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Lahe Wird Lahe zum Sammelbecken für Hannovers Sozialfälle?
Hannover Aus den Stadtteilen Lahe Wird Lahe zum Sammelbecken für Hannovers Sozialfälle?
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00:15 05.02.2017
Auf einer bereits befestigten Freifläche an der Alten Peiner Heerstraße soll das neue Obdachlosenheim entstehen. Die Container (im Bild) an der Autobahnzufahrt werden abgerissen. Quelle: Conrad von Meding
Hannover

Entwickelt sich Lahe durch die geplante Erneuerung und Erweiterung der Obdachlosenunterkunft an der Alten Peiner Heerstraße zu einem Sammelbecken für Menschen mit sozialen Problemen? Stadtverwaltung und die rot-grüne Bezirksratsmehrheit glauben das nicht und halten die Entwicklung in Lahe für unbedenklich. Die CDU-Fraktion ist sich da nicht so sicher.

Nachdem die Planungen jahrelang nicht vorankamen, hat die Stadt in der jüngsten Bezirksratssitzung endlich einen konkreten Bebauungsplan für eine neue Obdachlosenunterkunft zwischen der Autobahn 2 und dem Stadtfriedhof Lahe vorgelegt. Demnach soll die neue Wohnanlage etwa 150 Meter weiter südlich entstehen und doppelt so viele Plätze wie das bestehende Containerdorf vorhalten. Aktuell sind in den Stahlcontainern, die hier seit 20 Jahren stehen, rund 50 obdachlose EU-Bürger aus Osteuropa untergebracht. Es handelt sich hauptsächlich um Roma und Sinti.

20 Prozent der Anwohner obdachlos?

Hannovers Hochburg der Kleinfamilien

Grundsätzlich gilt Lahe als eine der wohlhabenderen Adressen Hannovers - zumindest wenn man die Anwohner betrachtet, die dort tatsächlich ihren Wohnsitz haben.

Laut der jüngsten Stadtteilstatistik leben in Lahe 1827 Einwohner (Stichtag: 1. Januar 2016) in 757 Privathaushalten. Hier gibt es so wenig Singlehaushalte wie sonst in keinem anderen Stadtteil. Nur 28,7 Prozent wohnen allein, in Hannover sind es durchschnittlich 54,3 Prozent. Ebenfalls 28,7 Prozent beträgt der Anteil der Familienhaushalte - das ist absoluter Spitzenwert in Hannover (Durchschnitt: 16,8 Prozent). Dabei handelt es sich vor allem um Kleinfamilien mit ein oder zwei Kindern. Der Anteil von Einwohnern unter 18 Jahre liegt mit 20,7 Prozent ebenfalls 5 Prozent über dem Durchschnittswert.

Die Arbeitslosigkeit liegt mit 4,6 Prozent deutlich unter dem stadtweiten Durchschnittswert von 7,4 Prozent. Und auch der Anteil von Einwohnern mit Mitgrationshintergrund ist mit 24,7 Prozent geringer als im Schnitt (29,3 Prozent). Nur 6,4 Prozent der Laher erhalten Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, was nur noch von wenigen Stadtteilen wie Waldhausen, Zoo, Kirchrode oder Isernhagen-Süd unterboten wird. Im Schnitt gibt es 15,6 Prozent Transferempfänger in Hannover. cli

Schon bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung, die bei Bebauungsplanverfahren vorgeschrieben ist, gab es im Sommer Bedenken aus dem Stadtteil. Ein Bürger wandte ein, dass der Standort „zu einer Zentralisierung von Menschen mit besonderen Anforderungen an die Gesellschaft“ führe. Dies werde erhebliche Probleme verursachen. Nach den Berechnungen des Bürgers betrage der Anteil von Menschen ohne eigene Unterkunft in Lahe bald mehr als 25 Prozent.

„Das wäre eine Zahl, die dem Stadtteil nicht zuzumuten ist“, sagte auch Eike Bredow (CDU) in der jüngsten Bezirksratssitzung und mahnte: „Wenn Lahe überproportional zur Unterbringung genutzt wird, kann das Ängste schüren.“

Tatsächlich wird der Anteil der Obdachlosen bis zu 20 Prozent erreichen, wenn die Stadt alle geplanten Projekte verwirklicht und voll auslastet: Die Obdachlosenunterkunft Alte Peiner Heerstraße wird maximal 100 Personen beherbergen. Jeweils 70 Bewohner haben die bereits bestehende Unterkunft für Drogenabhängige Obdachlose (U.D.O.) und das Flüchtlingswohnheim Laher-Feld-Straße. Weitere 130 Flüchtlinge sollen in die Unterkunft an der Rendsburger Straße einziehen, die sich im Bau befindet. Insgesamt sind das 340 Menschen ohne feste Wohnung im Verhältnis zu 1827 Bürgern mit Wohnsitz in Lahe.

Keine Obergrenze für Obdachlose oder Flüchtlinge

Stadtplaner Uwe Holland hält von solchen Rechenspielen allerdings nichts. „Am Ende kommt es darauf an, ob diese Unterbringung in Lahe zu sozialen Spannungen führen“, sagte er und stellte klar: „Wir sehen als Verwaltung kein Problem.“ Eine bestimmte Obergrenze für Obdachlose oder Flüchtlinge wies Holland aus Sicht der Stadtverwaltung entschieden zurück.

„Lahe hat keine Stadtteilkulturarbeit und kein Stadtteilzentrum. Es ist schwierig, da überhaupt Menschen am Stadtteilleben teilhaben zu lassen“, kritisierte Felix Blaschzyk (CDU). Insbesondere die Unterbringung von Flüchtlingen dürfe nicht in die strukturschwächsten Gegenden Hannovers abgedrängt werden. „Wir sollten Menschen zentral unterbringen und nicht am Stadtrand“, forderte Blaschzyk. „Der Standort ist nicht optimal“, räumte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Imke Knoll ein und fügt an: „Aber es gibt Standorte, die sind schlecht, und andere, die sind noch schlechter.“

Von Christian Link

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