.

Der Bauausschuss und der Umweltausschuss folgten der Einschätzung des Bezirksrats voll und ganz. „Der Bauernhof soll ja nicht erdrückt werden von dem Neubau“, sagte etwa Ewald Nagel, der baupolitische Sprecher der SPD. Beide Gremien stimmten einhellig für die Abstaffelung, woraufhin sich auch der Investor gesprächsbereit zeigte. „Wir finden sicherlich eine gemeinsame Lösung“, sagte Knut Paetzel, Geschäftsführer der Von der Mark Vermögensverwaltungsgesellschaft, wenige Tage nach der Bauausschusssitzung auf Anfrage des Stadt-Anzeigers.

Doch von Konsens ist mittlerweile keine Rede mehr. „Nach Variantenuntersuchungen ist eine Abstaffelung bis herunter auf zweieinhalb- bis eingeschossig städtebaulich nicht sinnvoll“, schreibt das Bauamt in seiner neuesten Drucksache zu dem Thema. „Insofern empfiehlt die Verwaltung, der Vorlage des Vorhabenträgers in der vorgelegten Form zuzustimmen“, heißt es weiter. Die Änderungen von Bezirksrat und Bauausschuss sollen nach Ansicht der Bauverwaltung nicht berücksichtigt werden.

Am Donnerstag liegt diese Drucksache dem Verwaltungsausschuss zur Abstimmung vor. Der Ausschuss, der grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagt, wird zwar nur eine Vorentscheidung treffen, weil das Bebauungsplanverfahren mehrere Stufen hat. Je weiter das Verfahren jedoch fortschreitet, umso unwahrscheinlicher wird ein Beschluss gegen den Investor. Dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan überhaupt gestoppt wird, kommt in Hannover äußerst selten vor.

Von Christian Link

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So schön ist Hannover-Kirchrode
Kirchrode in Zahlen
  • Stadtbezirk : Kirchrode-Bemerode-Wülferode, 6. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 29.728
  • Einwohner je Stadtteil: Bemerode (17.908 Ew.), Kirchrode (10.941 Ew.), Wülferode (879 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 1.246 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30539/30559
  • Markantes aus der Geschichte: Das früher selbstständige Dorf Kirchrode wurde 1907 nach Hannover eingemeindet.
Unveröffentlichte Bilder von Wilhelm Hauschild