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Wohnhaus gegen Wiese

Kirchrode Wohnhaus gegen Wiese

Die Pläne der Von der Martk Vermögensgesellschaft für einen einen Neubau neben dem denkmalgeschützten Jöhrenshof stoßen auf deutliche Kritik im Stadtteil. Eine politische Entscheidung darüber wurde noch einmal vertagt.

Kirchrode. Die Von der Mark Vermögensgesellschaft plant den nächsten großen Coup in Kirchrode. Nachdem das Familienunternehmen unter der Führung von Knut und Julian Paetzel kürzlich den Umbau des früheren Beki-Stammhauses am Großen Hillen zu einem Edelwohnhaus in die Wege leiten konnte, bläst den Investoren bei ihrem neuesten Projekt allerdings gehörig Gegenwind ins Gesicht. Ihr Pläne für ein Wohn- und Geschäftshaus auf der Wiese neben dem denkmalgeschützten Jöhrenshof sind heftig umstritten. Der Bezirksrat Kirchrode-Bemerode-Wülferode diskutierte in seiner vergangenen Sitzung schon über die Baupläne des Investors, vertagte auf Wunsch der CDU-Fraktion allerdings eine Entscheidung.

Konkret geht es um die Wiese zwischen dem Geschäft für Wohnaccessoires von Knut Paetzel in der Brabeckstraße 6 (Jöhrenshof) und der Ernststraße. „Die Wiese ist nicht Teil des Ensembles und damit nicht denkmalgeschützt“, erklärte Stadtplaner Matthias Fabich. Eine Bebauung sei also grundsätzlich zulässig, allerdings nicht in den geplanten Ausmaßen. „Der bestehende Bebauungsplan hat in erster Linie den Bestand gesichert und keine Entwicklungsmöglichkeit zugelassen“, sagte er. Daher habe der Investor einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan vorgelegt, über den nun der Bezirksrat und die zuständigen Ratsgremien abstimmen müssen.

Die Investoren beabsichtigen hier den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss, das genauso hoch wie der Jöhrenshof werden soll. „Zu hoch geht nicht, deswegen haben wir uns im Vorfeld auf diese Höhe geeinigt“, erläuterte Fabich. Laut der Entwurfsplanung des Büros Rainer Müller Architekten (RMA) aus der Nordstadt soll die Gebäudehöhe 12,50 Meter betragen. Die Fassadengestaltung des Neubaus soll mit roten Klinkersteinen das Material des historischen Fachwerkbaus aufgreifen. Zwischen beiden Gebäuden ist ein Laubengang als Verbindung geplant. „Die Freifläche zwischen den Gebäuden kann als halb öffentlicher Raum, zum Beispiel als Hofcafé, genutzt werden“, heißt es in der Vorhabenbeschreibung der Investoren.

Nach derzeitigem Planungsstand sind in den Obergeschossen des Neubaus acht Wohnungen vorgesehen, im Erdgeschoss ist eine gewerbliche Nutzung geplant. Die Visualisierung des Architektenbüros hält neben einem Hofcafé auch einen Weinladen und eine Sparkassen-Filiale für möglich. Zudem ist eine Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen geplant, die über die Ernststraße erreichbar sein soll.

Die Bezirksratsmitglieder äußerten erhebliche Bedenken gegen das Projekt. „Diese Wiese ist das Gesicht von Kirchrode und ein absoluter Blickfang“, sagte die SPD-Abgeordnete Bärbel Ehrlich. „Für mich wäre es eine Schande, wenn diese Wiese bebaut wird, nur damit sich jemand bereichern kann.“ Ihr Fraktionskollege Knut Böhme sprach sich ebenfalls für einen Erhalt der grünen Fläche aus. „Jeder freie Platz soll jetzt bebaut werden - so ein Humbug“, sagte er. In der Einwohnerfragestunde hatte auch ein Bürger das Projekt kritisiert: „Kirchrode verliert dadurch seinen Charakter, der Jöhrenshof wird von diesem Baukörper erdrückt.“

Die CDU zog den Bebauungsplan ohne Meinungsäußerung zur Beratung in die Fraktion zurück. Damit landet er in der nächsten Sitzung am 10. Februar wieder auf der Tagesordnung. Sollten die Ratsgremien dem Projekt zustimmen, wird es vor dem Baustart eine zweistufige Bürgerbeteiligung geben. Trotz aller Kritik wird der Bezirksrat eine grundsätzliche Bebauung nicht verhindern können. Die Fläche zwischen Ernststraße und Großem Hillen ist als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen. Der Investor kann also höchstens dazu gezwungen werden, seine Pläne gemäß den Vorgaben des bestehenden Bebauungsplans zu reduzieren.

Von Christian Link

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So schön ist Hannover-Kirchrode
Kirchrode in Zahlen
  • Stadtbezirk : Kirchrode-Bemerode-Wülferode, 6. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 29.728
  • Einwohner je Stadtteil: Bemerode (17.908 Ew.), Kirchrode (10.941 Ew.), Wülferode (879 Ew.)
  • Bevölkerungsdichte : 1.246 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30539/30559
  • Markantes aus der Geschichte: Das früher selbstständige Dorf Kirchrode wurde 1907 nach Hannover eingemeindet.
Unveröffentlichte Bilder von Wilhelm Hauschild