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Bahnen lassen Wohnhäuser beben

Anwohner sind genervt Bahnen lassen Wohnhäuser beben

Die Anwohner in Kleefeld sind genervt von den dauernden Erschütterungen der Busse und Bahnen. Schuld sind Risse im Straßenbelag.

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Hochbahnsteig Kantplatz: Links davon reihen sich im Gleisbett etliche Risse im Asphalt aneinander.

Quelle: Schwarzenberger

Hannover. Reinhard Leicht geht ans Fenster und nickt. „Gleich kommt der Bus“, sagt er. Ein paar Herzschläge später zittert das Geschirr in der Anrichte, ein Rumpeln erschüttert das Haus an der Kirchröder Straße 7. Es ist durch das Parkett zu spüren. „Und jeden Morgen wache ich davon auf, wenn der erste Bus bei uns vorbeifährt“, sagt Nachbar Hans-Ulrich Schlüter. Es geht seit Monaten so: Die Busse der Linien 127 und 137, jeder Lastwagen, jeder schwer bepackte Transporter und die großen Pkw - die Erschütterungen sind in mehreren Wohnhäusern in der Nähe des Hochbahnsteiges Kantplatz zu spüren, nachdem im Frühjahr dieses Jahres erste Risse im Asphalt zwischen den Stadtbahngleisen auftauchten und immer tiefer geworden sind.

Leicht und Schlüter sowie rund 80 Anwohner, deren Unterschriften auf einer Protestliste stehen, hoffen auf rasche Besserung. Die ist in Aussicht, einen Bürgerdialog, wie ihn sich eine frisch gegründete Anwohnerinitiative wünscht, wird es aber wohl nicht geben.

Nicht richtig gedämmt?

Es ist ein paar Tage her, da äußerte Bezirksbürgermeister Henning Hofmann bei einer Bürgerversammlung zur Kommunalwahl seinen Ärger darüber, dass „die Infra noch keinen Mut fand, sich vor Ort mit den Leuten zu treffen“. Die Infrastrukturgesellschaft der Region Hannover ist für das Stadtbahnnetz verantwortlich und damit auch für den Hochbahnsteigbau. Auch für eine bereits 2006 stattgefundene Erneuerung der Gleisanlagen in Kleefeld. Als 2010 der neue Bahnsteig errichtet wurde, mussten die Gleise auf der Nordseite ein Stück verlegt werden; auf der Südseite - dort wohnen die meisten der vom Dauerlärm genervten Anwohner - blieben die Gleise liegen. Und wohl auch der Beton im Gleisbett, sagt Schlüter. Es sei zwar frischer Asphalt aufgebracht worden. „Aber ich denke, es wurde nicht richtig gedämmt.“ Es gibt technische Möglichkeiten, um Stahlschienen und Beton so zu ummanteln, dass darüber fließender Kraftverkehr möglichst wenig Erschütterungen erzeugt.

Lärmschutz ist ein hohes Gut

Lärmschutz ist auch für die Infra ein hohes Gut. Aber irgendetwas muss schiefgegangen sein, sind sich die Anwohner sicher. Leicht hat mit einem Aufnahmegerät die Erschütterungen gemessen: lauter kleine Beben, die von Fahrzeugen aller Art stammen. Und regelmäßige Ausreißer mit hohen Amplituden. Das sind die Busse. Die immerhin sollen ab Anfang September nur noch durch die Scheidestraße fahren, sobald der Straßenumbau vollendet ist. Alle anderen Probleme bleiben. Und mit jedem Laster, der über das Gleisbett und damit über die Risse fährt, werden diese immer tiefer. „Regelrechte Schlaglöcher sind das inzwischen“, sagt Schlüter.

Die Risse entstanden überall dort, wo im Beton die stählernen Querstangen verborgen sind, die die Bahnschienen stabilisieren. Vielleicht seien diese sowie der Beton beschädigt, sagt Schlüter. Das würde die Risse erklären. Mit der Liste, ihren Lärmprotokollen und ständigen Anfragen bei Stadtverwaltung und Infra wollen die Anwohner, dass die Dinge wieder ins Lot kommen. Bevor womöglich erste Schäden an den denkmalgeschützten Jugendstilhäusern entstehen. Sie wollen auch ihre Ruhe wiederhaben. „Man wird innerlich immer nervöser, wenn man praktisch auf die nächste Erschütterung wartet“, sagt Leicht.

Schäden sind der Infra bekannt

Die Schäden sind bei der Infra bekannt. „Wir hätten die auch schon gern repariert“, sagt Betriebsleiter Martin Vey. Weil es aber so wenig Platz für eine Baustelle gebe - aus diesem Grund existiert keine separate Spur für den Kraftverkehr neben den Gleisen -, müsste dafür die Kirchröder Straße gesperrt werden. „Das geht aber derzeit wegen der Baustelle Scheidestraße nicht.“ Man habe Hofmann und auch die Hausverwaltungen darüber informiert. Einen regelrechten Bürgerdialog mit Ortstermin hält Vey nicht für zielführend. „Die Sachlage ist eindeutig, und wir wollen im Oktober mit der Sanierung beginnen.“ Grund allen Übels seien die ersten Sanierungsarbeiten 2006. „Da wurde offensichtlich nicht mit der notwendigen Sorgfalt gearbeitet.“ Leider komme man an die ausführende Baufirma nicht mehr heran. Die Infra muss es also selbst richten.

Von Marcel Schwarzenberger

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Kleefeld in Zahlen

Stadtbezirk : Buchholz-Kleefeld, 4. Stadtbezirk in Hannover 

Stadtteile: Kleefeld, Groß-Buchholz, Heideviertel

Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.135 Einwohner

Einwohner je Stadtteil: Kleefeld (12.045 Einwohner), Groß-Buchholz (26.128 Einwohner), Heideviertel (4.962 Einwohner)

Bevölkerungsdichte : 3.090 Einwohner je km²

Postleitzahl : 30655, 30625, 30627

Bezirksbürgermeister : Henning Hofmann (SPD)

Stadtbezirksrat :  SPD: 8, CDU: 7, Grüne: 4, FDP: 1, Linke: 1

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