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"Es wird auch hier keine Probleme geben"

Containerdorf sorgt auch für Kritik "Es wird auch hier keine Probleme geben"

76 alleinstehende Männer sollen in die neue, vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebene Flüchtlingsunterkunft an der Laher-Feld-Straße 33 einziehen. Viele Anwohner sind neugierig und freuen sich auf die Flüchtlinge. Doch bei einer Besichtigung in der vergangenen Woche gab es zum Teil sehr harsche Kritik.

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Sind neugierig und freuen sich auf die neuen Nachbarn (Bild oben, v. li.): Wiebke und Amelie Saalbach sowie Hubertus Plenz.

Quelle: Stein

Hannover. Die Anwohner beschweren sich vor allem darüber, dass nur Männer die Unterkunft bewohnen sollen, aber auch über fehlende Beleuchtung und zu wenig Information im Vorfeld.

Besonders Frauen machen bei dem Tag der offenen Tür in der Unterkunft ihrem Ärger Luft. Sie fühlten sich nicht mehr sicher, haben Angst um ihre Töchter, erklären sie. Anja Stein vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung der Stadt Hannover hat Mühe, die aufgebrachten Anwohner zu beruhigen. „Ihr dummes Gelaber kann ich sowieso nicht mehr ernst nehmen“, schreit eine Frau wütend.

76 alleinstehende Männer sollen in die neue Flüchtlingsunterkunft in Lahe einziehen. Viele Anwohner sind neugierig – doch manche bleiben auch bei der Besichtigung skeptisch.

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"Es gibt immer Bedenken"

„Es gibt immer Bedenken bei den Bürgern - und somit auch Auseinandersetzungen“, sagt Stein. Doch nicht überall gebe es solche hitzigen Diskussionen und sogar Beschimpfungen. „Das ist standortabhängig. In Linden war das zum Beispiel super“, erzählt sie. Dort sei die Neugierde der Anwohner viel größer gewesen als die Vorbehalte gegenüber den neuen Nachbarn.

Auch Christopher Steiner von der Grünen-Fraktion des Bezirksrats Bothfeld-Vahrenheide stellt sich den Fragen und Anschuldigungen der Anwohner. Diese stört besonders, dass zunächst nur Männer in das Containerdorf einziehen werden. Man habe zuvor von Familien gesprochen. „Das stimmt nicht“, entgegnet Steiner und Anja Stein von der Stadt ergänzt: „In diese Anlage kommen die Flüchtlinge, die am längsten in der Notunterkunft am Alten Flughafen sind.“ Das seien nun mal ausschließlich alleinstehende Männer aus den verschiedensten Herkunftsländern.

Die Unterkunft in Zahlen

76 Männer sollen in das vom DRK betriebene Containerdorf an der Laher-Feld-Straße 33 ziehen. Diese Männer kennen sich größtenteils schon, da sie derzeit zusammen in der Notunterkunft am Alten Flughafen leben. „Die Sozialarbeiter dort haben Vorschläge gemacht, wer gut zusammen in eine Wohnung passt“, versichert Anja Stein vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung der Stadt Hannover. Jeweils zu viert teilen sich die neuen Bewohner eine der 19 Wohnungen, die alle gut 30 Quadratmeter groß sind und über zwei Schlafzimmer, ein Bad und einen Aufenthaltsraum mit Wohnküche verfügen. In der neuen Unterkunft werden 2,25 Sozialarbeiterstellen besetzt werden, das entspricht 90  Stunden pro Woche.

"Wovor haben Sie denn nun Angst?"

Eine Anwohnerin beteuert, dass nicht die Flüchtlinge das Problem seien, lediglich deren Geschlecht. „Wenn hier 76 deutsche Männer einziehen würden, hätte ich genauso Angst um meine Tochter“, sagt sie. „Aber es gibt doch in Hannover überall Wohnhäuser, in denen viele Männer wohnen“, entgegnet Steiner. „Wovor haben Sie den Angst? Vor Vergewaltigung?“, hakt er nach. Die Frau wird wütender, der Grünen-Politiker lege ihr die Worte in den Mund. „Aber wovor haben Sie denn nun Angst?“, fragt er erneut. Das habe sie bereits zu Genüge gesagt, entgegnet die aufgebrachte Anwohnerin. Mit solchen diffusen Ängsten könne er nichts anfangen, meint Steiner. Zudem haben sich die Vorbehalte in keiner Einrichtung der Stadt bestätigt, so Steiner. „Es wird auch hier keine Probleme geben“, sagt der 33-Jährige.

Eine konkretere Kritik der Anwohner betrifft die Straßenbeleuchtung rund um das Gelände und auf dem Friedhofsparkplatz. „Auch dadurch entsteht ein Gefühl der Unsicherheit“, sagt Jutta Barth, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion. Deshalb fordere sie, dass die Stadt dort nachbessert.

Anwohner freuen sich auf neue Nachbarn

Zudem beschweren sich die Anwohner, dass sie nicht informiert worden seien. „Das ist falsch“, sagt Steiner. Und auch eine Anwohnerin bestätigt, dass es einen Informationsabend gegeben habe. Man hätte doch wenigstens in den umliegenden Straßen Postwurfsendungen verteilen können, meint ein Anwohner.

Doch nicht nur Kritiker besichtigen das Containerdorf: Hubertus Plenz wohnt ganz in der Nähe der neuen Einrichtung und freut sich auf die neuen Nachbarn. „Ich möchte auch schauen, wie ich dort ehrenamtlich mithelfen kann“, sagt er. Auch Wiebke Saalbach und Tochter Amelie machen sich wegen der 76 Männer keine Sorgen. „Ich werde auch weiterhin hier langgehen und nicht mit dem Taxi nach Hause fahren“, sagt die 17-jährige Amelie und grinst.

Von Johanna Stein

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Lahe in Zahlen
  • Stadtbezirk : Bothfeld-Vahrenheide, 3. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 47.500
  • Einwohner je Stadtteil: Bothfeld (20.300 Ew.), Vahrenheide (9.200 Ew.) Sahlkamp (13.600), Isernhagen-Süd (2.800), Lahe (1.800)
  • Bevölkerungsdichte : 1.549 Einwohner/km²
  • Postleitzahl : 30657, 30659
  • Besonderheit: Durch Lahe führen die Autobahnen A 2 und A 37, die sich hier im Autobahnkreuz Hannover-Buchholz kreuzen.