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„Wir und unsere Schule“

Leinhausen „Wir und unsere Schule“

Die Grundschule Fuhsestraße feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und setzt auf das Prinzip Vielfalt. Die Bildungseinrichtung ist eine offene Ganztagsschule.

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50 Jahre alt wird die Grundschule Fuhsestraße in diesem Jahr – gefeiert wird mit diversen Aktionen. Fotos: Surrey (5)

Quelle: Rainer Surrey

Leinhausen. Jeden Tag nimmt ein anderer Erstklässler das Tagebuch mit nach Hause und gestaltet darin eine Seite. An diesem Tag ist Görkalp dran. Der Sechsjährige aus der 1b der Grundschule Fuhsestraße weiß schon ganz genau, was er zeichnen wird: „Meine Familie.“ Das sind seine Mutter, sein Vater, sein neunjähriger Bruder und er selbst. Andere Kinder haben das Schwimmbad, die Eislaufbahn oder ihr Wohnhaus gemailt. Klassenlehrerin Monika Schröder spricht die Bilder täglich mit ihren Schülern durch. So erweitern die Sechs- und Siebenjährigen, von denen viele ausländische Wurzeln haben, nicht nur ihren Wortschatz, sondern lernen gleich auch noch erste Rechtschreibung. Insgesamt 24 Kinder sind in der Klasse, der Raum ist mit Tischen und Stühlen vollgestellt.

Deutlich mehr Bewegungsfreiheit bietet der Schulhof, wo die Mädchen und Jungen in der Pause rumtoben. Für viele ist der Schultag so lang wie der Arbeitstag ihrer Eltern. Die Grundschule Fuhsestraße ist eine offene Ganztagsschule, die Kinder der Jahrgänge 2 bis 4 können freiwillig an einem der zahlreichen Nachmittagsangebote teilnehmen, sie müssen es aber nicht. Die Liste der Angebote ist beeindruckend, sie reicht von Rugby über Comiczeichnen, Basteln, Theater, Tanzen sowie Musikvideoproduzieren, Lesen und Fußball bis zu Waveboardfahren, Experimentieren und Kochen. In einer Arbeitsgemeinschaft schreiben die Kinder ein Lied für ihre Schule, in einer anderen arbeiten sie die Geschichte auf. Denn die Schule feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.

„Unser Motto ist ,Schule der Vielfalt, wir können das‘“, sagt Schulleiter Frank Post. Drei Viertel der Kinder sprechen neben Deutsch noch eine andere Sprache, sie stammen aus rund 30 unterschiedlichen Ländern. Auch ihre Familien sind ganz verschieden, manche leben nur mit einem Elternteil, andere haben nur ein geringes Einkommen. Christen, Muslime, Hindus - alle Weltreligionen seien hier vertreten, sagt Post. Von den 18 Kindern in der Sprachlernklasse kann ein Drittel überhaupt noch gar nicht lesen und schreiben, sechs Kinder sind also Analphabeten.

Zehn bis 15 der insgesamt 250 Schüler an der Fuhsestraße haben ein Handicap. In den Klassen werden sie nicht nur von den Regellehrern, sondern auch von Sozialpädagogen und Inklusionshelfern unterstützt. Post nennt das „Vielfalt der Professionen“. Von den 50 Mitarbeitern der Schule sind nur 23 tatsächlich Lehrer. Post fordert: Wer mit den Kindern an der Schule arbeite, egal ob am Vormittag oder am Nachmittag, müsse auch ein volles Stimmrecht in den Schulgremien haben. Bislang ist das nicht so. Bislang sind Unterricht am Vormittag und Arbeitsgemeinschaften, die von pädagogischen Mitarbeitern eines Kooperationspartners ausgerichtet werden, getrennte Angelegenheiten. Wenn ein Lehrer am Vormittag bemerkt, dass ein Schüler Probleme hat oder macht, darf er mit dem Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung nicht darüber reden. „Das ist absurd“, findet der Schulleiter. Zeit für Konferenzen oder Abstimmungsgespräche dieser Art sind im Lehreralltag sowieso nicht vorgesehen.

Die Schule, die erst Haupt- und Grundschule war, ist in den vergangenen 50 Jahren stark gewachsen (Post: „Das Neue wächst im Alten“), die räumlichen Möglichkeiten sind es nicht, Platz für Differenzierung fehlt, die Sanitäranlagen sind veraltet. Post ist aber zuversichtlich, dass die Stadt den Sanierungsbedarf kennt: „In fünf bis zehn Jahren wird die Schule umgebaut sein“, glaubt er.

Die Grundschule Fuhsestraße will keine „Leuchtturmschule“ sein, sondern eine ganz normale, fest im Stadtteil verankerte Grundschule. Der Schulverbund Stöcken, in dem die Grundschule seit 20 Jahren zusammen mit der Grundschule Am Stöckener Bach, der Integrierten Gesamtschule Stöcken und der Goetheschule auch ganz praktisch zusammenarbeitet, etwa bei der Mittagsverpflegung, gehört dazu. „Wer hier tätig ist, muss Teamarbeit können“, sagt Post. Das Motto sei nicht „Ich und meine Klasse“, sondern „Wir und unsere Schule“. Grundprinzip für Schüler, Lehrer und Mitarbeiter an der Grundschule in Leinhausen sei, dass man sich in seiner Unterschiedlichkeit akzeptiere, betont Post. Das lernen schon Erstklässler wie Görkalp.

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Leinhausen in Zahlen
  • Stadtbezirk : Herrenhausen-Stöcken, 12. Stadtbezirk in Hannover
  • Stadtteile: Burg, Herrenhausen, Ledeburg, Leinhausen, Marienwerder, Nordhafen und Stöcken
  • Einwohner: Im Stadtbezirk ca. 34.664 Einwohner
  • Einwohner je Stadtteil: Burg (3.725), Herrenhausen (7.660), Ledeburg (5.797), Leinhausen (2.918), Marienwerder (2.461), Nordhafen (128) und Stöcken (11.975)
  • Bevölkerungsdichte : 1.641 Einwohner je km²
  • Postleitzahl : 30419
  • Geschichte: Einer der kleinsten Stadtteile Hannovers entstand um die 1878 gegründete Königlich Preußische Hauptwerkstätte Leinhausen herum für die dortigen Beschäftigten als "Wohncolonie".