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Kleefeld Wenn Seniorinnen den Poetry Slam für sich entdecken
Hannover Aus den Stadtteilen Kleefeld Wenn Seniorinnen den Poetry Slam für sich entdecken
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00:15 05.09.2017
Leidenschaft für das Wort: Klaus Urban mit Seniorinnen im Wohnstift. Quelle: privat
Hannover

Liselore Schütte muss lachen. „Für mich war Heiko bisher nur ein Name“, sagt die 93-Jährige und zählt immer wieder die Silben ihres kleinen Gedichts über den Winter nach. Die traditionelle japanische Gedichtform des Haiku setzt auf drei Wortgruppen à fünf, sieben und fünf Silben. Die Teilnehmerinnen des ersten Slam-Poetry-Workshops im GDA Wohnstift Hannover-Kleefeld überlegen kurz. Schütte trägt schließlich vor: „Winter mag ich nicht / da liegt viel Schnee, es ist glatt / und schon falle ich.“ Eine andere Teilnehmerin dichtet poetisch: „Kiefernwald duftet / die Sonne durchleuchtet ihn / Oh, schöner Sommer.“ Liselore Schütte lobt ihre Kolleginnen. „Sind wir doch wieder etwas schlauer. Macht doch Spaß!“

Leidenschaft für das Wort

Insgesamt acht Teilnehmerinnen haben sich auf den ersten Workshop dieser Art in Hannover eingelassen. Beim Dichterwettbewerb Poetry-Slam tragen in der Regel meist junge Autoren Gedichte und Kurzprosa vor und untermalen die Texte mit passenden Gesten. Durch den Einsatz von Stimme und Mimik wird der Vortragswettbewerb schnell zum Performancewettstreit. Die etwas älteren Workshop-Teilnehmerinnen bleiben trotzdem vorerst sitzen, um ihre Gedichte und Sprachübungen vorzutragen.

Geschrei? Wilde Verrenkungen? Im Wohnstift ist es vor allem die Leidenschaft für das Wort, die die Bewohnerin fasziniert. „Ich war einfach neugierig und wollte wissen, was hinter dieser Slam-Idee steckt“, sagt Hannelore Abée. „Ich habe früher gern schöne Briefe geschrieben. Und ich bin froh, dass solche Veranstaltungen nun auch für uns angeboten werden“, sagt die 88-Jährige. „Das Format Poetry-Slam geistert ja nun schon eine Weile rum, und ich wollte wissen, was das ist“, erklärt Annemarie Wolter. Also probieren die Damen es unterstützt von der Stiftung Sparda-Bank Hannover selbst aus.

"Das Vokabular unterscheidet sich schon sehr"

Betreuer des Workshops ist der hannoversche Autor und Kulturwissenschaftler Klaus Urban. Urban hat schon an Hunderten Poetry Slams erfolgreich teilgenommen und lädt regelmäßig zu Dichterwettbewerben in Hannover und Schaumburg ein. „Viele Slammer haben damit angefangen, Texte für Freunde oder die Familie zu schreiben“, erzählt er und ermuntert die Teilnehmer zu kleinen Sprachspielen. Es gilt, zusammengesetzte Hauptwörter zu finden. Schauspieler, Spielergewand und Gewandhaus kombinieren die Damen geschickt. Später finden sie Wörter wie Filzpantoffeln, Pantoffelheld und Heldentenor. „Ich gebe ja auch Workshops in Schulen. Aber das Vokabular unterscheidet sich schon sehr“, sagt Klaus Urban nicht ohne Stolz auf seine Gruppe.

Die regelmäßig stattfindende Schreibwerkstatt im Wohnstift wird die Anregungen und Methoden sicher zu schätzen wissen. Und Klaus Urban plant nun schon weitere Workshops mit Stiftungsunterstützung. Im September ist der Schriftsteller in der Mira-Lobe-Schule zu Gast.

Von Jan Sedelies

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