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Viele Menschen, wenig Infrastruktur

Lahe Viele Menschen, wenig Infrastruktur

Der Stadtteil Lahe hat gerade einmal 1840 Einwohner, keine Schulen, keine Kindertagesstätten in kirchlicher oder kommunaler Trägerschaft und auch keinen Supermarkt. Dafür gibt es in Lahe große Grundstücke, die der Stadt Hannover gehören - und auf denen noch in diesem Jahr drei Flüchtlingsunterkünfte entstehen sollen.

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Seit Anfang Februar im Bau: In der neuen Flüchtlingsunterkunft an der Laher Feldstraße können zwischen 120 und 140 Menschen untergebracht werden. Ende April sollen die Bauarbeiten dort abgeschlossen sein. Fotos: Schaarschmidt (2)

Quelle: Tim Schaarschmidt

Lahe. Bis zu 680 Flüchtlinge will die Verwaltung im nordöstlichsten Stadtteil Hannovers in Zukunft einquartieren. „Das ist nicht optimal, aber daran können Sie ermessen, wie groß der Druck ist“, sagte Stadtbezirksmanagerin Martina Raab bei einer Informationsstunde während der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Bothfeld-Vahrenheide.

Seit dem 9. Februar entsteht eine Flüchtlingsunterkunft an der Laher Feldstraße, die von 120 bis 140 Menschen bewohnt werden soll. „Die Fertigstellung wird für Ende April prognostiziert“, berichtete Raab. Die letzten Module sollen am morgigen Freitag vor Ort ankommen. Der Betreibervertrag für die Notunterkunft neben dem Laher Stadtfriedhof soll dem Bezirksrat voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung am 16. März zur Abstimmung vorgelegt worden.

Ein Grundstück an der Rendsburger Straße - keine 200 Meter von der Autobahn 2 entfernt - soll bis Ende Februar für den Bau einer weiteren Flüchtlingsunterkunft vorbereitet werden. Zunächst stehen aber nur einige Baumfällungen an. „Bis die Bautätigkeit beginnt, wird noch eine Weile vergehen“, kündigte Raab an. Die Bauweise der Unterkunft sei noch offen. Sicher sei nur, dass an dieser Stelle ebenfalls bis zu 140 Personen unterkommen sollen.

Deutlich mehr Wohnraum werden indes einige Leichtbauhallen an der Kirchhorster Straße bieten. Zwischen 200 und 400 Bewohner sollen laut den Plänen der Stadt dort eine Notunterkunft bekommen. „Es wird damit gerechnet, dass die Hallen im ersten Halbjahr bezugsfertig sind“, sagte Raab, „die Ausschreibung wird erst erstellt.“ Eine 312,5 Quadratmeter große Halle biete Platz für bis zu 40 Bewohner. Auf der städtischen Fläche an der Kirchhorster Straße gebe es grundsätzlich genügend Platz für zehn solche Hallen.

Einige Bezirksratsmitglieder und Bürger aus Lahe äußerten angesichts von derart vielen Flüchtlingen Bedenken. „Bei der Integration sehe ich massive Probleme“, sagte ein Anwohner. Im Gegensatz zu dichter besiedelten Stadtteilen sei in Lahe nicht zu erwarten, dass sich angemessen große Unterstützerkreise für die Flüchtlingsheime bilden. Er forderte für die Unterkünfte in seinem Stadtteil daher mehr Sozialarbeiterstellen. „Hier wäre eine Gleichbehandlung eine Schlechterbehandlung“, sagte er. Der aktuelle Betreuungsschlüssel der Stadt liegt laut Raab bei drei Sozialarbeitern pro 100 Flüchtlingen.

„Wenn man sich vor Augen hält, dass Lahe nicht einmal 2000 Einwohner hat, ist das eine immense Menge“, mahnte auch CDU-Fraktionschef Felix Blaschzyk. Kritik äußerte er jedoch nur am Verfahren zur Auswahl der Standorte. „Die neuerlichen Unterkünfte sind völlig am Bezirksrat vorbei entschlossen worden“, ärgerte sich Blaschzyk. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Spiegelhauer stellte ebenfalls „eine gewisse Ballung“ in Lahe fest und forderte von der Stadt eine verstärkte Aufmerksamkeit für die Unterkünfte. Konkrete Schwierigkeiten erwartet er aber nicht. „Die Flüchtlingsunterbringung läuft bisher sehr gut und ohne Probleme im Stadtbezirk“, sagte Spiegelhauer. Ähnlich äußerte sich auch Bezirksratsherr Christoph Steiner (Grüne). „Viele Leute sind sehr selbstständig, man muss nicht immer von außen so viel dazu tun“, sagte er. Als „indirekter Anwohner“ der Flüchtlingsunterkunft Oststadtkrankenhaus könne er die zukünftigen Nachbarn beruhigen. „Es ist super unspektakulär“, beschrieb Steiner das Leben neben einem Flüchtlingsheim.

Eine Anwohnerin aus Bothfeld warf noch die Frage auf, wie die Bewohner der Unterkünfte in Lahe denn am Stadtleben in Hannover teilnehmen sollen. „Die Flüchtlinge haben ja nicht viel Geld“, sagte sie, „man kann nicht erwarten, dass sie ständig mit der Stadtbahn fahren.“ Eine Antwort konnte spontan keiner der Anwesenden im Bezirksrat geben. Der Stadt Hannover bleibt allerdings noch Zeit, um sich für dieses Problem eine Lösung einfallen zu lassen.

Von Christian Link

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Lahe in Zahlen
  • Stadtbezirk : Bothfeld-Vahrenheide, 3. Stadtbezirk in Hannover
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 47.500
  • Einwohner je Stadtteil: Bothfeld (20.300 Ew.), Vahrenheide (9.200 Ew.) Sahlkamp (13.600), Isernhagen-Süd (2.800), Lahe (1.800)
  • Bevölkerungsdichte : 1.549 Einwohner/km²
  • Postleitzahl : 30657, 30659
  • Besonderheit: Durch Lahe führen die Autobahnen A 2 und A 37, die sich hier im Autobahnkreuz Hannover-Buchholz kreuzen.