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Kirchrode So geht es mit den Flüchtlingen im Bezirk weiter
Hannover Aus den Stadtteilen Kirchrode So geht es mit den Flüchtlingen im Bezirk weiter
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00:16 22.11.2017
Derzeit das Zuhause für 55 Flüchtlinge: Die Unterkunft an der Wülferoder Straße in Bemerode. Quelle: Clemens Heidrich
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Kirchrode-Bemerode-Wülferode

136 Flüchtlinge leben derzeit im Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode, verteilt auf zwei Wohnungen und die Unterkünfte an der Wülferoder Straße in Bemerode und an der Zweibrückener Straße in Kirchrode. Die Flüchtlinge stammen aus 24 verschiedenen Ländern, hauptsächlich aus Syrien, dem Irak, dem Sudan und Elfenbeinküste. Ende des Jahres plant die Stadt einige Änderungen bei den Flüchtlingsheimen im Bezirk. Ein Überblick.

Kirchrode bald ohne Unterkunft

In der Gemeinschaftsunterkunft an der Zweibrückener Straße 72 in Kirchrode leben derzeit 74 Flüchtlinge, die Unterkunft des Betreibers European Homecare GmbH ist für 125 Personen ausgelegt. Seit Anfang 2013 nutzt die Stadt das Flüchtlingsheim, Ende des Jahres wird es geschlossen. Denn die Stadt hatte das Gebäude nur angemietet. Nun läuft der Vertrag aus. Die Flüchtlinge aus der Zweibrückener Straße ziehen in die neue Flüchtlingsunterkunft in Anderten, die dort eröffnet wird.

Neues Heim nebenan

Die 74 Flüchtlinge, die derzeit in Kirchrode leben, ziehen in den Nachbarstadtteil Anderten. Voraussichtlich in der kommenden Woche wird die neue Unterkunft am Scheibenstandsweg 9a bis e in Betrieb gehen. Im Vorfeld lädt die Stadt am Dienstag, 21. November, von 16 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Um 17 Uhr stehen Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Gemeinschaftsraum für Fragen zur Verfügung. Die Unterkunft besteht aus sieben Gebäuden, der Bau hat rund 6 Millionen Euro gekostet. jst

Das Wohnheim Am Heisterholze befindet sich noch im Planungsstadium. Noch ist nicht absehbar, wann dort Flüchtlinge einziehen können. Die Planungen für eine Unterkunft an der Lange-Feld-Straße wurden komplett eingestellt, weil planungs- und grundstücksrechtliche Voraussetzungen nicht kurzfristig zu realisieren waren.

Die Pläne für Bemerode

Die DRK-Unterkunft an der Wülferoder Straße ist seit September 2016 bewohnt. Aktuell leben dort 55 Personen, die Kapazität der Unterkunft beträgt 90 Personen. 22 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben zudem in der Diakovere-Einrichtung Kronsberger Hof. Bis zu 16 weitere unbegleitete minderjährige Flüchtlinge können in der Einrichtung des städtischen Heimatverbundes vorläufig in Obhut genommen werden, diese Unterkunft soll Anfang 2018 geschlossen werden. Ein weiteres Flüchtlingsheim mit Platz für rund 50 Bewohner entsteht derzeit im Stadtteil Bemerode an der Oheriedentrift. Die Unterkunft ist allerdings noch nicht möbliert, auch einen Betreiber hat die Stadt noch nicht gefunden. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Inbetriebnahme der Unterkunft in diesem Jahr unwahrscheinlich, teilte Steigerwald mit.

Ebenfalls in Planung ist ein Wohnprojekt für Flüchtlinge an der Straße Lehmbuschfeld, wann dort Flüchtlinge einziehen werden, kann die Stadt derzeit allerdings noch nicht absehen. Auch für eine mögliche Anlage am Bemeroder Anger gab es bisher Standortplanungen. Angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen stellte die Stadt konkrete Planungen für ein Gebäude allerdings zurück. Die Planungen würden erst wieder aufgenommen, wenn die Flüchtlingszahlen erneut steigen. Damit bleibt das Grundstück zunächst eine stille Reserve.

Asyl-Zusage ist noch keine Integration

Es gibt viele Faktoren, die das Leben eines Geflüchteten schwierig machen. Einen Wohnraum zu finden, der den Bedürfnissen entspricht, ist nur einer davon. Der Markt für preiswerte Wohnungen für Singles oder Familien ist heiß umkämpft in Hannover, zumal derzeit auch ein neuer Jahrgang Studienanfänger nach Wohnraum sucht. Das mindert auch Chancen für Geflüchtete, die eine Aufenthaltsgenehmigung in der Tasche haben und eigentlich die Unterkünfte verlassen müssten.

Nicht minder wichtig ist die Frage, wie es für die Menschen persönlich weitergeht. Integrationskurse, Integrationsmanagement, die Betreuung durch Freiwillige – es gibt städtische und ehrenamtliche Angebote. Dennoch ist jeder Schritt nach vorn oft eine zähe Angelegenheit. Immerhin betrügen die Wartezeiten für Integrationskurse nicht länger als drei Monate, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald.

„Schwierig ist immer noch der Zugang zu Alphabetisierungskursen und zu Integrationskursen mit Kinderbetreuung.“ Sprachkenntnisse sind das neue Gold in der Gemeinschaft der Einwanderer – mit bestandenen Prüfungen fällt der Zugang zum Arbeitsmarkt deutlich leichter. Viele starteten mit einem Minijob in Branchen wie Gastronomie und Logistik, sagt Steigerwald. Nach und nach würden für Geflüchtete auch Ausbildungsverträge unterschrieben.

mas

Besondere Vorfälle sind weder der Stadt noch der Polizei bekannt, wie die Sprecher berichteten. „Es haben sich nach unseren Erkenntnissen keine Brennpunkte entwickelt und es war auch kein verstärkter Polizeieinsatz notwendig“, teilte Behördensprecherin Wiebke Weitemeier mit.

Die Stimmung der Bürger den Flüchtlingen gegenüber ist sehr unterschiedlich. „Vereinzelt gibt es immer noch welche, die das ganz schlimm finden und meinen, wir würden hier überrollt werden - das hat man ja auch bei den Wahlen gesehen“, sagt Bezirksbürgermeister Bernd Rödel (SPD). Gerade am Kronsberg gebe es Bedenkenträger. In Kirchrode dagegen habe es keine Probleme gegeben. „Im Gegenteil: Einige fragen sogar, wann die neue Unterkunft endlich eröffnet“, sagt Rödel. Insgesamt habe sich die Situation im Bezirk normalisiert. „Wir stehen jetzt vor neuen Aufgaben: Wie integrieren wir diese Menschen in die Gesellschaft?“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Von Johanna Stein

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