Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Briefmarken „made in Kleefeld“

Kleefeld Briefmarken „made in Kleefeld“

Andreas Ahrens produziert Kunst zum Anlecken und Aufkleben. Die Bilder des Kleefelder Grafikdesigners gibt es beinahe im ganzen Land zu kaufen, zu erschwinglichen Preisen. Die meisten seiner Werke kosten lediglich 62 Cent. In einer prächtigen Gründerzeitvilla am Kantplatz kreiert Andreas Ahrens Briefmarken.

Voriger Artikel
Verjüngungskur für Scheidestraße startet
Nächster Artikel
Dreiecksplatz wird 2016 umgestaltet

In einer prächtigen Gründerzeitvilla am Kantplatz kreiert Andreas Ahrens Briefmarken.

Quelle: Moers

Kleefeld. Andreas Ahrens produziert Kunst zum Anlecken und Aufkleben. Die Bilder des Kleefelder Grafikdesigners gibt es beinahe im ganzen Land zu kaufen, zu erschwinglichen Preisen. Die meisten seiner Werke kosten lediglich 62 Cent. In einer prächtigen Gründerzeitvilla am Kantplatz kreiert Andreas Ahrens Briefmarken. Eine höchst offizielle Arbeit im Auftrag des Finanzministeriums.

„Eine kleine Briefmarke enthält so viel Aktualität und Information und gleichzeitig ist sie ein Kunstwerk.“ Wenn Andreas Ahrens von seiner Arbeit erzählt, könnte man annehmen, einem Philatelisten der alten Schule gegenüberzusitzen. Jemandem, der liebevoll vor seinem Sammelalbum sitzt und vorsichtig mit einer Pinzette seine Mauritius vorführt. Dabei haben den 52-jährigen Grafikdesigner Briefmarken früher nie besonders interessiert. Bis er sie selber gestalten durfte. Heute ist er Feuer und Flamme, wenn er über das Geschäft mit der Briefmarke spricht. Jeder, der zwischen 2002 und 2008 Porto an einem Briefmarkenautomaten gekauft hat, hat schon einmal eine „echte Ahrens“ besessen. In dem Zeitraum zierte sein Motiv, ein Briefkasten, die kleinen gelben Marken in den Automaten. Mit der Gestaltung einer Automatenmarke begann für den Grafiker, was er heute seinen Luxus nennt. „Mit dem Designen von Briefmarken wird man nicht reich“, sagt er lächelnd. Vielmehr sei es eine besondere Auszeichnung zu dem erlesenen Kreis von Grafikern zu zählen, die überhaupt an den Wettbewerben teilnehmen dürfen, die das Bundesministerium für Finanzen zu jeder neuen Marke ausrichtet. Und natürlich freut es ihn anschließend, wenn neben ihm am Post-Schalter Kunden über seine Marken sprechen. „Es gibt sogar Fanpost“, sagt er schmunzelnd und zückt einen Brief, den er neulich bekommen hat. Zur Veröffentlichung der Sondermarke „150 Jahre Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ bat ihn ein Sammler, einen Bogen zur Erstausgabe zu signieren. Als Geschenk legte der Senior dem Brief ein handbemaltes Tuch mit Signalflaggen bei. „Solche klassischen Philatelisten sind allerdings eine aussterbende Spezies“, weiß Ahrens.

Als Werber kennt er die Zielgruppe, für die heute Briefmarkenmotive gestaltet werden. „Das sind vor allem Frauen. Die legen bei der Organisation von Festen noch Wert auf eine passende Marke“, erklärt er.

Für den Eigentümer einer Werbeagentur beginnt mit jeder Teilnahme an einem der Wettbewerbe eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema der jeweiligen Sondermarke. 2009 hatte er anlässlich der Erstellung einer Heinz-Erhardt-Sondermarke etwa Kontakt mit einer Tochter des verstorbenen Komikers. Die Erhardt-Marke ist die Erste, mit der Ahrens einen Wettbewerb gewinnen konnte. „Ich wollte mit ihr die verschiedenen Facetten seines Humors abbilden“, erklärt Ahrens. Das Motiv der Marke wurde am Ende eine Collage aus drei Porträts, die Erhardt ausgelassen lachend, freundlich lächelnd und schelmisch schmunzelnd zeigen. Ahrens hat die Bilder in einen Sepia-Ton getaucht, so wirken sie etwas nostalgisch. Manchmal sind die Themen schwieriger umzusetzen. „Als es um 100 Jahre Reichsversicherungsordnung ging, musste ich das erst mal nachschlagen“, erinnert sich Ahrens. Für diese Marke wählte er kein Bildmotiv, stattdessen druckte er zentrale Begriffe, die das Thema erklären, auf die Marke. „Ich wollte dem Verbraucher mitgeben, was die Reichsversicherungsordnung überhaupt ist“, so Ahrens.

Für einen eher schlichten Entwurf entschied er sich auch im Falle der Sondermarke „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil“, mit der er sich 2012 durchsetzen konnte. Auf ihr hat er vor weißem Hintergrund zentrale Losungen des Kirchentreffens auf Latein in einem Kreuz angeordnet. Dazu traf er sich mit einem Pastor, der ihm die zeitgeschichtlichen Hintergründe und theologischen Diskussionen des Konzils erläuterte. „Wenn ich die Marken einfach gestalte, wird mein dazugehöriger Ersttagsstempel meistens aufwendiger und dekorativer“, erzählt er. Denn außer der Marke muss sich der Wettbewerbssieger auch die Briefbögen und jeweils einen Ersttagsstempel für Berlin und Bonn ausdenken. Wenn die Marke schließlich veröffentlicht wird, findet jedes Mal eine Feier statt. So auch im Falle der Konzil-Marke. „Es gab einen großen Empfang im Rahmen der Deutschen Bischofskonferenz. Das macht einen natürlich stolz“, sagt Ahrens.

Sein jüngstes, winziges Meisterwerk, die 62-Cent-Sondermarke zur Seenotrettung kommt deutlich dramatischer daher. Ein Rettungskreuzer bricht auf tosender See die Wellen. Das Motiv überzeugte die Jury abermals. „Ich habe den Entwurf für mich ,Titanic’ genannt. Ich wollte damit Emotionen rüberbringen“, sagt er über das Motiv. Seit dem 7. Mai ist die Marke bei der Post erhältlich. Bestimmt ist es nicht die letzte Briefmarke „made in Kleefeld“.

So entsteht eine neue Marke

Fälschlicherweise nehmen die meisten Menschen an, die Post sei der Herausgeber der Briefmarken. Tatsächlich werden diese von dem Bundesministerium der Finanzen aufgelegt. Prinzipiell kann jeder Bürger vorschlagen, was auf einer neuen Marke abgebildet werden soll. Jedes Jahr gehen unzählige Vorschläge bei dem Ministerium ein. Rund 30 neue Marken werden pro Jahr veröffentlicht. Ein Programmbeirat wählt unter den vorgeschlagenen Themen aus und beauftragt anschließend sieben bis zehn Grafiker aus einem bestehenden Pool von etwa 100 Designern mit der Erstellung von jeweils drei unterschiedlichen Entwürfen. Ein Kunstbeirat entscheidet anschließend etwa dreimal pro Jahr über die eingereichten Motive. Wenn ein Sieger gekürt wurde, geht der Auftrag an die Druckereien. Die Post übernimmt als letzten Schritt den Vertrieb der Marken.

von Mario Moers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kleefeld
So schön ist Hannover-Kleefeld

Kommen Sie mit auf einen Fotostreifzug durch Hannovers Stadtteile - und sehen Sie die Stadt von einer ganz anderen Seite. Heute: Kleefeld.

Kleefeld in Zahlen
  • Stadtbezirk : Buchholz-Kleefeld, 4. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Kleefeld, Groß-Buchholz, Heideviertel
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 43.135 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Kleefeld (12.045 Einwohner), Groß-Buchholz (26.128 Einwohner), Heideviertel (4.962 Einwohner)
  • Bevölkerungsdichte : 3.090 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30655, 30625, 30627
Hannover in Trümmern

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann in Hannover die Zeit des Wiederaufbaus der weitgehend zerstörten Stadt. Der HAZ-Fotograf Wilhelm Hauschild (1902-1983) hat die Zeit festgehalten. HAZ.de zeigt die beeindruckendsten Bilder aus dem umfangreichen Archiv des Fotografen.